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Europäisches Banken-Bündnis : Gemeinsam gegen Amerikas Cloud-Macht

Die Commerzbank schmiedet eine Allianz. Bild: Finn Winkler

13 europäische Finanzinstitute wollen den Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft und Google Paroli bieten. In ein bis zwei Jahren könnte vielleicht eine europäische Cloud für Banken zur Verfügung stehen, meint Commerzbank-Vorstand Markus Chromik.

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          Das Bündnis europäischer Banken gegen die Marktmacht amerikanischer Softwareanbieter und für einheitliche europäische Standards in der Cloud-Nutzung steht. Der im Herbst 2019 ausgesprochenen Einladung der Commerzbank, sich der „European Cloud User Coalition“ anzuschließen, sind zwölf Finanzinstitute  gefolgt, wie aus einer am Mittwoch versandten Pressemitteilung hervorgeht, darunter die italienische Unicredit, die niederländischen Banken ING und KBC, aus Österreich die Erste Bank und die Bawag sowie die Swedbank. Aus Deutschland ist die Deutsche Börse dem Bündnis beigetreten, nicht aber die Deutsche Bank.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, die Nutzung von Speichern, Rechenzentren, Software und IT-Lösungen dezentral über das Internet mittels Cloud-Technologie zu forcieren.  Allerdings gibt es als Anbieter von Cloud-Rechenzentren für Großbanken neben chinesischen Anbietern derzeit nur drei aus Amerika: Amazon, Microsoft und Google. Zwar betreiben diese ihre  Rechenzentren für europäische Banken in Europa, doch ist der Datenschutz in den Vereinigten Staaten und Europa  unterschiedlich geregelt.

          Datenschutz-Konflikt

          Das amerikanische Gesetz CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) erlaubt amerikanischen Ermittlungsbehörden den Zugriff auf Daten von amerikanischen Unternehmen auch dann, wenn diese sich auf Servern im Ausland befinden, und zwar ohne dass es eines vorherigen Rechtshilfegesuchs bedarf. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU erlaubt dagegen die Übermittlung personenbezogener Daten in ein Drittland nur aufgrund eines Gerichtsurteils, einer behördlichen Entscheidung eines Drittlands oder einer internationalen Übereinkunft. Dennoch hat die Deutsche Bank eine strategische Partnerschaft mit Google geschlossen, die Commerzbank mit Microsoft, arbeitet aber auch mit Google zusammen.

          Auf die Frage der F.A.Z., wie  angesichts dieser unterschiedlichen Gesetzeslage eine Zusammenarbeit mit amerikanischen Softwareunternehmen für die teilverstaatlichte Commerzbank überhaupt möglich ist, antwortet Markus Chromik, der Risikovorstand der Commerzbank: „Dieser Zustand ist genau der Grund, warum wir jetzt ein Bündnis geformt haben. Denn wir müssen sicherstellen, dass europäische Anforderungen an den Datenschutz und für die Auslagerung von Bankdienstleistungen erfüllt sind –  auch wenn wir an amerikanische Unternehmen auslagern.“  Die Commerzbank hat derzeit ein Drittel ihrer IT-Anwendungen in der Cloud, bis 2023 sollen es 80 Prozent sein. Wie Chromik weiter erklärt, erfüllten die bisherigen individuellen Verträge der Commerzbank selbstverständlich alle europäischen Vorgaben. Aber es entstünde eben größere Rechtssicherheit, wenn es Standardverträge für die Finanzindustrie gäbe. Deshalb werde die European Cloud User Coalition (ECUC) gemeinsam vereinbarte Sicherheitsstandards und bewährte Praktiken für die Verwendung von Cloud-Technologie auswählen, damit die strengen europäischen Rechts- und Datenschutznormen gewahrt blieben. 

          Forderungspapier als ersten Schritt

          Als ersten Schritt will die ECUC bis Ende März ein Forderungspapier für Cloud-Dienstleistungen unter Berücksichtigung aller Aspekte der europäischen Datenschutz-Grundverordnung und der Rechtsvorschriften zur lokalen Datenspeicherung einschließlich des US Cloud Act herausgeben. Man hofft, dass dadurch die europäischen Finanzinstitute „auf lange Sicht unabhängiger von Cloud-Anbietern bei der Auswahl der Technologie“ werden. Auf die Frage, was er von den ersten Angebote aus dem europäischen Cloud-Projekt Gaia-X zur Stärkung einer europäischen IT-Infrastruktur und mehr Datensouveränität halte, antwortete Chromik, was er von „Plusserver“  beziehungsweise „Pluscloud“ gehört habe, klinge interessant und könne das Thema sicher voranbringen.

          Ob und wann eine europäische Cloud auch für die Commerzbank als Auslagerungsort praktikabel sein werde, sei jedoch eine hypothetische Frage. „In der Regel wissen wir erst, wo ein Anbieter steht, wenn wir die Angebote konkret getestet haben und die Details zu den Verträgen kennen“, sagt Chromik. Dazu komme noch der Aufbau des passenden internen Know-hows. „All das braucht Zeit. Von daher ist es zu erwarten, dass eine europäische Cloud frühestens in ein bis zwei Jahren für Banken zur Verfügung steht“, sagte Chromik in dem Interview, das am Donnerstag in der F.A.Z. erscheint.

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