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Finanzstabilität : EZB fürchtet Konjunkturabschwung

Die EZB-Türme in Frankfurt Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank rechnet im Falle einer Rezession mit deutlichen Kursverlusten an den Finanzmärkten. Und lobt neue Schutzmaßnahmen, wie sie jüngst die deutschen Aufseher beschlossen haben.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet im Zuge eines konjunkturellen Abschwungs größere Kursschwankungen an den Finanzmärkten, die auch zu einer Gefahr für die Finanzbranche werden können. „Falls sich die Abwärtsrisiken in den Wachstumserwartungen materialisieren, können die Risiken für die Finanzstabilität zunehmen“, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos an diesem Mittwoch anlässlich der Veröffentlichung des halbjährlichen Berichts zur Finanzstabilität in der Währungsunion.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach seinen Worten sind die Wachstumsaussichten von zentraler Bedeutung für die Risiken im Finanzsektor. Die Fachleute der Euro-Notenbank verweisen auf die jüngsten Kursschwankungen an den Finanzmärkten – und nennt als Gefährdungen unerwartet schwache Wachstumsraten sowie eine Eskalation in den internationalen Handelskonflikten, insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten und China.

          Vor allem im Unternehmensbereich sehen die EZB-Volkswirte derzeit besonders hohe Risiken einer Neubewertung. Das gilt weniger für die Adressen mit hoher Kreditwürdigkeit, sondern vielmehr für die finanzschwachen Unternehmen, die das Umfeld extrem niedriger Zinsen für eine höhere Verschuldung genutzt haben.

          Hier verweist die EZB auch auf die Lockerung der Kreditvergabestandards, die sie schon seit längerem beobachtet. Die EZB hält es für richtig, dass in einigen Ländern die Aufseher den antizyklischen Eigenkapitalpuffer für Banken eingeführt haben.

          Am Montag hat der Ausschuss für Finanzstabilität, dem Vertreter des Bundesfinanzministeriums, der Bundesbank und der Finanzaufsicht Bafin angehören, auch für deutsche Institute einen solchen zusätzlichen Schutzring beschlossen. Dieser wird ab dem dritten Quartal 0,25 Prozent der Bilanzrisiken wie zum Beispiel der Kredite betragen.

          Die deutschen Banken müssen bis Juli 2020 zusätzliches Eigenkapital von 5,3 Milliarden Euro aufbauen. Das sehen die Aufseher als beherrschbar, weil ausreichend überschüssiges Eigenkapital im deutschen Bankensystem vorhanden ist. In Frankreich wird der Kapitalpuffer im kommenden Jahr mit 0,5 Prozent doppelt so hoch liegen wie in Deutschland. In Irland vom 5. Juli 2019 an mit 1 Prozent sogar vier Mal so hoch.

          Einen Konjunkturabschwung fürchtet die EZB auch wegen der Auswirkungen auf überschuldete Eurostaaten wie zum Beispiel Italien. Die Zweifel an deren Schuldentragfähigkeit könnten zu schlechteren  Finanzierungskonditionen, also höheren Risikoaufschlägen für die Staatsanleihen führen.

          Weiter schwach stufen die EZB-Fachleute die Profitabilität der Banken im Euroraum ein. Die Eigenkapitalrendite des gesamten Bankensektors schätzt die EZB in den kommenden zwei bis drei Jahren auf rund 6 Prozent. Ein großer Teil der Banken aus dem Euroraum werde nicht die von den Investoren geforderte Eigenkapitalverzinsung zwischen 8 und 10 Prozent erreichen. Grundsätzlich stuft die EZB die Widerstandsfähigkeit der europäischen Banken aufgrund der höheren Eigenkapitalausstattung aber als gut ein.

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