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Edelmetalle : Goldpreis könnte nach oben ausbrechen

Daraus wird ein Goldbarren. Bild: Reuters

Seit langem bewegt sich der Goldpreis nur seitwärts. Der ETF-Anbieter Wisdom Tree glaubt an einen Ausbruch nach oben. Und schwört auch auf Nickel.

          Viele Anleger schwören auf Gold: Ein Drittel Aktien, ein Drittel Anleihen, ein Drittel Gold hieß vor Jahrzehnten schon eine Faustformel. Erfolgreich waren Anleger damit allerdings auch nicht immer. Sieht man einmal ab von der Zeit zwischen den dreißiger und den siebziger Jahren, als nicht im heutigen Sinne in Gold investiert werden konnte, so fiel der Goldpreis zwischen 1982 und 2002 praktisch kontinuierlich.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem folgten neun spannende Jahre, in denen sich der Preis mehr als versiebenfachte. Seit 2016 aber bewegt sich der Preis zwischen rund 1150 und 1350 Dollar seitwärts. Auch wenn er in diesem Monat mit einem Plus von 5 Prozent deutlich gestiegen ist, so scheint der Weg hinaus aus der Handelsspanne immer noch steinig.

          Für Nitesh Shah, Analyst beim auf börsengehandelte Anlageprodukte wie ETFs spezialisierten amerikanischen Vermögensverwalter Wisdom Tree, ist die bisherige Entwicklung nicht weiter verwunderlich. „Zyklische Vermögenswerte wie Aktien haben in den vergangenen Jahren neue Hochs erklommen. Das hat natürlich Druck auf den Goldpreis ausgeübt.“

          Denn Gold sei nun mal ein defensiver Vermögenswert. Daran sei man auch in den vergangenen Jahren immer wieder erinnert worden, zuletzt im Dezember, als der Goldpreis um 5 Prozent stieg, während der S&P-500-Aktienindex um 10 Prozent fiel.

          Deswegen sieht Shah auch jetzt gute Aussichten, dass der Goldpreis noch weiter steigen kann. „Der Goldpreis wird durch einige Faktoren beeinflusst. Einer davon sind die Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Da weitere Zinserhöhungen der Fed nicht zu erwarten sind, ist das schon einmal positiv für Gold.“ Auch der Dollar, mit dessen Entwicklung der Goldpreis negativ verknüpft ist, habe wohl nur noch begrenztes Aufwärtspotential.

          Wesentlich für den Preis sei die Bedeutung, die Gold zugemessen werde. „Gold ist eine Quasi-Währung. Die Überzeugung, dass es sich um ein Zahlungsmittel handelt, ist sehr viel älter und besteht schon erheblich länger, als dies bei jeder auf Vertrauen basierenden Papierwährung der Fall ist.“

          Deswegen eigne sich Gold als defensive Anlage. „Die Zentralbanken haben die Geldmengen in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet. Gold ist damit relativ knapper geworden. Da die Goldmenge auch absolut sehr begrenzt ist, schützt dies den Wert des Edelmetalls.“ Daran ändere nach seiner Ansicht auch nichts, dass Gold keine direkten Erträge abwirft. Betrachte man etwa Anleihen, so sei genau das ja mittlerweile auch hier nicht mehr der Fall.

          Eine optimistische Prognose

          Die Zinslandschaft sorgt auch dafür, dass Shah zuletzt noch optimistischer geworden ist. Hielt er vor gut zwei Wochen noch einen Goldpreis von 1385 Dollar binnen zwölf Monaten für möglich, scheinen ihm jetzt 1450 Dollar für die Feinunze möglich. Seinerzeit sei man davon ausgegangen, die amerikanische Notenbank werde die Zinsen konstant halten und die Anleiherenditen moderat steigen. Jetzt könnten Zinsen und Renditen sogar sinken. „Wir haben unsere Zinsprognose nicht geändert, aber ein Eskalieren der Handelskonflikte könnte die Fed in Zugzwang bringen. Zusammen mit verstärkten Unruhen im Nahen Osten könnte das die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen steigen lassen. Wenn dann spekulative Positionen aufgebaut werden, könnte der Preis auch über 1450 Dollar steigen.“ Analyst Shah ist damit allerdings sehr optimistisch – der mittlere Prognosewert der Goldfachleute der Banken liegt für das kommende Jahr bei 1375 Dollar.

          Was nun Industrierohstoffe angeht, so ist Shah mit Blick auf die Handelskonflikte überraschend optimistisch. „Die Bedeutung der Nachfrageseite wird überzeichnet. Gerade die Nachfrage amerikanischer Konsumenten ist viel stabiler, als oft angenommen wird.“ Viel eher würden sich auf der Angebotsseite Auswirkungen zeigen. Gebe es Zölle auf Rohstoffe, so werde sich die verarbeitende Industrie andere Lieferanten suchen und das die Rohstoffpreise steigen lassen. Tatsächlich könne sich eher Chinas Bedeutung als Rohstofflieferant verringern. „Kurzfristig hat China nicht viel in der Hand. Eine Verknappung der Rohstoffe für Elektrofahrzeuge trifft Trump nicht, denn der Klimawandel ist für ihn kein Thema. Längerfristig kann eine Verknappung von Rohstoffen allerdings zum Problem werden.“

          Besonders optimistisch ist Shah daher für Nickel. Dessen Bedeutung als Rohstoff für Batterien nehme zu. Derzeit macht diese nur etwa 3 Prozent der Nachfrage aus, gut zwei Drittel entfallen auf die Edelstahlproduktion. Bis 2040 könne der Markt ein Defizit von 1,6 Millionen Tonnen erreichen, glaubt Shah. Zurzeit wird dieses auf 80.000 Tonnen geschätzt.

          Gold

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