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Diskussion über Indexfonds : Wie sinnvoll sind ETF?

Podzuweit: Wir helfen ihnen dabei. Wir haben gemeinsam mit dem Psychologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München einen Fragebogen entwickelt. Wer uns als Vermögensverwalter wählt, muss diese Fragen online beantworten, damit wir einschätzen können, wie hoch die Risikobereitschaft eines neuen Kunden ist. Zum Beispiel fragen wir, wie viel Verlust im Depot jemand maximal aushalten kann. Jedem Kunden ordnen wir dann eine Risikoklasse zu. Risikoklasse 10 bedeutet beispielsweise, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent der Jahresverlust des von uns zusammengestellten ETF-Depots zehn Prozent nicht überschreiten wird.

Flossbach: Das hört sich zwar sehr gut an, sagt aber rein gar nichts darüber aus, was Risiko eigentlich ist. Sie können nicht mit vergangenheitsbezogenen Finanzkennziffern herumdoktern und so tun, als ließen sich historische Trends beliebig fortschreiben. Wenn die Kurse einmal fallen, ist es den Leuten egal, ob Sie sie in Risikoklasse 10 oder 20 eingeteilt haben. In dem Moment merken die Menschen nur eines – sie verlieren Geld! Die Frage, welche Wertschwankungen Anleger theoretisch nervös macht, ist unseres Erachtens keine sonderlich fundierte Methode, um die tatsächliche Schmerzgrenze zu ermitteln. Da können Sie noch so viele psychologische Institute beauftragen. In so einer Situation brauchen die Kunden jemanden, der sich um sie kümmert.

Podzuweit: Ich verstehe, dass Sie das so sehen. Aber wissen Sie, was der Vorteil einer digitalen Vermögensverwaltung wie der unsrigen ist? Wenn die Lage an den Märkten einmal ungemütlich ist, können wir alle unsere Kunden direkt anschreiben und ihnen die Auswirkungen auf ihr Portfolio zeigen. Dies haben wir zum Beispiel am Tag des Brexits so gehandhabt, als die Börsen abstürzten. Digitales Händchenhalten könnte man dazu sagen. Dagegen wirkt Ihr Ansatz von gestern.

Flossbach: Aber reicht es wirklich aus, wenn Kunden per E-Mail Bescheid bekommen, dass es an der Börse gekracht und dass ihr Depot gelitten hat? Und dies, ohne zu erfahren, wie mein Verwalter die Situation und Perspektiven einschätzt. Da zählen auch Knowhow und Erfahrung.

Podzuweit: Einspruch! Das kann ich auf digitalem Wege doch viel effektiver, weil ich jedes Kundendepot einzeln überwache und steuere. Natürlich kann ich qua Alter keine 30-jährige Kapitalmarkterfahrung vorweisen, aber zu unseren Mitarbeitern zählen sehr erfahrene Leute. Außerdem stand ich während der Lehman-Krise 2008 für Goldman Sachs auf dem Handelsparkett und habe verzweifelte Anrufe von Profianlegern entgegengenommen.

Wenn man sich Ihre Leistungen in den vergangenen zwölf Monaten anschaut, können Anleger mit keinem von Ihnen beiden richtig zufrieden sein. Beide Anlagekonzepte notieren nur leicht im Plus. Woran liegt’s?

Flossbach: Der Zeitraum ist putzig. Wir denken und investieren langfristig. In den vergangenen zehn Jahren kommt unser wichtigster Fonds, der Multiple Opportunities, auf ein Plus von neun Prozent pro Jahr. Zuletzt gab es eine kleine Delle bei der Rendite, weil wir Anfang des Jahres nicht mit einer derart starken Abwertung des Dollars gerechnet haben. Das ist aber eine Momentaufnahme, mehr nicht.

Podzuweit: Bei uns ist es ähnlich. Wir investieren zu Teilen in ETF, die den amerikanischen Aktienmarkt abbilden. Dabei sichern wir die Depots grundsätzlich nicht gegen Währungsverluste ab, weil wir dies auf Dauer zu teuer finden. Leider war der Dollar in diesem Jahr eine der schwächsten Währungen. 2016 haben Kunden, die zu den mittleren Risikoklassen zählen, mit unserem Ansatz rund sieben Prozent verdient.

Flossbach: Das ist ein Punkt, in dem wir uns einig sind: Einschläge wird es an den Börsen immer wieder geben, sie gehören einfach dazu. Das dürfen Anleger nie vergessen.

Das Gespräch moderierten Thomas Klemm und Dennis Kremer.

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