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Fonds für Privatanleger : Hauck & Aufhäuser will Fonds in China verkaufen

Skyline von Beijing Bild: EPA

Das kleine Bankhaus nutzt als eines der ersten die Chance, ohne Zwangspartner in China aktiv zu werden. Dabei hilft auch der Eigentümer Fosun und davon profitiert nicht nur das Fondsgeschäft.

          Mit seinem chinesischen Eigentümer Fosun im Rücken treibt Hauck & Aufhäuser das Wachstum im Fondsgeschäft und im Investmentbanking voran. Ein Projekt ragt dabei heraus: Als eines der ersten deutschen Unternehmen könnte das kleine Bankhaus bald in China Fonds an Privatanleger auflegen und verkaufen. „Wir werden uns in diesem Quartal um eine Lizenz bewerben, damit wir voraussichtlich 2019 in China Aktien- und Anleihefonds selbst managen und verkaufen können“, sagt Michael Bentlage.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. skizziert der Vorsitzende der Geschäftsführung schon einmal seine Pläne mit der Fondsgesellschaft. Starten will Hauck & Aufhäuser in China mit etwa fünf bis zehn Mitarbeitern, in drei Jahren könnten es dann 30 bis 50 sein. Sie sollen extra für chinesische Privatanleger konzipierte Wertpapierfonds betreiben und verkaufen. Unter welcher Marke das geschieht, ist noch nicht ganz klar. „Fosun“ komme eher nicht in Frage, der etwas sperrige, aber nach Ansicht von Bentlage positiv besetzte Name „Hauck & Aufhäuser“ dagegen sehr wohl.

          Die neuen Freiheiten nutzen

          Bankchef Bentlage lässt durchblicken, dass die Fondsgesellschaft für Hauck & Aufhäuser nur der erste Schritt nach China sein könnte. Bisher taten sich ausländische Finanzdienstleister schwer, einen Fuß in die chinesische Wirtschaft zu bekommen. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall etwa, die 2004 in China aktiv wurde und dort heute 1100 Mitarbeiter beschäftigt, hat nach wie vor mit der China Construction Bank einen Mehrheitsgesellschafter.

          Als Chinas Präsident Xi Jipping im April bekanntgab, es gebe künftig keinen Joint-Venture-Zwang mehr, hielten das viele für Symbolpolitik. Doch kürzlich erlaubte China dem Chemiekonzern BASF, ohne chinesischen Zwangspartner 10 Milliarden Dollar im Land zu investieren. Und VW darf womöglich bald die Mehrheit an einem deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen übernehmen, wie die F.A.Z. berichtet hat.

          Hauck & Aufhäuser will nun als eines der ersten Finanzunternehmen die neuen Freiheiten nutzen. „Heute ist der Markt offen, China hat dereguliert, man braucht jetzt keinen chinesischen Mehrheitsgesellschafter für ein Gemeinschaftsunternehmen mehr, um dort Finanzdienstleistungen anzubieten“, bestätigt Bentlage. Das sei eine Chance für alle ausländischen Banken, in diesen großen Markt zu stoßen. Für Hauck & Aufhäuser komme das nur dank seines chinesischen Eigners in Betracht. „Fosun unterstützt uns mit viel lokalem Fachwissen. Eine Lizenz für das Asset Management zu erhalten schien uns am leichtesten. Es ist unser erster Aufschlag in China“, sagt Bentlage.

          Auf dauerhaftem Wachstumskurs

          Der Mischkonzern Fosun, der an Unternehmen wie Cirque du Soleil, Club Méditerranné und Tom Tailor beteiligt ist, hat das lange defizitäre Bankhaus Hauck & Aufhäuser 2016 für 210 Millionen Euro gekauft. Seiher weht dort ein anderer Wind. 2017 machte die Bank, auch dank eines Sonderertrags in Höhe von 16 bis 18 Millionen Euro durch den Kauf der Luxemburger Einheiten von Sal. Oppenheim 26 Millionen Euro Gewinn nach Steuern. Fragen, ob der starke Gewinnanstieg nach einem Verlust von 8 Millionen Euro im Jahr 2016 also gar nicht „operativ“ verdient sei, wehrt Bentlage mit guten Argumenten, aber auch mit neuen Zahlen ab. „Im ersten Halbjahr 2018 stieg unser Nettogewinn von knapp 65 auf fast 101 Millionen Euro“, erklärt er.

