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Facebook wächst rasant : Die Ruhe vor dem Datenskandal

Im Auge des Nutzers: Facebook hat der Datenskandal bislang nicht geschadet. Bild: Reuters

Die Negativschlagzeilen der letzten Wochen hinterlassen bei Facebook bislang noch keine Spuren. Das soziale Netzwerk baut seine Umsätze weiter aus. Doch das böse Erwachen dürfte noch kommen.

          Mark Zuckerberg hat wiederholt gesagt, dass die Affäre um Missbrauch von Nutzerdaten keine größeren Spuren im Geschäft des von ihm geführten sozialen Netzwerks Facebook hinterlassen hat. Das konnte er jetzt auch mit Zahlen untermauern. Wie aus dem am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht hervorgeht, hat Facebook in den ersten drei Monaten des Jahres seine Umsätze weiter rasant ausgebaut und auch neue Nutzer gewonnen. Der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als sechs Prozent zu.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Enthüllungen, dass der britische Datenanalysespezialist Cambridge Analytica auf unzulässigem Wege an die Informationen von Millionen von Facebook-Mitgliedern herangekommen ist, kamen rund zwei Wochen vor Ende des ersten Quartals, insofern lassen die jetzt vorgelegten Zahlen nur bedingt Rückschlüsse auf etwaige geschäftliche Auswirkungen zu. In jedem Fall übertraf Facebook aber die Erwartungen von Analysten klar. Der Umsatz kletterte um 49 Prozent auf 12,0 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 11,4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn erhöhte sich um 63 Prozent auf 5,0 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 1,69 Dollar war um 34 Cent besser als erwartet.

          Nutzerzahl steigt auf 2,2 Milliarden Menschen

          Die Zahl der Mitglieder, die Facebook mindestens einmal im Monat aufrufen, stieg in den vergangenen drei Monaten von 2,13 Milliarden auf 2,20 Milliarden. Von ihnen nutzten 1,45 Milliarden und damit zwei Drittel den Dienst sogar täglich. Dieser Anteil ist seit mehreren Quartalen weitgehend unverändert. Die Nutzerzahlen sind auf der ganzen Welt gestiegen. Selbst in den Vereinigten Staaten und Kanada, wo Facebook in seinem letzten Quartalsbericht im Januar erstmals einen Rückgang bei den täglichen Nutzerzahlen meldete, gab es diesmal wieder einen leichten Zuwachs.

          In Europa könnte allerdings die Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, die Ausgangslage ändern: Wie Finanzvorstand Dave Wehner in einer Telefonkonferenz am Mittwoch sagte, könnte hier die Zahl der täglichen und monatlichen Nutzer im zweiten Quartal aufgrund der neuen Richtlinien stagnieren oder sogar sinken. Auch der Umsatz in der Region könnte beeinträchtigt werden.

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          Facebook macht sein Geschäft fast vollständig mit Werbung. Um diese Werbung möglichst gut auf seine Nutzer abzustimmen, wertet das Unternehmen Daten seiner Plattform und auch aus anderen Quellen aus. Dieses auf Datenverwertung basierende Geschäftsmodell wurde kürzlich bei den Anhörungen mit Zuckerberg vor dem amerikanischen Kongress kritisch von Politikern hinterfragt. Der Facebook-Chef sagte jetzt in der Telefonkonferenz, diese Anhörungen seien „ein wichtiger Moment für das Unternehmen“ gewesen.

          Zuckerberg verspricht „breiteren Blick auf Facebooks Verantwortung“

          Allgemein schlug Zuckerberg am Mittwoch ähnliche Töne an wie schon häufiger in den vergangenen Wochen. Er gab sich reumütig und sagte, Facebook habe in der Vergangenheit zu wenig gegen die Instrumentalisierung seiner Plattform getan, ob in Form von Hasskommentaren, politischer Propaganda oder missbräuchlicher Nutzung von Daten. Er wiederholte, einen „breiteren Blick auf unsere Verantwortung“ haben zu wollen. Facebook werde deshalb weiter in Technologie investieren und Mitarbeiter einstellen, um sicherzustellen, dass der Dienst „für gute Dinge“ genutzt werde. Zuckerberg verteidigte aber auch grundsätzlich das werbefinanzierte Geschäftsmodell seines Unternehmens. Und er versuchte auch, den Blick jenseits der gegenwärtigen Kontroversen nach vorne zu richten. Facebook werde nicht nur in die Sicherheit seines Angebots investieren, sondern „noch mehr“ in die Entwicklung neuer Instrumente, um Menschen zusammenzubringen.

          Vage blieb Zuckerberg, als er über die Bemühungen sprach, das soziale Netzwerk so umzubauen, dass es persönlicher wird und der Kommunikation mit Freunden und Familie Priorität gibt anstatt passiv konsumierter Inhalte wie sogenannter „viraler“ Videos, die sich schnell im Internet verbreiten. Beim letzten Quartalsbericht vor drei Monaten gab er zu, dass dieser Umbau das Nutzerverhalten beeinflusst habe und die auf Facebook verbrachte Zeit um 5 Prozent oder 50 Millionen Stunden am Tag gefallen sei. Diesmal wollte das Unternehmen hierzu auch auf Nachfrage keine konkreten Zahlen nennen.

          Facebook kündigte bei der Vorlage der Zahlen auch an, einen weiteren Aktienrückkauf von bis zu neun Milliarden Dollar autorisiert zu haben. Im November 2016 hatte Facebook erstmals überhaupt einen Aktienrückkauf angekündigt, damals mit einem Volumen von sechs Milliarden Dollar.

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