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Erasmus für Mitarbeiter : Paris will mit Finanzplatz Frankfurt kooperieren

Die Frau, die jahrelange Feindseligkeiten überwinden möchte: Die Präsidentin der französischen Region um Paris, Valérie Pécresse, stößt eine Kooperation zwischen den Finanzstandorten Frankfurt und Paris an. Bild: AFP

Lange waren die Finanzstandorte Frankfurt und Paris Gegner, doch die Präsidentin der französischen Region will nun angesichts des Brexits kooperieren – und ein Austauschprogramm für Mitarbeiter einführen.

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          Im Ringen um Finanzunternehmen und Behörden, die bisher am Finanzplatz London angesiedelt sind und nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU in Kontinentaleuropa ihre Präsenz aufstocken müssen, waren Paris und Frankfurt bisher erbitterte Wettbewerber. Valérie Pécresse will das ändern. Die Präsidentin der Region Paris (Île-de-France), in der 30 Prozent der Wirtschaftsleistung Frankreichs geschaffen wird, besuchte jetzt erstmals Frankfurt, um eine neue Phase der Beziehungen einzuleiten. „Wir sollten enger zusammenarbeiten“ – von diesem Credo versuchte Pécresse Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ebenso zu überzeugen wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), den sie vor Ort nicht traf und deshalb nach Paris einlud.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Pécresse greift einen Vorschlag des französischen Bankiers Philippe Oddo auf, der vor drei Jahren die Frankfurter BHF-Bank gekauft hat. Oddo wünscht sich nach dem Vorbild des Studenten-Programms ein „Erasmus für Mitarbeiter“, damit sie zwischen den Standorten in Frankreich und Deutschland wechseln können, ohne dass sich die Steuer- und Sozialversicherungsregeln für sie ändern. Pécresse, die sich vor wenigen Tagen mit ihrer Formation „Libre“ von der oppositionellen Partei der Republikaner abgespalten hat, will dieses Vorhaben in die Gesetzgebung für 2020 einbringen. Später würde sie gern das Austauschprogramm auf alle Mitarbeiter und Auszubildende von Unternehmen mit Sitz in Deutschland oder Frankreich ausdehnen.

          „Mir geht es um mehr Jobs“, sagte sie der hohen Arbeitslosigkeit von 8,8 Prozent in ihrer Region den Kampf an. Doch an einem Wechsel ins Ausland hinderten gerade französische Angestellte oft fehlende Sprachkenntnisse, sagt sie. Deshalb hat Pécresse, die in Nicolas Sarkozys Regierung ab 2007 Forschungs- und Hochschulministerin war, im Internet eine Seite entwickeln lassen, mit der sie ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern können.

          Forcieren möchte die Politikerin auch eine engere Forschungszusammenarbeit zwischen Frankfurter und Pariser Hochschulen, etwa zu Fragen der Künstlichen Intelligenz, aber auch zu den Regeln, wie Finanzmärkte und Banken organisiert sein sollten. Man müsse sich auf einen ungeordneten Brexit vorbereiten und den europäischen Kapitalmarkt verbessern und vertiefen, sagte Pécresse. Dafür müssten sich Frankfurt und Paris stärker austauschen. Hinderlich dabei sei die Zugverbindung, mahnte sie. Es müsse möglich sein, die Fahrtdauer zwischen beiden Städten von derzeit 3,45 Stunden auf weniger als 3 Stunden zu verringern.

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