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Börsengang : Mit dem E-Auto aufs Parkett

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Der E-Auto-Zulieferer Voltabox will die Gunst der Stunde zum Börsengang nutzen. Bild: Hersteller

Das E-Auto steht derzeit im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Zulieferer Voltabox braucht mehr Eigenkapital fürs Wachstum und will die Gunst der Stunde für einen Börsengang nutzen.

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          Als sich das Management des börsennotierten Automobilzulieferers Paragon vor einigen Jahren mit wichtigen Megatrends und daraus erwachsenden möglichen Chancen für ihr Unternehmen befasste, kam es zwar schnell auf das Zukunftsthema Elektromobilität.

          Für das eher mittelständisch geprägte Unternehmen war aber zugleich klar, dass es nicht auf den gewaltigen Markt der batteriebetriebenen Personenkraftwagen setzen konnte. Man wollte sich vielmehr auf Nischen konzentrieren, auf Segmente, die für die großen Spieler zu klein und daher nicht lukrativ genug sind.

          Daraus entstanden ist Voltabox, ein Systemanbieter, der sich auf Batteriesysteme auf Lithium-Ionen-Basis für Funktionsfahrzeuge wie beispielsweise Gabelstapler, Oberleitungsbusse oder Bergbaufahrzeuge konzentriert. „Wir haben lieber auf die niedriger hängenden Trauben geschaut, wenngleich dieses Geschäft nicht minder anspruchsvoll ist“, beschreibt es Klaus Frers, der als Paragon-Vorstandsvorsitzender zugleich Aufsichtsratschef des jungen Unternehmens ist. 2014 wurde die neu entwickelte Geschäftssparte in eine eigenständige Gesellschaft ausgegründet. Nun öffnet sich das zuletzt kräftig gewachsene Unternehmen aus dem ostwestfälischen Delbrück der Börse.

          Überschaubares Volumen

          Von diesem Dienstag an sollen insgesamt 5,5 Millionen Voltabox-Aktien zuzüglich einer Mehrzuteilungsoption von mehr als 0,8 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung angeboten werden. Die Preisspanne wurde am Montag auf 20 bis 24 Euro je Aktie festgesetzt. Werden alle Aktien plaziert, liegt das Emissionsvolumen zwischen 126,5 und knapp 152 Millionen Euro. Der Wert des Unternehmens wird damit auf 316 bis 380 Millionen Euro taxiert.

          Nach den Worten von Frers wird ein Streubesitz von rund 40 Prozent angestrebt. Die Mehrheitsgesellschafterin wolle auch langfristig beteiligt bleiben, versichert er. Grund für den Schritt in den regulierten Markt der Frankfurter Börse ist das geplante kräftige Wachstum, für das Voltabox auf eine breitere Eigenkapitalbasis zurückgreifen möchte.

          Ein Teil des Erlöses soll zudem der Ablösung eines Gesellschafterdarlehens von 16 Millionen Euro dienen. Frers ist zuversichtlich, dass das Börsendebüt erfolgreich wird. „Voltabox ist das erste Unternehmen in Deutschland, das zu hundert Prozent mit dem Thema Elektromobilität an die Börse geht“, sagt er.

          Überschaubare Unternehmensgröße

          Noch ist Voltabox mit einem Umsatz von 14,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr vergleichsweise klein. Im ersten Halbjahr 2017 lagen die Erlöse schon bei 10,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wird mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Euro gerechnet, bei einem positiven Betriebsergebnis (Ebit).

          Bisher macht Voltabox noch Verluste: 630.000 Euro waren es im ersten Halbjahr, 228.000 Euro im Jahr 2016. Allerdings fielen die Verluste deswegen geringer aus, weil Paragon in den Vorjahren jeweils mehr als vier Millionen Euro an Verlusten übernahm. nach dem Rechnungslegungsstandard des HGB beliefen sich die Verluste im ersten Halbjahr auch auf 2,65 Millionen Euro.

          Die weiteren Pläne klingen ehrgeizig. Für das Jahr 2019 wird ein Umsatzvolumen von rund 100 Millionen Euro angestrebt. Dabei stützt sich der Vorstand auf ein gebuchtes Auftragsvolumen von derzeit etwas mehr als 800 Millionen Euro.

          Zukäufe im Blick

          Im Kerngeschäft mit Batteriesystemen setzt das Unternehmen darauf, weitere Märkte erschließen zu können, so beispielsweise die für landwirtschaftliche Fahrzeuge, kommunale Versorgungsfahrzeuge oder Flughafenvorfeldfahrzeuge. Daneben baut das Unternehmen Starterbatterien für Hochleistungsmotorräder und arbeitet in einem kleinen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Aachen an elektrischen Antriebssystemen mit dem Ziel, Voltabox zu einem Komplettanbieter zu machen, wie Frers schildert.

          Neben der Aufstockung der Entwicklungsabteilungen und der Kapazitäten an den beiden Produktionsstandorten in Delbrück bei Paderborn und Austin (Texas) soll der Erlös aus dem Börsengang auch für passende Zukäufe eingesetzt werden. „Der Markt ist noch stark fragmentiert. Auch das wollen wir nutzen, um in neue Größenordnungen hineinzuwachsen“, kündigt der Aufsichtsratsvorsitzende an.

          Voltabox ist ein Wachstumsunternehmen, dessen Erfolg mit der Elektromobilität steht oder fällt. Der Euro Umsatz wird auf Basis der Preisspanne mit 12,60 bis 15,20 Euro bezahlt.

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