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Marktausblick : DWS blickt vorsichtiger in das zweite Halbjahr

Sitz der DWS in Frankfurt Bild: EPA

Nach dem guten Jahresstart, wird die Deutsche-Bank-Tochtergesellschaft DWS vorsichtiger. Anleger sollten Portfolios mit Gold und Yen stabiler machen, eine Rezession erwartet man jedoch nicht.

          Das vergangene Jahr 2018 war an den Finanzmärkten kein gutes. Im Gegenteil: Über alle Vermögensklassen hinweg war es das schlechteste seit 1901. So gesehen konnte 2019 nur besser werden, so erwarteten es die meisten Vermögensverwalter, und so kam es zunächst auch. Aus der Panik wurde Euphorie und das stärkste Comeback seit 2009. Doch mittlerweile ist die Stimmung an den Märkten wieder deutlich trüber. Das lässt den mehrheitlich zur Deutschen Bank gehörenden Vermögensverwalter DWS, einen der Größten in Deutschland, vorsichtiger in das zweite Halbjahr blicken als vor sechs Monaten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Devise lautet, die Stabilität der Portfolien zu stärken und diese gegen Abwärtsrisiken zu schützen, sagte Stefan Kreuzkamp anlässlich des halbjährlichen Marktausblicks des Unternehmens. Diese vorsichtigere Einstellung sei angesichts der Rally der ersten vier Kalendermonate wohl verständlich. Bis Ende April war der Dax immerhin um fast 20 Prozent gestiegen. Viel erwartet Kreuzkamp von diesem auch nicht mehr. Für das Jahresende prognostiziert die DWS einen Stand von 12 300 Punkten, also wenig mehr als das aktuelle Niveau und auch dem amerikanischen Index S&P 500 traut sie mit 3000 Zählern nur wenig mehr zu.

          Alles kein Drama

          Dabei ist der volkswirtschaftliche Ausblick eher verhalten als dramatisch schlecht. Eine Rezession erwarte man nicht, sagt Kreuzkamp, aber mit 3,4 Prozent ein eher niedriges Wachstum der Weltwirtschaft, gepaart mit geringen Inflationserwartungen. Vor diesem Hintergrund haben sich auch die Erwartungen an die Geldpolitik deutlich verändert. Rechnete auch die DWS vor sechs Monaten noch mit einer Zinsanhebung, geht man in Europa von einer und in Amerika von zwei Zinssenkungen innerhalb der kommenden zwölf Monate aus.

          Mit Blick auf die aktuellen geopolitischen Spannungen wie den Brexit oder die Krise um Iran geht man dagegen nur von moderaten Auswirkungen aus. Stärkere Bedeutung misst man dem chinesisch-amerikanischen Konflikt um die technologische Vorherrschaft bei – und dem zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. Auch nur temporär eingeführte Zölle könnten hier Lieferketten unterbrechen und das Rezessionsrisiko erhöhen.

          Mehr Yen und Gold

          Für Anleger sei nun wichtig, ihre Portfolios zu diversifizieren. Eine große Rolle misst die DWS dabei Investments in japanischen Yen bei, aber auch Gold. Dessen Wert habe sich dieser Tage schon gezeigt. Denn mit den veränderten Zinserwartungen fielen die Anleiherenditen, Gold wurde so im Gegenzug attraktiver, und der Preis stieg deutlich. Rendite sollten Anleger dagegen bei illiquiden Anlagen finden können. Wer es sich leisten könne, erhalte hier immer noch ansehnliche Prämien.

          Das gilt auch für die Anleihenseite, auf der die DWS im Allgemeinen etwas mehr Wagemut empfiehlt. Direktkredite (Private Debt) seien eine gute Empfehlung, wenn man sich Illiquidität leisten könne, meint Jörn Wasmund, Leiter der Rentenabteilung der DWS. Und auch sonst empfiehlt er mehr Risiko: Bei Staatsanleihen aus Schwellenländern würden die Risiken überschätzt, insofern gebe es noch Raum für steigende Kurse, ebenso wie bei europäischen Hochzinsanleihen. Auch Hybrid-Anleihen, also nachrangige Papiere mit sehr langen Laufzeiten und einem Kündigungsrecht des Emittenten, gehören zu den bevorzugten Anlagen im Rentenbereich. Denn eines ist für Wasmund und die DWS klar: Zinsen und Renditen werden für längere Zeit niedrig bleiben.

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