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Eon, RWE, Innogy : Versorgeraktien weiter gefragt

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Die Vorstandsvorsitzenden von Eon, Johannes Teyssen (L), und RWE, Rolf Martin Schmitz (R), werben in Essen für eine Reorganisation der deutschen Energiebranche. Bild: EPA

Die Aktienkurse der großen deutschen Versorger Eon und RWE steigen auch am Dienstag. In Essen bemüht man sich die volkswirtschaftlichen Vorteile des Innogy-Deals herauszustreichen.

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          Die Aktien der Energieversorger stehen auch am Dienstag weiter im Zentrum der Aufmerksamkeit. Diesmal spielen allerdings vorrangig die von Eon und RWE vorgelegten Geschäftszahlen eine Rolle. Die zu Wochenauftakt bekannt gegebenen Pläne zur Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy und ihrer Aufteilung unter Eon und RWE sorgen aber wohl für eine noch positivere Aufnahme.

          Besonders die Ergebnisse von kamen gut an und verhelfen der Notierung zu einem Zugewinn von 5,5 Prozent. Nach einem Verlust von 8,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor hatte der Essener Konzern 2017 wieder knapp 4 Milliarden Euro verdient, was sich für die Aktionäre ebenfalls in einer höheren Dividende niederschlagen soll. Mit dem bestehenden Portfolio - also noch inklusive des Geschäfts mit Erneuerbaren Energien - will Eon bis 2020 das Betriebsergebnis durchschnittlich um 3 bis 4 Prozent jährlich steigern. Das Ergebnis je Aktie soll je um 5 bis 10 Prozent zulegen.

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          Diese vorläufigen Zahlen sind nach Einschätzung der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs solide. Ergebnisseitig habe Eon die Konsensschätzungen übertroffen und auch die Entwicklung der Nettoverschuldung sei eine positive Überraschung gewesen. Das Wachstumsziel sei ebenfalls etwas besser als bislang erwartet. Durch den Innogy-Deal bekomme das Geschäftsmodell von Eon einen klaren Fokus - der Versorger konzentriert sich künftig stark aufs Netzgeschäft.

          RWE gewinnen 1,3 Prozent. Auch RWE kehrte im vergangenen Geschäftsjahr nach einem Milliardenverlust wieder in die Gewinnzone zurück. Das Reinergebnis betrug 1,9 Milliarden Euro. Für 2018 erwartet RWE ein Nettoergebnis in der Bandbreite von 700 Millionen Euro bis zu einer Milliarde Euro. Dieser leichte Rückgang komme "nicht überraschend", erklärte der Konzern. Denn 2018 schlage "der Tiefpunkt der Strompreisentwicklung der vergangenen Jahre durch". Allerdings sei bei den Großhandelspreisen für Strom eine "leichte Entspannung" zu sehen, erklärte Schmitz.

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          Unterdessen haben die Vorstandsvorsitzenden von Eon und RWE, Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz, nun ihre Pläne für die Neuordnung ihrer Geschäfte erläutert. Die geplante Aufteilung ihrer Geschäftsfelder stärke den Energiestandort Deutschland. „Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Neuaufstellung die deutsche und europäische Energiewende im Interesse aller Kunden und im Interesse einer sicheren und nachhaltigen Versorgung besser als in der heutigen Organisation zum Erfolg bringen können", sagte Teyssen am Dienstag im Verlauf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

          Wer weltweit mithalten wolle, brauche künftig eine deutlich größere und internationalere Aufstellung als früher. Das werde mit der Neuorganisation erreicht. Eon sieht dadurch Einsparungen von 600 bis 800 Millionen Euro jährlich ab 2022. Nach ersten Berechnungen sollen 5000 der dann insgesamt deutlich über 70.000 Arbeitsplätze bei der neuen Eon abgebaut werden. RWE erwartet durch die Transaktion in den kommenden Jahren keinen Personalabbau.

          Für Eon sei es der erste wirkliche Wachstumsschritt seit mehr als einer Dekade, sagt Teyssen laut dem in der F.A.Z.-Verlagsgruppe erscheinenden Magazin Finance.

          Schmitz sieht für RWE mindestens ebenso starke Veränderungen wie für Eon. Man verkaufe die Finanzbeteiligung an Innogy und erhalte dafür eine operative Plattform. Dadurch werde jedes einzelne Geschäftsfeld gestärkt. Laut RWE-Finanzvorstand Markus Krebber werde die Verschuldung allein durch die Umbuchung deutlich sinken.

          Die Rollen in der künftigen Energie-Landschaft scheinen aber klar verteilt. RWE begrenze sich als Eon-Aktionär auf die Rolle eines reinen Finanzinvestors, so Teyssen. Der Konzern dürfe seine Beteiligung weder aufstocken noch an einen Wettbewerber verkaufen. Und wer die Federführung hat, scheint ebenso klar. Es sei nicht angemessen gewesen, vorab mit dem Management von Innogy zu sprechen, sagte Eon-Chef Teyssen laut Finance.

          Innogy wollte sich bis dato noch nicht äußern. Der Kurs der Aktie der am Montag um deutlich mehr als 10 Prozent gestiegen war, gibt am Dienstag leicht um 0,75 Prozent nach.

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