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Ertragsschwäche : EZB-Aufseher erleichtern Bankenkonsolidierung

Bild: EPA

Europas Banken können mit der Konkurrenz von der Wall Street nicht mithalten. Deshalb fordert der oberste EZB-Bankenaufseher Andrea Enria Fusionen und Übernahmen.

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          Die geringe Ertragskraft und die hohen Kosten europäischer Banken sind den Aufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB) seit langem ein Dorn im Auge. Eine Konsolidierung, auch grenzüberschreitend, fordert regelmäßig Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht. Die EZB will einen solchen Prozess erleichtern und hat am Dienstag nun ihren endgültigen Leitfaden für die aufsichtlichen Anforderungen an Fusionen und Übernahmen vorgelegt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Dieser Leitfaden zur Konsolidierung hilft der EZB, verstanden zu werden, macht das Aufsichtshandeln vorhersagbarer und vermeidet Fehleinschätzungen von aufsichtlichen Erwartungen, was allen zugutekommt“, ließ sich Enria in der Pressemitteilung zitieren. Er hat bislang keinen Hehl daraus gemacht, dass er nach einem Konsolidierungsprozess profitablere und kosteneffizientere Banken erwartet. Der Italiener sieht darin auch einen Anreiz, sich neu auszurichten und mehr in Technologie und Digitalisierung zu investieren. Der Abstand zu den amerikanischen Großbanken soll verringert werden.

          Zwar hat es in Spanien zuletzt mehr Zusammenschlüsse gegeben, doch bislang lässt eine grenzüberschreitende Konsolidierung auf sich warten. Der Bereitschaft zu diesem Wagnis stehen die Corona-Pandemie und die in den kommenden Monaten zu erwartenden Schäden für die Banken wie zum Beispiel Insolvenzwelle und Kreditausfälle entgegen. Zudem gab es an der Vorstandsspitze europäischer Banken in den vergangenen Monaten zahlreiche Wechsel wie zum Beispiel bei Commerzbank oder ING.

          Die italienische Großbank Unicredit sucht gegenwärtig nach einem neuen Chef, nachdem der Franzose Jean Pierre Mustier das Handtuch vor wenigen Wochen aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Verwaltungsrat geworfen hatte. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, will bis zum Jahr 2022 die Transformation fortsetzen und so im Börsenwert den Abstand zur Konkurrenz wie zum Beispiel der französischen BNP Paribas verringern. Ein Hindernis für grenzüberschreitende Zusammenschlüsse sind auch die national unterschiedlichen Insolvenz- und Verbraucherschutzregeln.

          EZB will konstruktiv begleiten

          Doch die EZB will den Banken keine größeren Hindernisse in den Weg legen. Nach dem endgültigen, im vergangenen Juli angekündigten Leitfaden drohen dem aus einem Zusammenschluss hervorgehenden größeren Institut bei einem überzeugenden Integrationsplan keine überzogenen Eigenkapitalvorgaben der Aufsicht. Die Vorstellungen zu der als Verlustpuffer dienenden Eigenkapitalausstattung wollen die Aufseher den Instituten frühzeitig mitteilen. Die Banken können sich vorübergehend auf interne Modelle zur Berechnung des Eigenkapitalbedarfs verlassen.

          Schließlich will die EZB den sogenannten Badwill akzeptieren. Dieser Ertragseffekt entsteht, wenn der Kaufpreis einer Bank unter dem Bilanzwert des Eigenkapitals liegt. Das ist bei fast allen europäischen Banken der Fall, weil ihre Aktien derzeit unter dem Buchwert gehandelt werden. Mit dem Badwill sollen die Banken nach Ansicht der EZB ihr Eigenkapital stärken. Für Dividenden darf er aber nicht eingesetzt werden.

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