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Startschuss für Börsengang : Die DWS wird endlich eigenständig

Bald wird das bisherige DWS-Logo abgehängt. dann sollen zwei Silberbalken die Zukunft symbolisieren. Bild: J.W.Alker /Imagebroker RM/F1onli

Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank hat unter der Misere des Mutterkonzerns gelitten. Am Montag erfolgte nun der offizielle Startschuss für den Gang aufs Parkett und in die Selbständigkeit.

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          Zwei silberne Balken, schräg ansteigend wie ein Aktienkurschart – das symbolisiert die Zukunft der DWS. Das neue Logo wird in den kommenden Wochen eingeführt und das alte Sechseck ersetzen, das bisher noch überall zu sehen ist. Die Balken sollen den Aufbruch markieren, vor dem die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank jetzt steht. Ein Aufbruch, der sie in der zweiten Märzhälfte zu einer eigenständigen, börsennotierten Gesellschaft macht.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Viertel der Aktien will die Deutsche Bank dem Vernehmen nach dann an der Börse plazieren und dadurch bis zu zwei Milliarden Euro einnehmen. Das würde neben der Siemens-Medizinsparte Healthineers damit zunächst einmal der größte Börsengang des Jahres in Deutschland. Insgesamt würde die Fondsgesellschaft so mit acht Milliarden Euro bewertet und wäre damit ein aussichtsreicher Kandidat für den M-Dax. Am Montag hat die Deutsche Bank mit der offiziellen Emissionsankündigung den Startschuss für den Börsengang gegeben.

          Erst seit 2004 vollständig bei Deutscher Bank

          Die DWS ist mit 26 Prozent Marktanteil bei Privatanlegern Deutschlands führende Fondsgesellschaft. 700 Milliarden Euro verwaltet sie weltweit. Ihr bekanntester Fonds heißt Top Dividende, der größte Fonds Europas, der schwerpunktmäßig in Aktien mit hohen Ausschüttungen investiert. Auch Klassiker wie die Aktienfonds DWS Deutschland und der Vermögensbildungsfonds I, der Immobilienfonds Grundbesitz Europa und der Fonds Concept Kaldemorgen gehören zum Angebot.

          1956 wurde die „Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen“ (DWS) in Hamburg gegründet. Privatanleger sollten am Wirtschaftsaufschwung teilnehmen können. Noch heute machen sie rund 45 Prozent der Kunden aus.

          Die Deutsche Bank hatte anfangs nur 30 Prozent der Anteile. Auch andere renommierte Bankhäuser wie Metzler, Hauck & Aufhäuser, Sal. Oppenheim und Delbrück waren damals beteiligt. 2004 übernahm die Deutsche Bank die DWS vollständig, 2009 kamen die Immobilienfonds von RREEF dazu, 2012 die ETF-Sparte db X-trackers.

          Krisenjahr 2016

          Ebenfalls 2012 wurde die DWS mit der Vermögensverwaltung für reiche Kunden zusammengelegt und vollständig in die Deutsche Bank integriert. Das Wortungetüm „Deutsche Asset & Wealth Management“ entstand. Bis Ende März soll auch noch die Vermögensverwaltung der ehemaligen Sal. Oppenheim mit der DWS verschmolzen werden.

          Doch was man mit der Sparte eigentlich wollte, war zu oft unklar. Mal Kerngeschäft, mal Verkaufskandidat. Schon 2016 wurde die Betreuung vermögender Kunden wieder abgetrennt. Die verbleibende Deutsche Asset Management kam nicht zur Ruhe. Das miserable Image der Deutschen Bank, die in Marktmanipulationen und viele Rechtsstreitigkeiten verwickelt war, färbte auch auf die Fondsgesellschaft ab.

          2016 wurde zum Krisenjahr. Aus Angst um die Solidität des Mutterhauses zogen Anleger 25 Milliarden Euro aus DWS-Fonds ab, Spitzenpersonal wie Henning Gebhardt wechselte zur Konkurrenz. Dann war wieder Verkauf angesagt: 2017 wurde der Börsengang angekündigt, jetzt ist es so weit. „Wir glauben nicht, dass die Gesellschaft als Sparte unter dem Dach der Deutschen Bank die Anerkennung bekommt, die sie haben könnte“, hatte Deutsche-Bank-Chef John Cryan eingeräumt. Verbunden war das mit einer letzten der vielen Windungen: Das Unternehmen geht nun doch nicht unter dem Namen „Deutsche Asset Management“, sondern als DWS aufs Frankfurter Parkett.

          Die meisten der 3900 Mitarbeiter der DWS, davon 1500 in Deutschland, werden angesichts der Turbulenzen in der Vergangenheit über den Börsengang froh sein. Mehr Eigenständigkeit bringt auch mehr Abstand zum schlechten Ruf der Mutterbank. Das kann nur gut fürs Geschäft sein.

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