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Europäische Bankenaufsicht : Minimallösung für Brexit-Aktien

Auch die London Stock Exchange wird für EU-Anleger künftig schwerer erreichbar sein. Bild: dpa

Die fehlende Brexit-Übereinkunft stellt auch den Handel von britischen Aktien für EU-Bürger in Frage. Nun gibt es eine Übergangslösung. Diese gilt aber für weniger als 50 Aktien.

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          Zu den großen ungelösten Frage des Brexits gehört, wie es die EU mit dem Zugang zum Finanzplatz London halten will. Nach dem Ablaufen der Übergangsperiode Ende des Jahres wird das Vereinigte Königreich zum Drittland. Der Marktzugang britischer Finanzdienstleister zur EU hängt dann davon ab, ob die EU die britische Finanzmarktregulierung als gleichwertig – im Fachjargon äquivalent – mit der eigenen einstuft. Nur wenn diese Äquivalenzentscheidung vorliegt, können Investoren unter anderem auch Aktien in London kaufen und verkaufen, zumindest von solchen Unternehmen, die sowohl auf der Insel als auch auf dem Festland gelistet sind. Dazu gehören etwa der Pharmakonzern Astra Zeneca, der Medienkonzern Relx, das Reiseunternehmen TUI oder die Muttergesellschaft von Iberia und British Airways.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Äquivalenzentscheidung aber lässt auf sich warten. Die Europäische Kommission betont zwar, dass es zwischen den schwierigen Verhandlungen über das Post-Brexit-Verhältnis beider Seiten und der Entscheidung über die Börsenäquivalenz keinen Zusammenhang gibt. Grund für die Verzögerung sei, dass weiter Unklarheit über die künftige britische Finanzmarktregulierung herrsche. Die Kommission hat die Äquivalenzentscheidung aber im Streit mit der Schweiz über ein neues Rahmenabkommen mit der EU durchaus als Druckmittel eingesetzt. Auch aus dem Grund wächst in den Mitgliedstaaten seit einiger Zeit die Sorge, am Jahresende auch in diesem Punkt vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

          Deshalb dürfte die Erleichterung groß sein, dass die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde Esma in Paris nun zumindest für einen Teil der doppelt gelisteten Unternehmen eine Übergangsregelung erlassen hat. Es gehe darum, Marktstörungen nach dem endgültigen Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus dem Binnenmarkt zu minimieren, teilt die Esma mit. Die Behörde erlaubt deshalb europäischen Anleger, auch im nächsten Jahr, doppelt gelistete Aktien mit einer europäischen Isin in London zu handeln – jedoch mit einer wichtigen Einschränkung: Das gilt nur für in Pfund gehandelte Papiere. Es kann deshalb auch nur von einer Minimallösung die Rede sein.

          Nach Angabe der Esma geht es um weniger als 50 Aktien. Das Handelsvolumen dieser Papiere liege unter 1 Prozent des EU-Aktienhandels. Sie würden von den europäischen Anlegern nicht systematisch, sondern unregelmäßig an britischen Börsen gehandelt, teilte die Aufsicht mit. In Kraft treten kann die Ausnahmeregelung erst, wenn sich dem auch die britische Finanzaufsicht FCA anschließt. Das gilt aber als Formsache. Für in Euro gehandelte doppelt gelistete Aktien fehlt damit weiterhin eine Lösung. Das betrifft nicht zuletzt irische Unternehmen wie die Fluglinie Ryanair, den Dämmtechnikhersteller Kingspan oder die „Bank of Ireland“. Im vergangenen Jahr hat die Esma die Zahl dieser Papiere auf mehr als 6200 beziffert. Viel Hoffnung dürfen sich Finanzdienstleister und Anleger nicht machen, dass die Esma auch für diese Aktien noch eine Übergangsregelung erlässt. Sie habe schon das „maximal Mögliche“ getan, betonte die Behörde.

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