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Hoffnung aus China : Ein guter Tag für die Aktienkurse von VW & Co.

Die Berichte über eine geplante Steuersenkung kommen der Volkswagen-Aktie zugute. Bild: dpa

China denkt darüber nach, die Erwerbssteuer auf Autos zu halbieren. Damit soll die Nachfrage angekurbelt werden. An einem ohnehin guten Börsentag gibt das den Autoaktien Auftrieb - zumindest fürs Erste.

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          Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), hat unterrichteten Kreisen zufolge in einem internen Papier eine Halbierung der Steuer auf Autokäufe vorgeschlagen. Die Erwerbssteuer für Autos mit maximal 1,6-Liter-Motoren solle von 10 Prozent auf 5 Prozent gesenkt werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Grund dafür seien die Auswirkungen des Handelskriegs und eine schwächere Wirtschaft, die die Nachfrage auf dem größten Automobilmarkt der Welt belasten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Über eine Umsetzung sei noch keine Entscheidung gefallen, hieß es weiter.  Autos mit dieser Motorisierung machten nach Angaben des chinesischen Verbands der Automobilhersteller im vergangenen Jahr rund 70 Prozent des gesamten Auto-Absatzes aus.

          Die chinesischen Autoverkäufe steuern auf den ersten Jahres-Rückgang seit zwei Jahrzehnten zu, nachdem die Handelsstreitigkeiten mit Amerika das Wachstum belasten und Verluste am Aktienmarkt anheizen. Den Rückgang bekommen auch die größten Autobauer der Welt zu spüren, nachdem die Nachfrage in dem äußerst wichtigen Markt eingebrochen ist.

          Den deutschen Auto-Aktien beschert dies am Montag einen guten Tag. Knapp 6 Prozent ging es zunächst für Volkswagen aufwärts, 5 Prozent für Daimler und BMW.

          Gefragt waren auch Zulieferer-Aktien: Schaeffler legten mit mehr als 11 Prozent besonders stark zu, aber auch Rheinmetall, Hella, Leoni oder Elringklinger wurden gekauft.

          SCHAEFFLER AG INH. VZO

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          Um der Wahrheit die Ehre zu geben – es waren nicht nur die Auto-Aktien, deren Kurse stiegen. Nur von 6 der 100 Aktien des F.A.Z.-Index sanken die Kurse und nur der einer einzigen lag mehr als ein Prozent im Minus.

          Unter den Spitzenreitern fanden sich nach Schaeffler etwa mit einem Aufschlag von mehr als 9 Prozent auch der Mobilfunkbetreiber 1&1 Drillisch, der Halbleiterkonzern Infineon, das Solar-Unternehmen SMA oder das Software-Unternehmen Nemetschek. Gleichwohl waren unter den zehn obersten Werten des F.A.Z.-Index fünf Autobauer und Zulieferer und auch der Anlagenbauer Dürr ist der Branche mehr oder weniger stark verbunden. Der europäische Branchenindex stieg um fast 5 Prozent und steuert auf den größten Tagesgewinn seit etwa zweieinhalb Jahren zu.

          CONTINENTAL

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          Als Impuls für die Stärke des Aktienmarktes am Montag wurde gleichfalls kolportiert, dass Kanzlerin Angela Merkel im Dezember nicht mehr für den CDU-Vorsitz kandidieren will und mit Ende der Legislaturperiode auch als Bundeskanzlerin abtreten wolle. Die Anleger hofften auf frischen Wind in Berlin, heißt es. In der Regierung sei zu Vieles festgefahren. Entscheidend sei weniger, was passiere, sondern dass überhaupt etwas passiere. Ganz überzeugen kann das nicht, denn das ein Merkel-Rückzug die Aktienkurse in Italien, Großbritannien oder gar der Schweiz antreibt, erscheint etwas weit hergeholt.

          Selbst wenn – ob politische Hoffnungen oder (mögliche) Steuersenkungen in China dem Aktienmarkt über den Tag hinaus Impulse verleihen werden, erscheint zweifelhaft. Allzumal erst am Freitag der französische Zulieferer Valeo schon zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Margenziele senkte – nicht zuletzt allerdings wegen der schwächelnde Konjunktur in China allerdings.

          F.A.Z.-Index

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          Was hier regiert, ist wohl eher das Prinzip Hoffnung. Wer Aktien kauft, muss grundsätzlich optimistisch sein und hofft auf Gewinne. Immer noch wird das meiste Geld am Aktienmarkt in klassische Kaufpositionen gesteckt, obwohl diese letztlich nicht weniger spekulativ sind als Leerverkäufe. Ihr Vorteil ist nur, dass die Verlustrisiken auf den Kapitaleinsatz begrenzt sind. Ein stärkere Aktienmarkt war erwartet worden und die anfängliche Stärke wurde durch die Meldungen befeuert.

          Insofern hatten sich die Schnäppchenjäger schon in Stellung gebracht, bevor die Meldungen aus China und Berlin kamen. Einige Börsianer warnten daher vor überzogenen Erwartungen an die aktuelle Kurserholung. Alexis Renault der für die Fondsgesellschaft Leiter ODDO BHF die Hochzinsanleihen-Abteilung leitet, sieht die Automobilbranche in einer spätzyklischen Phase und ist skeptisch hinsichtlich ihres Potentials. Auch sei der private Sektor in China doppelt so hoch verschuldet wie der OECD-Durchschnitt.

          Es ist insofern zu fragen, ob Anleger nicht zu viel von den möglichen Steuersenkungen in China erwarten. Aber das spielt am Montag keine Rolle: Solange alle daran glauben, steigen die Kurse und da möchte man mit dabei sein.

          Am Ende wurden sie auch wieder vorsichtiger, besonders bei den deutschen Autobauern, deren Aktienkurse am Ende nur um 2 Prozent stiegen. Die schwächer Wall Street war daran beteiligt, aber auch der Blick auf die Zahlen von VW, die am Dienstag veröffentlicht werden.

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