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Studie von EY : Unternehmen warnen so oft vor schlechteren Zahlen wie nie zuvor

Kurstafel des Dax Bild: AFP

Vor allem deutsche Autokonzerne haben im Jahr 2019 ihre ursprünglichen Prognosen überraschend und deutlich gesenkt. Nicht nur das Coronavirus lässt nun weiteres Unbill erwarten.

          3 Min.

          Je unsicherer das Umfeld ist, desto schwieriger wird es für die Unternehmen, zutreffende Vorhersagen zu ihrem Geschäft zu treffen. Vor allem die Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China sowie wirtschaftliche Sorgen haben sich im Jahr 2019 überraschend deutlich in den Geschäften der Konzerne niedergeschlagen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Zahl der Warnungen vor einem schlechter als zunächst erwarteten Ergebnis oder Umsatz hat in Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Höchstwert erreicht. Dies ergibt eine Analyse von EY. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft hat dazu die veröffentlichungspflichtigen Korrekturen der Gewinn- und Umsatzprognosen seit 2011 ausgewertet.

          40 Prozent der Konzerne warnten

          Demnach haben die 306 im Qualitätssegment der Deutschen Börse (Prime Standard) geführten Unternehmen im Jahr 2019 insgesamt 171 Ergebnis- oder Umsatzwarnungen ausgesprochen – ein Anstieg um rund ein Viertel gegenüber dem Jahr 2018. In den Jahren 2014 bis 2016 gab es sogar jeweils fast zwei Drittel weniger Warnungen. Rund 40 Prozent der untersuchten Konzerne haben im Vorjahr mindestens einmal ihre Prognose gesenkt.

          Positiv allerdings war, dass im Dax die Zahl der Warnungen von 16 auf 11 zurückging. In der zweiten Aktienreihe hingegen wurde deutlich häufiger vor überraschend schlechten Geschäftszahlen gewarnt als noch 2018 und in allen Jahren davor. Als Grund für die negativen Prognosekorrekturen nannten die Gesellschaften zu 60 Prozent die Konjunktur oder den Markt, gefolgt von höheren Kosten für Personal oder Rohstoffe (18 Prozent).

          Erstmals seit fünf Jahren fiel zudem die Zahl der Konzerne, die ihre eigenen Ziele verfehlten, höher aus als die Zahl derer, die bessere Nachrichten verkündeten. Insgesamt gab es 125 Meldungen zu überraschend höheren Gewinnen oder Umsätzen nach 137 solcher Nachrichten im Jahr 2018 und 189 im Jahr 2017. Die Zahl der positiven Prognoseänderungen im Dax war mit 10 Fällen zuletzt im Jahr 2014 niedriger.

          Schwieriges Jahr

          „2019 war ein sehr schwieriges Jahr für viele deutsche Unternehmen“, sagt Martin Steinbach, Partner von EY. Die Aussichten seien nicht übermäßig positiv gewesen – tatsächlich aber hätten sich die Geschäfte oft noch schlechter entwickelt als ohnehin schon erwartet. Die Weltwirtschaft habe deutlich an Kraft verloren, der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt habe an den Börsen für zusätzliche Unsicherheit gesorgt.

          Es gebe jedoch keine flächendeckende Krise, sagt Marc Förstemann, ebenfalls Partner von EY. Die Industrie stehe zwar enorm unter Druck. Immobilienanbieter, Pharmakonzerne und spezialisierte Technologieunternehmen zum Beispiel machten jedoch nach wie vor gute Geschäfte und überträfen sogar ihre Prognosen.

          Die meisten Warnungen kamen im vergangenen Jahr aus der Automobilbranche: Zehn der zwölf börsennotierten Autokonzerne beziehungsweise Zulieferer mussten laut EY ihre Prognosen nach unten korrigieren. Auch in der Industrie, der Chemie- und der Technologiebranche veröffentlichte jeweils mehr als die Hälfte der Unternehmen im vergangenen Jahr mindestens eine Warnung.

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