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Fondsbranche : Druck auf Europas Vermögensverwalter wächst

In der Rangliste der größten Vermögensverwalter ist die DWS deutlich abgerutscht. Bild: dpa

Die Fondsbranche befindet sich in einer Krise. Trotz steigender Vermögen sinken die Gewinne. Deutsche Gesellschaften fallen international zurück.

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          Die Vermögensverwaltungsindustrie steht unter Druck. Folgt man einer Untersuchung der zur Unternehmensberatung PwC gehörenden Strategieberatung Strategy&, sind seit 2017 die Gewinne der Branche um 14 Prozent gesunken, obwohl das verwaltete Vermögen um knapp 12 Prozent wuchs. Nur jeder vierte Vermögensverwalter konnte seinen Gewinn steigern, meist in bescheidenem Umfang. Einer nicht unbedeutenden Zahl von Gesellschaften sei es auch nicht gelungen, trotz niedriger Kosten eine niedrige Relation zum Umsatz zu erreichen. Das deute auf Probleme, die Einnahmen entsprechend zu steigern. Kleine, aktive Manager seien insgesamt am profitabelsten, so dass Größe offenbar nicht immer ein Vorteil sei, so die Analysten von Strategy&.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem europäische Vermögensverwalter hatten zuletzt keine guten Jahre. Das Marktwachstum sank von schon vergleichsweise geringen 12 Prozent im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017 in den Jahren 2015 bis 2019 auf gerade noch 5 Prozent. Der mehr als doppelt so große amerikanische Markt wuchs in der gleichen Zeit dagegen um durchschnittlich 12 Prozent, zeigt eine Untersuchung der auf die europäische Finanzbranche spezialisierten Strategieberatung ZEB. Obendrein sank die Gewinnmarge der 44 der Untersuchung zugrunde liegenden europäischen Vermögensverwalter leicht - obwohl das von diesen verwaltete Vermögen im Vergleich zum Gesamtmarkt sogar deutlich überdurchschnittlich gewachsen war.

          Grund war nicht zuletzt, dass das Umsatzwachstum nicht Schritt hielt, sprich: Mehr Kundengelder brachten nicht genauso viel Umsatz, ergo deutet auch das auf ein Problem auf der Einnahmenseite. Zudem hätten höhere Regulierungs- und Kundenanforderungen sowie die Kosten der Digitalisierung eine stärkere Kostensenkung verhindert: Wäre das verwaltete Vermögen nicht gewachsen, wäre die Gewinnmarge statt auf 0,1 auf nur noch 0,03 Prozent gefallen, schreiben die Analysten von ZEB. Bei den meisten Vermögensverwaltern wüchsen die Kosten überdies stärker als die Einnahmen.

          Das größte Problem haben wie so oft Unternehmen mittlerer Größe: nicht fokussiert genug, um höhere Margen zu erzielen, und nicht groß genug für ausreichend hohe Skaleneffekte. Durch die Corona-Pandemie ist nun in diesem Jahr das verwaltete Vermögen bis Ende Juni auch noch von 9,4 auf 8,8 Billionen Euro gesunken. Die Auswirkungen seien zwar noch nicht klar, aber ZEB geht davon aus, dass die Gewinnmargen bis 2025 um wenigstens 20 Prozent fallen werden, selbst wenn die Pandemie keine langfristigen Auswirkungen auf das Wachstum des verwalteten Vermögens haben sollte.

          Festgefahrene Marktstruktur als Nachteil

          Deutsche Vermögensverwalter sind international weiter ins Hintertreffen geraten. Im alljährlichen „Top 500 Asset Managers Report“ des Fachmagazins IPE werden Allianz Global Investors zwar immer noch als viertgrößter Vermögensverwalter geführt, haben aber den Anschluss an Vanguard und State Street verloren, während Fidelity und JP Morgan deutlich aufgeholt haben. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS ist um neun Plätze auf Rang 21 abgerutscht und weist mit einem Zuwachs des verwalteten Vermögens um 26 Prozent gleichzeitig das zweitniedrigste Wachstum auf.

          Der Marktanteil deutscher und Schweizer Vermögensverwalter fiel insgesamt von knapp 13 Prozent im Jahr 2012 auf knapp 11 Prozent zum Ende des vergangenen Jahres. Das sei diesen aber nur zum Teil anzulasten, engten doch die staatlichen, beitragsfinanzierten Rentensysteme und der exorbitante Zuwachs von Vorschriften in den vergangenen drei Jahren das Wachstumspotential ein, so Strategy&.

          Aber auch die Marktstruktur tue ihr Übriges. Der Markt werde in beiden Ländern von Netzwerk-Monopolisten dominiert, die ihre Produkte auf eine spezifische Klientel zuschnitten. Just diese hätten sich aber im Vergleich extrem wachstumsschwach gezeigt, denn ihnen fehlten aufgrund ihrer starken Stellung Anreize. Ihr zunehmender internationaler Bedeutungsverlust aber könne dazu führen, dass ihre Kunden die Produkt- und Preisstrategie stärker in Frage stellten. Zudem seien sie von den Kundengeldern der verbundenen Banken und Versicherungen abhängig. Diese wüchsen aber noch langsamer als die verwalteten Vermögen. Gleichzeitig hätten die Netzwerk-Monopolisten überdurchschnittlich hohe Kosten, die vergleichsweise langsam sänken.

          Europäische Vermögensverwalter sollten sich entweder für Größe oder Spezialisierung entscheiden, rät ZEB, die vor allem mittelgroße Anbieter stark unter Druck sieht. Strategy& empfiehlt den hiesigen Anbietern, ihr Angebot auszubauen und dabei über Produkt-Zukäufe, Partnerschaften und offene Plattformen nachzudenken. Und allgemein heißt es, Kosten zu senken und die Digitalisierung weiter voranzutreiben. Das alles sei dringender als je zuvor, urteilt ZEB: Die Pandemie habe an der Lage der Branche nichts grundlegend verändert, vorhandene Trends jedoch beschleunigt.

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