https://www.faz.net/-gv6-92cld

Euler Hermes : Die stille Macht

Die Deutschland-Zentrale von Euler Hermes in Hamburg Bild: Imago

Euler Hermes versichert die Aktivitäten deutscher Firmen im Ausland. Donald Trump, Erdogan & Co. beflügeln das Geschäft ungemein. Auch die Bundesregierung ist ein langjähriger Kunde.

          Wenn es rumort auf der Welt, ist es eine gute Zeit für einen Kreditversicherer. Denn die allgemeine Unruhe ergreift auch deutsche Unternehmen, die sich momentan um ihre Exporte sorgen angesichts von Konflikten wie im Nahen oder Fernen Osten, protektionistischen Tendenzen in Amerika sowie politischen Turbulenzen wie in der Türkei. Um die in ihren Absatzmärkten lauernden Risiken einschätzen zu können und böse Überraschungen zu vermeiden, suchen Exportfirmen vermehrt die Rückendeckung durch Kreditversicherer.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie sollen ihnen sagen, in welchen Ländern, Sektoren und Unternehmen womöglich Zahlungsverzug oder gar Zahlungsausfälle wegen Firmenpleiten drohen, und am besten auch noch die Risiken für Auslandsgeschäfte absichern. Unruhige Zeiten, wie sie Amerikas Präsident Trump und der türkische Staatschef Erdogan der Welt bescheren, sind also gute Zeiten für Euler Hermes, den größten Kreditversicherer der Welt: Er verdient kräftig an der Nervosität der anderen. „Volatilität bedeutet Risiko, und Risiko hat seinen Preis“, sagt Ron van het Hof, der bei Euler Hermes die Geschäfte im deutschsprachigen Raum verantwortet: „Wir nehmen einige Risiken der Unternehmen in unsere Bilanz und bekommen dafür eine Prämie.“

          Eine solche Analyse und gegebenenfalls Absicherung von deutschen Exporten leisten auch andere Kreditversicherer. Das Einzigartige an Euler Hermes dagegen ist: Sollte ihm ein Risiko als zu groß erscheinen und er eine Absicherung ablehnen, hat der Kreditversicherer sogleich eine Alternative quasi aus dem eigenen Haus parat: Denn Euler Hermes arbeitet nicht nur für Exportfirmen, sondern daneben auch exklusiv im Auftrag des deutschen Staates: Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers bearbeitet Euler Hermes für die Bundesregierung die sogenannten Hermes-Bürgschaften. Diese Kreditgarantien ermöglichen es deutschen Exporteuren, sich gegen wirtschaftliche und politische Risiken vor allem in Ländern außerhalb der OECD abzusichern. Geht beispielsweise ein Geschäftspartner in China pleite, deckt der Bundeshaushalt die unbezahlten Rechnungen.

          Herausforderungen für die deutschen Exportwirtschaft

          Es mutet ein wenig merkwürdig an, dass die Bundesregierung nicht alle Fäden ihrer Außenhandelspolitik selbst in der Hand hält, sondern auf Rat und Tat eines deutsch-französischen Kreditversicherers setzt. Einem Unternehmen zumal, das an der Pariser Börse notiert ist und mehrheitlich dem Allianz-Konzern gehört. Doch zum einen mag der deutsche Staat nicht Hundertschaften von Beamten damit beschäftigen, das geschäftliche Risiko in einzelnen Ländern und Branchen penibel zu analysieren.

          Zum anderen hat sich die Zusammenarbeit mit Euler Hermes, die 1949 begann und seither nie neu ausgeschrieben wurde, für den Bund bezahlt gemacht: Weil der Kreditversicherer viel mehr an Risikoprämien einnimmt, als er für Schadensfälle ausgeben muss, sind dem Bundeshaushalt seit Einführung der Hermes-Deckungen vor knapp 70 Jahren 5,4 Milliarden Euro zugeflossen. Darauf ist man in Hamburg, wo Euler Hermes seinen Deutschlandsitz hat und wo sich rund ein Drittel der 1200 Mitarbeiter mit den Hermes-Bürgschaften beschäftigen, mächtig stolz. Als „Navigator der Wirtschaft“ bezeichnet der niederländische Deutschland-Chef van het Hof sein Unternehmen. Anders ausgedrückt: Euler Hermes ist eine stille Großmacht der deutschen Exportwirtschaft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Streit um May-Nachfolge : Johnson schlägt zurück

          Boris Johnson stand im Verdacht, den Medien ausweichen zu wollen, nun stellt er sich ihnen jedoch immer öfter. Das zeigt aber auch, dass er ins Stocken gerät, wird er auf exakte Zahlen und Fakten angesprochen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.