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Geldanlage in Fonds : Ein Mischfonds sollte mehr sein als Aktien und Anleihen

Brasilien ist als Schwellenland für viele Finanzexperten weiterhin interessant. Bild: dpa

Ein sogenannter Multi-Asset-Fonds hat nach Ansicht von Paul Flood nicht nur mit Aktien und Anleihen zu tun. Der Experte der Investmentboutique Newton IM schwärmt derzeit von anderen Alternativen.

          Wenn es um das Anlegen über einen Investmentfonds geht, so wird als Vorteil immer wieder die Streuung des Vermögens angeführt. Besonders gilt dies für Mischfonds, in der Fachsprache „Multi-Asset-Funds“ genannt. Diese investieren nicht nur in eine Vermögensklasse und können damit die Risiken umso mehr verringern. Allerdings ist umstritten, was denn den Namen „Multi-Asset“ tatsächlich verdient. „Ein festes Mischungsverhältnis von Aktien und Anleihen, das ist kein Multi-Asset“, sagt Paul Flood, der für die Investmentboutique Newton IM, die zur amerikanischen Gesellschaft BNY Mellon IM gehört, einen solchen Fonds managt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die zwei traditionellen Anlageklassen bewegen sich manchmal gleichförmiger als gemeinhin angenommen. Eine echte Multi-Asset-Strategie heißt: Überall investieren zu können, aber nicht überall investiert zu sein.“ So sei es zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber durchaus möglich, dass sein Fonds auch einmal zu 100 Prozent in Anleihen investiert sei. Aber 2017 etwa sei man bei Hochzinsanleihen nur in Anleihen eines Unternehmens investiert gewesen. Doch um Anlageklassen geht es Flood gar nicht: „Wir investieren nicht in Anlageklassen, sondern ergreifen Gelegenheiten, in Unternehmen zu investieren, die wir verstehen, wenn andere davor zurückschrecken“, sagt er.

          Chancen in Schwellenländern

          Floods Enthusiasmus für Aktien und Anleihen hält sich in Grenzen, auch wenn am Ende fast zwei Drittel des Fondsvermögens in Aktien und Anleihen stecken, davon rund ein Viertel nur in Anleihen. 60 Prozent des Anleihemarktes befänden sich in den Händen der Notenbanken. Deren erzwungene Käufe habe die Renditen zu stark fallen lassen. „Wenn Anleger für lang laufende Anleihen guter Bonität nur ein Prozent bekommen, ist das meiner Meinung nach keine gute langfristige Anlage. Aber es gibt immer noch woanders gute Gelegenheiten.“

          Bei Aktien stören ihn die hohen Bewertungen, besonders in den Vereinigten Staaten. „Der Markt befindet sich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 32 nahe seinen historischen Höchstständen. Dies übt Druck auf die zukünftigen Renditen von Aktien aus. Denn bei jedem Investment kommt es am Ende immer darauf an, was man dafür bezahlt hat. Wenn Sie eine hohe Wertsteigerung bezahlen, ist es unwahrscheinlich, dass Sie gute Renditen erzielen.“ Immerhin sei die Bewertung ohne die immens gefragten Technologieaktien dann doch deutlich niedriger. Der Optimismus sei sehr groß, die finanziellen und ökonomischen Risiken aber hoch.

          Insgesamt seien die Chancen in den Schwellenländern besser. Da ficht Flood auch das aktuelle Krisen-Szenario nicht an. Abwertungen seien für die Aktienkurse häufig sogar gut, wenn man die Währungseffekte absichere. „Wenn Investoren in großem Stil verkaufen, ergeben sich großartige Gelegenheiten.“ Auch Volatilität solle man als Chance sehen. „Es gibt immer gute Unternehmen, in die man investieren kann. Die gab es selbst im japanischen Bärenmarkt. Wenn ein Unternehmen gut positioniert ist, dann ist zwar gegebenenfalls das Risiko hoch, aber eben auch der Ertrag, wenn es erfolgreich ist.“

          Alternative Investments interessant

          Am wohlsten fühlt sich Flood derzeit im Bereich der alternativen Investments. Diese gehören für ihn zwingend in einen Multi-Asset-Fund und machen in seinem Fonds momentan fast ein Viertel aus. Angetan haben es ihm neben Infrastruktur-Investitionen auch erneuerbare Energien, besonders Solarparks. „Sie sind inflationsgesichert, sie bieten stabile Kapitalflüsse in jedem ökonomischen Zyklus und sind deshalb nachhaltig“, zählt er die Vorteile auf. Und so illiquide, wie oft behauptet werde, seien diese Anlagen gar nicht – zumindest nicht wesentlich illiquider als Anleihen.

          Auch eine wechselhafte Energiepolitik macht ihm keine Sorgen. Ein höchstrichterliches Urteil garantiere in Großbritannien, dass es keine rückwirkende Änderung der Förderung gebe. Und da man sich nur an betriebsbereiten Projekten beteilige, gebe es auch keine Baurisiken.

          Zu den Risiken, die Flood nicht eingeht, gehört die kurzfristige Spekulation. „Für uns kommt der Erfolg nicht dadurch, dass wir versuchen, zum richtigen Zeitpunkt in den Markt ein- oder auszusteigen, sondern dass wir ausreichend lang investiert sind, um zu sehen, dass unsere Investmentideen erfolgreich sind.“ Denn der Fonds soll in erster Linie nicht einen Kapitalzuwachs erreichen, sondern vor allem eine durchschnittliche Ausschüttung von vier Prozent erwirtschaften.

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