https://www.faz.net/-gv6-98dp6

Aktienmarkt : Eskalation des Handelskonflikts verstört die Börsen

Blick auf die Dax-Tafel Bild: Reuters

Das alte Muster gilt: In unsicheren Zeiten werden Anleihen gekauft und Aktien verkauft. Sehr hart traf es die Aktie der Commerzbank.

          Die weitere Eskalation im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China hat am Donnerstag deutliche Spuren an den internationalen Finanzmärkten hinterlassen. Besorgte Anleger verkauften Aktien und Rohstoffe, während sich die Staatsanleihen aus Industrienationen ein weiteres Mal als sicherer Hafen erwiesen.

          Gerald Braunberger
          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Dax hielt sich im Tagesverlauf nur mit Mühe über den 12.000 Punkten und schloss am Abend 1,7 Prozent im Minus auf 12.100 Punkten. Bei einer rein charttechnischen Betrachtung sieht die Lage an vielen Aktienmärkten mittlerweile düster aus.
          Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel von 0,59 auf 0,52 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit dem 9. Januar. Die Erhöhung des amerikanischen Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte zur Wochenmitte spielte im Handel keine besondere Rolle.

          F.A.Z.-Index

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Nach dem Kurssturz der Deutsche-Bank-Aktie vom Mittwoch brach am Donnerstag der Kurs der Commerzbank-Aktie um mehr als 7 Prozent ein. Die Aktie notierte bei 11 Euro so schwach wie zuletzt im September vorigen Jahres. Deutsche Bank gaben abermals 3,5 Prozent ab und waren nach der Commerzbank zweitschwächster Einzelwert im Dax.

          Andere europäische Großbanken wie die niederländische ING Groep oder die französische Société Générale verloren ebenfalls mehr als 3 Prozent. Sie alle würden von einer sich abschwächenden Konjunktur getroffen. Bis zum Handelsschluss konnten sich die Kurse nur leicht erholen.

          In Finanzkreisen rätselte man über die Gründe für den kräftigen Kursrückgang bei der Commerzbank. Als ein Auslöser galt eine Herabstufung der Aktie durch das Analysehaus Kepler Chevreux von „Halten“ auf „Reduzieren“. Analyst Tobias Lukesch äußerte erhebliche Zweifel daran, dass die Bank ihre selbst gesteckten Ziele erreichen könne, wenn sie wie geplant ihre verbliebenen Schiffskredite abstoße und ihr Aktienmarktgeschäft verkaufe.

          Zudem hatte sich der Finanzvorstand Stephan Engels auf einer Investorenkonferenz verhalten zum ersten Quartal des Jahres geäußert. Das werde ungefähr auf Linie mit dem Schlussquartal 2017 liegen, sagte er. Offenbar hatten sich die Anleger mehr erwartet.

          COMMERZBANK

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Nach dem Finanzvorstand der Deutschen Bank hat am Donnerstag auch der Vorstandsvorsitzende der Schweizer Großbank UBS, Sergio Ermotti, vor allzu großen Erwartungen an die Ergebnisse für das erste Quartal gewarnt: „Der Start in das Jahr war euphorisch. Der Rest entspricht einem ,weiter so‘ von dem, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben.“

          Doch nicht nur Banken, auch andere Aktiengesellschaften litten unter der wachsenden Vorsicht der Anleger. Im Index der Technologiewerte Tec-Dax, der insgesamt um 3,5 Prozent zurückging, stachen die Aktien von Medigene und United Internet ins Auge, die jeweils rund 10 Prozent verloren.

          Im M-Dax der mittelgroßen Werte ging es für den Ticketvermarkter CTS Eventim ebenfalls nach schwachen Geschäftszahlen und einem vorsichtigen Ausblick um 9,6 Prozent bergab.

          TecDAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die Erhöhung des amerikanischen Leitzinses auf eine Spanne zwischen 1,50 bis 1,75 Prozent war der am wenigsten spannende Teil des ersten Treffens der Fed unter Führung ihres neuen Vorsitzenden Jerome Powell. Vielmehr interessierten sich die Finanzmärkte für die Einschätzung der amerikanischen Wirtschaft durch Powell. Am Tag nach Powells Pressekonferenz gingen die Einschätzungen in der Finanzbranche auseinander.

          Die Schwäche des Dollars am Devisenmarkt und sinkende Renditen für Anleihen sprechen für die Annahme, viele Marktteilnehmer sähen Powell in der Tradition seiner Vorgängerin Janet Yellen, die nur vorsichtig mit Leitzinserhöhungen agierte. Andere Marktteilnehmer denken allerdings, dass Powell die amerikanische Geldpolitik stärker straffen könnte als bisher erwartet.

          Wie bisher erwartet, könne man in diesem Jahr von drei Leitzinserhöhungen ausgehen, heißt es in einer Analyse der amerikanischen Großbank Citi. Mit der Annahme von drei Leitzinserhöhungen im Jahre 2019 unterschätze der Markt allerdings die Möglichkeit, dass eine aggressive Finanzpolitik durch Präsident Donald Trump die Fed zu häufigeren Zinserhöhungen veranlassen könne, heißt es.

          „Die größte Überraschung für Anleger dürfte gewesen sein, dass die Fed weiterhin mit drei Zinserhöhungen plant und nicht bereits auf vier ausgeweitet hat“, schreibt die schweizerische Vermögensverwaltung Lombard Odier Investment Managers. „Viele Anleger hätten angesichts des stärkeren Wirtschaftswachstums, der niedrigeren Arbeitslosenquote und der verbesserten Konjunkturprognose mit einer Ausweitung gerechnet.

          Dies könnte unserer Ansicht nach darauf zurückzuführen sein, dass einige Mitglieder der Fed-Führung sich zu diesem frühen Zeitpunkt des Jahres noch nicht auf vier weitere Zinserhöhungen festlegen lassen wollen. Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass die Fed in diesem Jahr drei weitere Zinsanhebungen vornehmen wird, da wir derzeit von einem zunehmenden Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten ausgehen.“

          In der britischen Fondsgesellschaft Jupiter zeigt man sich skeptisch: „Das größte geldpolitische Experiment der Geschichte durch Zinserhöhungen abzuwickeln, während man sich in einer sehr späten Phase des Konjunkturzyklus befindet, ist ziemlich riskant. Bis heute wurden in den letzten zehn Jahren 15 Billionen Dollar an Zentralbankkäufen getätigt. Dieser Impuls ist seit der Finanzkrise der wichtigste Treiber für riskante Kapitalanlagen. Ab 2018 und darüber hinaus wird die Verschärfung der geldpolitischen Risiken die Finanzmärkte verwundbarer machen. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis spricht dafür, eher vorsichtig vorzugehen.“

          Weitere Themen

          Die Commerzbank kennt nur ein Tabu

          Umbau : Die Commerzbank kennt nur ein Tabu

          Die zweitgrößte Privatbank könnte ihr Filialnetz ausdünnen. Dabei geht es ihr weniger um die Kosten – vor allem sollen bessere Standorte her. Ein kostenfreies Girokonto soll es weiter geben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.