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Down under : Kohleriese BHP wehrt sich gegen Klimalobbyisten

Arbeiten in einer Mine von BHP Billiton. Bild: dpa

Der Rohstoffkonzern BHP verlässt Industrievereinigungen, weil er sich von deren aggressiven Umgang mit der Erderwärmung nicht vertreten fühlt.

          2 Min.

          Einer der führenden Kohleförderer der Erde legt sich aufgrund deren Klimapolitik mit den Industrievereinigungen an. Das kann für sie gefährlich werden: Denn der Bergbauriese BHP zahlt aufgrund seiner Größe enorme Beiträge. Im vergangenen Jahr steuerte der australische Konzern allein 17 Prozent zur Lobby-Vereinigung Minerals Council of Australia (MCA) bei.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Rund ein Fünftel seines weltweiten Umsatzes macht BHP mit dem Fördern und Verkaufen von Kohle. Gleichwohl tritt der Konzern dafür auf, den Klimawandel durch das Nutzen aller Möglichkeiten zu bekämpfen, statt eine zu favorisieren – wie etwa das Verbrennen „sauberer Kohle“, die in Australien gehoben wird. „Die Verringerung der Emissionen ist eine notwendige Voraussetzung, um den Klimawandel zu bremsen“, erklärt der Kohle-Förderer. „Ein effektive weltweite Vereinbarung sollte sich auf ein Portfolio sich ergänzender Maßnahmen stützen, einschließlich eines Preises für Kohlenstoff.“

          Umweltschützer kritisierten sofort, die Entscheidung gehe nicht weit genug – BHP müsse sich aus der Kohleförderung verabschieden, wolle der Konzern wirklich etwas gegen den Klimawandel tun. Allerdings ist die Entscheidung so oder so ein starkes Zeichen dafür, dass Unternehmen sich immer weniger gegen eine breite Front in der öffentlichen Meinung stellen zu stellen wagen.

          Schon die führenden Banken der Welt haben sich aus der Finanzierung neuer Kohleprojekte zurückgezogen. Auch BHP Billitons Konkurrent Rio Tinto hat im vergangenen Jahr angekündigt, sich aus der Kohleförderung zurückzuziehen. Der weltweite Verbrauch von Kohle ist im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent auf 5,4 Milliarden Tonnen gesunken. Gründe dafür liegen in geringeren Gaspreisen, dem stärkeren Nutzen von erneuerbarer Energien und Verbesserungen in der Effizienz.

          Ein unüberbrückbarer Gegensatz

          Beobachter zeigten sich vom Schritt der Australier beeindruckt: „Dies ist eine richtungsweisender Kursschwenk in der Welt der Lobbyisten gegen den Klimawandel“, erklärte Brynn O'Brien, Direktor des Australasian Centre for Corporate Responsibility. „Es ist ein entschiedenes Signal, dass die Ära des aggressiven Bestreitens des Klimawandels nicht zu Ende geht.“

          Aufgrund der tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten in der Klimapolitik will BHP den Weltverband World Coal Association (WCA) spätestens zum 31. März nächsten Jahres verlassen. Bis dahin wird dem Verband noch die Gelegenheit eingeräumt, sich zu ändern und zu äußern – was kaum zu einer geänderten Haltung der Australier führen dürfte. Ein unüberbrückbarer Gegensatz besteht darin, dass BHP das Pariser Klimaabkommen begrüßt, während WCA mehrfach gegen die Klimaziele auftrat.

          Gleiches droht der Amerikanischen Handelskammer; auch für sie steht eine schlussendliche Entscheidung am 31. März an. Die leicht unterschiedliche Bewertung hängt auch damit zusammen, dass BHP erklärt, wenig Nutzen aus der – teuren - Mitgliedschaft in der WCA ziehen zu können – was ein Schlag ins Gesicht für die Lobbyisten auf der Weltbühne ist. Auf dem Prüfstand steht die Mitgliedschaft im MCA. Ihn fordert der Branchenprimus auf, sich aus der Klimapolitik herauszuhalten.

          Der Grundsatz des Managements lautet: „BHP wird dort seine Mitgliedschaft in einer Industrievereinigung beenden, wo wir grundlegende Unterschiede erkennen, die wohl einen großen Einfluss auf die politische Debatte haben werden und wo BHP sich nicht sicher ist, dass der Nutzen (einer Mitgliedschaft) hoch genug ist.“

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