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Auslandsbanken : „Der Brexit wird für Banken eine teure Angelegenheit“

Frankfurter Bankentürme im Blick: Der deutsche Finanzplatz Nummer 1 kann vom Brexit profitieren. Bild: Felix Schmitt

Die Auslandsbanken in Deutschland können sich durch den Zuzug aus London auf neue Mitglieder freuen. Doch ihr Verband wertet den EU-Austritt Großbritanniens insgesamt sehr kritisch.

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          Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) kann für die in Deutschland tätigen Auslandsbanken einen deutlichen Bedeutungszuwachs darstellen. Doch Stefan Winter, Vorsitzender des Verbands der Auslandsbanken und als Vorstandsmitglied für das Investmentbanking der UBS Deutschland zuständig, warnt vor höheren Kosten: „Durch den Brexit verteuert sich das Geschäftsmodell für Investmentbanken“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Zeit, alles von einem Standort aus zu machen, sei vorbei. Die Banken müssten bei der Verlagerung bestimmter Geschäfte von London in den Euroraum vor Ort die Einheiten mit Eigenkapital ausstatten sowie das Risikomanagement und Verwaltungsfunktionen wie zum Beispiel das Rechnungswesen einrichten. Hinzu komme der Aufbau der IT-Struktur. „Das macht den Brexit für Banken zu einer teuren Angelegenheit“, fürchtet Winter. Wenn Großbritannien die EU verlässt, dann können die Banken nicht mehr aus London heraus ihre Geschäfte in Kontinentaleuropa betreiben, sondern müssen vor Ort Niederlassungen aufbauen. Die Finanzberatungsgesellschaft Oliver Wyman schätzt den Bedarf an zusätzlichem Eigenkapital für die neuen Tochergesellschaften auf 30 bis 50 Milliarden Dollar. Hinzu kommen zusätzliche Kosten von 1 Milliarde Dollar, weil bestimmte Funktionen doppelt, also in London und in der EU, vorgehalten werden müssen.

          Sehr gut steht nach Ansicht Winters der Finanzstandort Frankfurt im Wettbewerb mit Paris oder Dublin da, wenn es gilt, neue Banken aus London anzulocken. Er schätzt, dass insgesamt 15 Banken aus London nach Frankfurt ziehen werden. Damit verbunden, erwartet Winter, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren in Frankfurt 3000 bis 5000 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Bislang haben die amerikanischen Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie einige japanische Institute erklärt, Hunderte Stellen aus London nach Frankfurt zu verlagern.

          Verband kritisiert Vorgaben

          Der Brexit wird das dominierende Thema sein, wenn der Verband der Auslandsbanken an diesem Mittwoch in Frankfurt zu seinem Jahresempfang lädt. Und die Zeit drängt, warnt Guido Zoeller, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Verbands der Auslandsbanken und Deutschland-Chef der Société Générale. „Am 29. März 2019 wird Großbritannien die EU verlassen, die Banken müssen schon jetzt Vorbereitungen treffen. Erst im kommenden Jahr die Projektteams aufzustellen wäre eindeutig zu spät.“ Zoeller hält es für grundsätzlich denkbar, dass der Finanzplatz London nach dem Brexit versuchen werde, durch eine weichere Regulierung attraktiv zu bleiben.

          Aber auch sein Verband fordert Lockerungen der Vorgaben, damit Frankfurt im Wettbewerb der Finanzstandorte bestehen kann. „Die Auslandsbanken sind für Änderungen im deutschen Arbeitsrecht“, sagt Winter. Der Kündigungsschutz führt seinen Worten zufolge zu extrem hohen Abfindungszahlungen. Diese könnten im siebenstelligen Bereich liegen. „Wir sind für eine Begrenzung auf 300.000 bis 500.000 Euro“, sagt Winter. Dabei gehe es nur um solche Mitarbeiter, die Jahresgrundgehälter von deutlich mehr als 200.000 Euro hätten. „Eine Gesetzesänderung würde dem Markt sehr helfen“, ist Winter überzeugt.

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