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Neue Euroscheine : Abschied von Brücken, Toren und Fenstern

Diesmal nicht nur etwas andere Farben: Das Aussehen des Euro-Bargelds soll sich deutlich verändern. Bild: dpa

Das Euro-Bargeld wird 20 Jahre alt. Die EZB nimmt das zum Anlass, um das Aussehen der Scheine zu ändern. Die Bürger sollen dabei diesmal mitreden.

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          Es war ein ungewöhnlicher Kompromiss. Als am 1. Januar 2002 das Eurobargeld eingeführt wurde, konnte man auf den Scheinen keine echten Gebäude oder Persönlichkeiten entdecken. Darauf hatten sich die Regierungen der noch jungen Währungsunion nicht verständigen können. Stattdessen wurden abstrakte, fast allegorische Brücken, Tore und Fenster dargestellt, die jeweils einen unterschiedlichen Baustil der Geschichte Europas repräsentieren sollten – von der Klassik bis zur Architektur des 20. Jahrhunderts.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jetzt wird das Euro-Bargeld 20 Jahre alt. Aus diesem Anlass will die Europäische Zentralbank (EZB) die Scheine nun völlig neu gestalten. Anders als im Jahr 2013, als es nur eine kleine Auffrischung des Designs mit neuen Farben gab, sollen diesmal auch die Darstellungen selbst verändert werden. Es soll neue, andere Themen geben, die auf den Geldscheinen behandelt werden. Darüber soll jetzt diskutiert werden – und zwar mit Beteiligung der Bürger, wie die EZB am Montag ankündigte. Entscheiden soll zwar der EZB-Rat, das oberste geldpolitische Gremium der Notenbank. Aber die Bürger sollen mitreden können.

          Bargeld moderner machen

          EZB-Präsidentin Christine Lagarde deutete an, dass es auch deshalb wichtig sei, die Banknoten moderner zu gestalten, damit das Bargeld in Zeiten der Digitalisierung und des geplanten digitalen Euro weiter auf der Höhe der Zeit bleibe: „Die Euro-Banknoten werden bleiben“, hob Lagarde hervor. Sie seien „ein greifbares und sichtbares Symbol“ dafür, dass Europa zusammenstehe, insbesondere in Krisenzeiten. Zudem würden sie nach wie vor stark nachgefragt. „Nach 20 Jahren ist es an der Zeit, das Aussehen unserer Banknoten unter die Lupe zu nehmen und sie so zu gestalten, dass sich Europäerinnen und Europäer unabhängig von Alter oder Hintergrund besser mit ihnen identifizieren können“, sagte Lagarde. EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta hob hervor: „Wir wollen Euro-Banknoten entwickeln, mit denen sich die Bürgerinnen und Bürger in Europa identifizieren können und die sie mit Stolz verwenden.“

          Wenn die EZB-Spitze so sehr betont, dass die Bürger sich in Zukunft mit den Scheinen identifizieren sollen, dann scheint sie in dieser Frage aktuell Defizite zu sehen. Zwar ist die Zustimmung zum Euro heute deutlich höher als sie es etwa zu Zeiten der Eurokrise war. Aber die EZB würde sich wohl noch etwas mehr emotionale Begeisterung wünschen. Die abstrakten Darstellungen auf den Euroscheinen waren zwar vermutlich gut dafür, vor der Euroeinführung Streit zwischen den Eurostaaten zu vermeiden, weil sonst jedes Land gern seine Gebäude auf den Scheinen gesehen hätte. Hinsichtlich der Identifikationsmöglichkeiten der Bürger aber scheint es Luft nach oben zu geben.

          Geldscheine haben schließlich, auch wenn sie Alltagsgegenstände sind, durchaus Symbolcharakter. Viele Nationen haben darauf ihre Helden abgedruckt, wie die Vereinigten Staaten etwa George Washington auf der Ein-Dollar-Note. Bei der Einführung des Euro war dies seinerzeit nicht so einfach, weil es sich ja um gemeinsames Geld für unterschiedliche Staaten handeln sollte.

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