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Übernahmeversuch : Kampf um die spanische Börse

Die Börse in Madrid. Bild: EPA

Die Schweizer Börse bietet 2,8 Milliarden Euro für den Rivalen aus Madrid. Doch Euronext erwägt schon eine Gegenofferte.

          2 Min.

          Die Konsolidierungswelle in der Welt der Börsenbetreiber geht munter weiter. Die Schweizer Six-Gruppe, welche die Börse in Zürich betreibt, will das spanische Pendant Bolsas y Mercados Españoles (BME) übernehmen. Dafür sind die Eidgenossen bereit, tief in die Tasche zu greifen: Sie bieten gut 2,8 Milliarden Euro in bar oder 34 Euro je Aktie. Gegenüber dem BME-Schlusskurs vom 15. November würde Six also eine Prämie von fast 34 Prozent zahlen; gegenüber dem durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen sechs Monate betrüge der Aufschlag sogar nahezu 48 Prozent. Durch die Übernahme entstünde der drittgrößte Finanzmarkt-Infrastrukturanbieter in Europa.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Aber noch ist offen, ob die Schweizer in Madrid zum Zuge kommen. Denn es gibt noch einen zweiten Interessenten: Euronext. Der Betreiber der Börsen in Amsterdam, Paris, Brüssel, Dublin und Lissabon teilte am Montag mit, in Gesprächen mit dem BME-Verwaltungsrat zu sein. Diese könnten in einem Übernahmeangebot für die spanische Börse münden.

          Euronext hat angeblich auch ein Auge auf den italienischen Börsenbetreiber Borsa Italiana geworfen. Dieser könnte zu haben sein, falls sich die London Stock Exchange im Rahmen der geplanten, 27 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Datenanbieters Refinitiv von der Mailänder Börse trennt. Die Übernahmewelle hat ihren Grund: Die Geschäfte der Börsen leben von der Skalierung. Je mehr Finanzprodukte über eine Infrastruktur gehandelt werden, desto höher die Erträge.

          Schweizer schlagen die Werbetrommel

          Im Ringen um die spanische Börse scheinen die Schweizer derzeit die Nase vorn zu haben. Der BME-Verwaltungsrat stuft die Offerte aus Zürich als „freundlich“ ein. Vorbehaltlich einer genaueren Prüfung und vorbehaltlich etwaiger Gegenangebote spiegele der gebotene Preis den aktuellen Wert von BME, hieß es in einer ersten Stellungnahme aus Madrid. Die Spanier sind offenbar auch mit den Versprechen der Schweizer hinsichtlich der künftigen Struktur von BME zufrieden.

          Nach eigenen Angaben will Six die Position von BME in Spanien erhalten und stärken und wenigstens für vier Jahre nichts an der Strategie, der Aufstellung und den Standorten in Spanien ändern. Die Schweizer sichern den Spaniern „ein ausreichendes Maß an Unabhängigkeit für ihr Geschäft“ zu. Der Six-Vorstandschef Jos Dijsselhof schlug am Montag noch weiter die Werbetrommel: „BME kann von der Expertise von Six entlang der gesamten Wertschöpfungskette profitieren und erhält die Möglichkeit, EU-Hub für den größten Vermögenspool der Welt zu werden.“ Außerdem pries Dijsselhof die Größenvorteile und die Effizienzgewinne, die sich aus der Kombination der Technologie- und Wertpapierdienstleistungen der beiden Gruppen ergäben.

          Weil die Schweiz das von der EU-Kommission gewünschte institutionelle Rahmenabkommen bis zum Fristablauf Ende Juni nicht unterschrieben hat, wird die Schweizer Börse nicht mehr als gleichwertig mit jener in der EU anerkannt. Reagiert Six mit dem spanischen Übernahmemanöver also auf diese Behinderung? Will man sich so ein Standbein in der EU aufbauen? Dijsselhof wies derlei Spekulationen zurück.

          Das Angebot für BME habe nichts mit dem Streit um die Börsenäquivalenz zu tun, sagte der Six-Chef in einer Telefonkonferenz. Die Gespräche zwischen der Schweiz und der EU würden sich deswegen weder vereinfachen noch verhärten. Ob er bereit wäre, die Offerte im Zweifel noch zu erhöhen, ließ Dijsselhof offen. Die finanziell sehr gut gepolsterte Six-Gruppe will den Kaufpreis aus den vorhandenen Mitteln sowie mittels einer Brückenfinanzierung stemmen, die von der Credit Suisse zur Verfügung gestellt wird. Die Großbank zählt zu der Gruppe Schweizer Banken, denen Six gehört. (Kommentar Seite 22.)

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