          Einiges davon sei gewiss auf die Verschmelzung der übernommenen Einheiten mit bestehenden Gesellschaften Haucks in Luxemburg zurückzuführen. Dabei sei natürlich darauf geachtet worden, für die Zukunft noch wertvolle, steuerlich relevante Verlustverträge nicht zu verlieren. „Allerdings wäre unser Bruttoertragswachstum auch ohne Oppenheim um deutlich mehr als 20 Prozent gestiegen“, sagt Bentlage.

          Tatsächlich wirkt Hauck & Aufhäuser nach Jahren des Schrumpfens auf einem dauerhaften Wachstumskurs. Selbst in das unter dem Niedrigzinsumfeld am stärksten leidende Geschäftsfeld Private Banking, also der Vermögensberatung reicher Privatkunden, wird investiert. Nach der Schaffung eines neuen Online-Banking-Auftritts soll im vierten Quartal eine selbstentwickelte digitale Vermögensverwaltung starten. Statt bisher Kunden ab einem Vermögen von 1 Million Euro will Hauck & Aufhäuser damit schon Kunden ab 50 000 Euro mit einem Standardangebot bedienen. Von voraussichtlich 150 000 Euro an soll auch ein individuelles Angebot möglich sein. „Wir erschließen uns eine neue Privatkundengruppe“, sagt Bentlage.

          Bedeutung des Investmentbankings für die Bank wächst

          Allerdings geht er davon aus, dass das derzeit hinter dem Fondsdienstleistungsgeschäft auf Rang zwei in der bankinternen Bedeutung liegende Private Banking perspektivisch hinter das Investmentbanking zurückfallen wird. Zwar wurde die Kooperation in der Wertpapieranalyse mit dem amerikanischen Broker JPP schon nach kurzer Zeit beendet.

          Aber mit seiner Spezialisierung auf Aktienanalysen für Unternehmen kleiner als die Dax-30-Werte und zuletzt deutlich mehr Mandaten für kleinere Börsengänge in Deutschland sieht Bentlage die Bedeutung des Investmentbankings für die Bank wachsen. Er wehrt sich nicht gegen die Vermutung, dass die seit Jahren stark expandierende Berenberg Bank ein Vorbild von Hauck & Aufhäuser sein könnte. Auch Zukäufe kann sich Bentlage gerade im Investmentbanking, aber auch zur Erweiterung der Produktpalette im Fondsgeschäft vorstellen.

          Fosun hat Hauck vor Monaten zu Unternehmenskäufen ermutigt, aber bis auf das Oppenheim-Geschäft in Luxemburg hat sich noch nichts ergeben. „Es ist schwer, Zielunternehmen zu akzeptablen Preisen zu finden“, sagt Bentlage. Anscheinend besteht bei einigen Konkurrenten nach dem guten Börsenjahr 2017 keine große Not, etwas zu verkaufen. Was passiert, wenn Zukäufe weiterhin ausbleiben? Bisher habe Fosun keine Dividende verlangt, erklärt Bentlage. Es seien auch bis 2020 keine Gewinnausschüttungen geplant. Jedoch sei Haucks Eigenkapital wegen der hohen Gewinne in den vergangenen zwölf Monaten um nahezu 50 Prozent auf 225 Millionen Euro gestiegen. Die Eigenkapitalquote beträgt nun 18 Prozent.

          „Eigenkapital ist teuer. 25 Prozent Eigenkapitalquote wäre wohl nicht mehr effizient“, sagt Bentlage. Damit will er wohl andeuten: Wenn er keine passenden Zukäufe findet, wäre es Fosun nicht zu verdenken, wenn der erste chinesische Eigner einer deutschen Bank dort eines Tages auch wieder Eigenkapital herauszöge. „Wir sind derzeit nirgendwo in Gesprächen“, antwortet Bentlage auf die Frage, ob bald mit Zukäufen zu rechnen ist.

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