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Drei-Jahres-Hoch : Warum der Euro so stark ist

Die Europäische Zentralbank Bild: dpa

Der Euro steht so hoch wie seit drei Jahren nicht. Das liegt daran, dass die Europäische Zentralbank vielleicht bald die Zinsen erhöht. Doch der Kurs muss nicht so bleiben.

          Es gibt viele Erklärungen, sicher ist vor allem: Der Euro ist so viel wert wie seit drei Jahren nicht. Am Freitag kletterte der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,2173 Dollar. Auf einem solchen Niveau lagen die Notierungen zuletzt Ende 2014. Als Grund für den jüngsten Kursschub gelten im Handel vor allem Spekulationen, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre lockere Geldpolitik vielleicht doch früher als erwartet beenden und die Leitzinsen im Euroraum erhöhen, wie es die amerikanische Notenbank schon seit Ende 2015 tut. Das spiegelt sich auch am Anleihemarkt. Hier ist zum Beispiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Freitag bis auf gut 0,6 Prozent geklettert – der höchste Wert seit Juli 2017. Zum Vergleich: Ende Dezember rentierten diese Papiere noch mit rund 0,4 Prozent. Einige Händler hielten auch die Nachricht für kursrelevant, dass es in Deutschland nun wohl doch zu einer großen Koalition aus CDU/CSU und SPD kommen dürfte.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Richtig ist, dass die EZB zurzeit eine ganze Reihe von Signalen aussendet, die durchaus auf eine schnellere Normalisierung der lockeren Geldpolitik hindeuten könnten“, sagt David Kohl, Chefvolkswirt von Julius Bär in Deutschland. Das könne man möglicherweise aus den am Donnerstag veröffentlichten Sitzungsprotokollen der Notenbank lesen. Zudem hätten sich zu Jahresbeginn einige Mitglieder des EZB-Gremiums in diese Richtung geäußert. Gleichwohl seien dies aber vor allem diejenigen gewesen, die ohnehin als Befürworter einer restriktiveren Politik gälten. „In den Vereinigten Staaten gibt es 2 Prozentpunkte mehr an Zinsen als in Deutschland“, sagt Kohl. Daher treibe die Hoffnung, dass sich dieser Nachteil abbaue, den Kurs des Euros.

          Der bei der Schweizer Bank Julius Bär für die Währungsanalyse verantwortliche Ökonom verweist aber auch auf die vergleichsweise geringen Umsätze zum Jahresbeginn und technische Faktoren. Es fehle ihm aber an Phantasie dafür, dass eine mögliche Regierungsbildung ebenfalls für den Kursschub verantwortlich sein könne. Kohl rechnet mit ersten Zinsschritten der EZB weiterhin erst 2019. Die Notenbank habe genug Zeit, in diesem Jahr erst einmal ihr extremes Anleihekaufprogramm zurückzufahren. Denn die Kerninflation sei mit Werten von gut 1 Prozent nach wie vor niedrig. Und die Geldpolitik der EZB gelte nicht nur für Deutschland, wo es schon jetzt Anzeichen dafür gebe, die lockere Zinspolitik besser zu beenden, sondern für den gesamten Euroraum. Kurzfristig rechnet Kohl mit einem eher fallenden Kurs und einem wieder schwächeren Euro. Denn die Zinsdifferenzen seien schon enorm. Langfristig sieht er den Kurs auf 1,30 Dollar steigen, da der Euro mehr Potential habe als der Dollar.

          Analysten rechnen mit ungefähr stagnierendem Kurs

          Die Prognose der Wechselkurse gilt als besonders schwierig. Die Einflussfaktoren sind zahlreich und eng miteinander verwoben. Schon allein deswegen verwundert es wenig, dass im vergangenen Jahr die Marktauguren von der deutlichen Stärke des Euros überrascht wurden. Die Gemeinschaftswährung hat seit Ende 2016 bis jetzt zum Dollar 15 Prozent an Wert gewonnen. Analysten hatten dagegen vor allem wegen der in Amerika schon wieder steigenden Zinsen mehr auf den Dollar gesetzt, da dies den Dollar-Raum für Anleger eigentlich attraktiver macht.

          In einer Umfrage dieser Zeitung unter 27 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern zum Jahresende trauen diese dem Euro in der Mehrheit zu, stark zu bleiben. Das beherrschende Thema bleiben die Zinsunterschiede zwischen Amerika und dem Euroraum. Im Durchschnitt ergibt sich zur Jahresmitte ein erwarteter Eurokurs von 1,17 Dollar, was einem leichten Minus um 3 Prozent entspräche. Für Ende 2018 sagen die Befragten durchschnittlich 1,18 Dollar vorher.

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