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Amerikanischer Leitindex : Dow-Jones-Index erstmals über 30.000 Punkten

  • Aktualisiert am

Der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse ist erstmals über 30.000 Punkte gestiegen. Bild: AFP

Zum ersten Mal in seiner Geschichte steigt der bekannte amerikanische Börsenindex über die Marke von 30.000 Punkten. Was die Kursrallye trotz Corona befeuert.

          4 Min.

          An der Wall Street trotzen die „Bullen“ immer wieder allen Widrigkeiten. Schon seit 2009 stoßen sie mit ihren Hörnern die Kurse am amerikanischen Aktienmarkt ein ums andere Mal nach oben. Die Tatzen der „Bären“ haben in all den Jahren kaum eine Chance gehabt, den Lauf des amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial aufzuhalten. Selbst der historische Corona-Crash im Februar und März dieses Jahres war nach gut einem halben Jahr wieder Geschichte. Das wohl bekannteste Börsenbarometer der Welt hat damit nun nach rasanter Aufholjagd erstmals die Marke von 30 000 Punkten geknackt.

          Geht die Rally jetzt weiter oder gelingt den Pessimisten - im Börsenjargon „Bären“ genannt - endlich einmal ein Stich gegen die Optimisten, also die „Bullen“? Schließlich könnte der heiß gelaufene Markt auf kurze Sicht schon bald erkalten.

          Jedenfalls erfreuen sich die Anleger erst einmal an dem nahezu schwindelerregenden Anstieg des Dow: Für den Weg von 20.000 auf 30.000 Punkte brauchte er nur knapp vier Jahre. Und es hat keine acht Jahre gedauert, bis sich der Index verdoppelt hat: Im Mai 2013 stand zum ersten Mal die 15.000 auf der Kurstafel der New Yorker Börse an der Wall Street. In deren unmittelbarer Nähe symbolisiert die vom Künstler Arturo Di Modica gestaltete Bronzestatue „Charging Bull“ den US-Kapitalismus schlechthin.

          Was den Kursanstieg befeuert

          Der aktuelle Bullenmarkt in Amerika begann 2009. Seinerzeit hatten Anleger begonnen, die Folgen der globalen Finanzkrise zu verdauen, die fast überall auf der Welt das Wirtschaftswachstum deutlich ausgebremst oder Rezessionen ausgelöst hatte. Kräftig angeschoben wurden die Aktienkurse global von dem billigen Geld der Notenbanken, das die Zinsen unter Druck setzte und festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen damit in der Gunst der Anleger sinken ließ. 2019 hatte die amerikanische Notenbank den Leitzins dreimal hintereinander gesenkt, um einen Wirtschaftsabschwung zu vermeiden. In Amerika befeuerten auch Steueranreize und Infrastruktur-Versprechen unter US-Präsident Donald Trump die Kurse.

          Anfang 2020 aber sah es dann erst einmal so aus, als ob der langjährige Bullenmarkt ein jähes Ende finden sollte. Wegen der weltweiten Verbreitung des Corona-Virus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, schickten viele Regierungen ihre Länder in den Lockdown. Der Dow sackte in der kurzen Zeit von Ende Februar bis Ende März um fast 10.800 Punkte ab. Damit hatten sich die in gut drei Jahren angehäuften Kursgewinne innerhalb weniger Wochen in Luft aufgelöst. Auch weltweit brachen die Börsen drastisch ein.

          Doch Regierungen und Notenbanken machten schnell klar, dass sie mit gewaltigen Konjunktur- und Hilfspakten alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um gegenzusteuern. So war das Arbeitslosengeld für Millionen amerikanischer Bürger erhöht worden und die US-Notenbank Fed hatte die Zinsen nach dem Übergreifen der Corona-Pandemie auf Amerika im März in zwei großen Schritten auf die extrem niedrige Spanne von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Zudem pumpt die Fed über milliardenschwere Anleihekaufprogramme zusätzliche Liquidität in die Finanzmärkte, um mit der Geldflut die Wirtschaft anzuschieben. Damit konnte sich der Dow in den letzten Monaten immer weiter nach oben arbeiten.

          Impfstoffe-Testergebnisse verbreiten Zuversicht

          Aktuell richten sich die Hoffnungen der Anleger auf die Zulassung eines Impfstoffes gegen das Corona-Virus. Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer sowie sein Mainzer Partner Biontech, der Arzneimittelhersteller Moderna und der britisch-schwedische Branchenkollege Astra-Zeneca hatten zuletzt vielversprechende Testergebnisse vorgelegt und damit die Märkte angetrieben. Weitere Impulse könnten von einem zusätzlichen Konjunkturpaket ausgehen, auf das sich allerdings der Kongress und das Weiße Haus auch nach der Wahl des Demokraten Joe Biden zum neuen amerikanischen Präsident noch nicht geeinigt haben.

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