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Währungskrise in der Türkei : Erdogan äußert Manipulationsverdacht nach Lira-Absturz

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Der nahezu allmächtige Staatspräsident Erdogan hat auch sehr klare Vorstellungen von einer richtigen Geldpolitik. Bild: dpa

Die türkische Lira hat seit Jahresanfang 45 Prozent ihres Werts verloren. Der türkische Staatspräsident wittert Manipulation. Jetzt hat er eine Untersuchung in Auftrag gegeben, an ein Gremium, das ihm unterstellt ist.

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          Nach den wiederholten Verlusten der türkischen Lira an den Devisenmärkten ordnet Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan eine Untersuchung wegen Kursmanipulation an. Er habe mit der Untersuchung ein ihm unterstelltes Aufsichtsgremium beauftragt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag. Die Prüfer sollen Institutionen identifizieren, die in großem Umfang ausländische Währungen gekauft hätten, und untersuchen, ob der Devisenhandel manipuliert worden sei.

          Seit Jahresbeginn hat die Lira rund 45 Prozent abgewertet. Die Talfahrt hatte sich in den zurückliegenden beiden Wochen beschleunigt. Nach einer Rede von Erdogan, in der er die Zinssenkung der Notenbank auf 15 Prozent verteidigt hatte, hatte die Lira im Vergleich zum Dollar ein Rekordtief erreicht. Zeitweise wurden an den Märkten für einen Dollar bis zu 13,45 Lira gezahlt.

          Trotz einer Inflationsrate von fast 20 Prozent setzt Erdogan die Notenbank immer wieder mit der Forderung nach Zinssenkungen unter Druck. Er hatte gesagt, er werde nicht zulassen, dass die Bevölkerung von hohen Zinsen erdrückt werde.

          Ökonomen auch in der Türkei kritisieren die Zinssenkungen und fordern stattdessen Zinserhöhungen, um der Entwicklung entgegenzuwirken. Unternehmen warnen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch den Lira-Absturz, der Importe deutlich verteuert und damit die Inflation anheizt. Die Entwicklung trifft besonders Verbraucher mit niedrigen Einkommen.

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