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Widerstand aus der Politik : EZB stößt mit faulen Krediten an ihre Grenzen

Banken zögern Wertberichtigungungen hinaus

Banken zögern diese Wertberichtigungungen hinaus, weil sie befürchten, dann Probleme mit ihrer Eigenkapitalausstattung zu bekommen. Der Spielraum in den Bilanzregeln wird genutzt, solange es möglich ist. Oftmals lässt sich ein Referenzwert für den Marktwert der faulen Kredite nur schwer ermitteln. Doch es gibt einen Markt für ausfallgefährdete Forderungen und Investoren, die faule Kredite erwerben, weil sie deren Sicherheiten wie die Immobilie verwerten wollen. Das sind Finanzinvestoren wie Lone Star, Cerberus oder Fortress. Aber auch Investmentbanken kaufen Problemkredite. So soll die Deutsche Bank in Spanien und Italien einige Tranchen erworben haben, ist im Markt zu vernehmen.

Um aus der Verwertung einen Gewinn erzielen zu können, müssen die faulen Kredite in den Bankbilanzen entsprechend niedrig bewertet sein. Im vergangenen Juli gelang der italienischen Großbank Unicredit ein Befreiungsschlag, als sie notleidende Forderungen im Nominalwert von 18 Milliarden Euro verkaufte. Die Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank hatte diese zuvor auf einen Buchwert von 13 Prozent abgeschrieben und gleichzeitig das Eigenkapital um 13 Milliarden Euro erhöht. Einen ähnlichen Befreiungsschlag hat am Dienstag die italienische Großbank Intesa Sanpaolo angekündigt: Sie will bis zum Jahr 2021 den Bestand an faulen Krediten halbieren.

Verkauf fauler Kredite

Die EZB hat in ihrem letzten Finanzstabilitätsbericht Handelsplattformen für notleidende Kredite als wichtigen Beitrag zur Lösung des Problems gefordert. Eine solche Plattform betreibt Timur Peters in Frankfurt mit Debitos. Deren Entwicklung begann im Jahr 2010, inzwischen dürften faule Kredite im Wert von mehr als 2 Milliarden Euro über die Plattform verkauft worden sein. Peters ist überzeugt, dass Debitos als Handelsplattform den Vorstellungen der EZB entspricht. Seinen Worten zufolge kennt die EZB den tatsächlichen Wert der notleidenden Kredite. Doch die Banken scheuten sich davor, den wahren Wert und die damit verbundenen Abschreibungen zu veröffentlichen. „Unser wichtigster Markt ist noch immer Deutschland, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis Italien vorbeigezogen ist“, sagt Peters.

Den Markt für notleidende Kredite beobachtet für Debitos Peter Riedel, der für Lone Star tätig war, als vor mehr als zehn Jahren Deutschland der große Markt für faule Kredite in Europa gewesen ist. Nach den bislang veröffentlichten Zahlen lässt sich ein besicherter, aber notleidender Immobilienkredit in Italien im Durchschnitt mit 20 bis 30 Prozent des Nennwerts verkaufen. Jede Forderung von einem Euro ist also nur 0,20 bis 0,30 Euro wert. Für unbesicherte Kredite seien es sogar nur 5 bis 10 Prozent. „In Deutschland lässt sich ein besicherter, aber ausfallgefährdeter Immobilienkredit derzeit aufgrund des robusten Immobilienmarktes durchaus häufig zu 80 bis 100 Prozent des Kreditnennwertes verkaufen“, berichtet Riedel. In Italien komme ein Abschlag hinzu, weil die Verwertung der Immobilie deutlich länger dauere. In der Regel seien dafür sieben bis zehn Jahre nötig. Darüber hinaus sei die Qualität der Immobilien oftmals sehr schlecht, weil die in Verzug geratenen Schuldner in der Regel nicht mehr in das Haus investierten, fügt Riedel hinzu.

Die klassischen Käufer notleidender Kredite wie Finanzinvestoren oder Investmentbanken hätten andere Möglichkeiten als die kreditgebenden Banken. „So ist ein Vergleich mit dem Schuldner eher möglich“, sagt Peters. Denn bei einem Kaufpreis von 30 Prozent mache der Investor schon mit einem Vergleich zu 50 Prozent Gewinn, was die kreditgebende Bank niemals zulassen könnte.

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