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Amerikas Geldpolitik : Trumps Schuldenpolitik sorgt für Stress am Geldmarkt

Blick auf die NYSE an der Wall Street. Bild: Helmut Fricke

Der Risikoaufschlag am Dollar-Geldmarkt ist auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise gestiegen. Dafür ist Amerikas Geldhunger verantwortlich.

          Nicht nur die Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump belastet die Finanzmärkte. Es ist auch seine Schuldenpolitik im Zusammenhang mit dem aus der Steuerreform entstehenden Mittelbedarf. Diese sorgt zusammen mit der Zinswende der amerikanischen Notenbank Fed gegenwärtig am Markt für kurzfristige Dollar-Finanzierungen für erhebliche Anspannungen. Der Geldmarktsatz für dreimonatige Dollar-Kredite, der vor Jahren durch Manipulationen einiger Banken zu trauriger Berühmtheit gelangte Libor, befindet sich auf 2,29 nach 1,69 Prozent zum Jahresanfang.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Anstieg des Libor ist für die Finanzmärkte von entscheidender Bedeutung, weil der Zinssatz Referenz für unzählige Finanzierungen und Anleihen ist. Nach Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hängen Finanzprodukte in aller Welt mit einem Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar am Libor. Das ist nicht nur für den amerikanischen Markt relevant, sondern auch für die von Dollar-Krediten stark abhängigen Schwellenländer wie zum Beispiel Thailand oder Malaysia. Auch Unternehmen aus China oder Brasilien haben sich in Dollar verschuldet.

          Am stärksten ist der Libor seit Mitte Februar gestiegen. In diesem Zeitraum hat das amerikanische Finanzministerium Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von höchstens zwölf Monaten über 300 Milliarden Dollar begeben. In dieser Woche sollen an Geldmarktpapieren und Anleihen bis zu 294 Milliarden Dollar aufgenommen werden. Den Geldmarkt beanspruchen derzeit auch viele amerikanische Unternehmen, um die Zeit zu überbrücken, bis sie ihr im Ausland geparktes Geld wieder nach Amerika zurückholen, weil dies im Zuge der Steuerreform für sie deutlich günstiger wird. Daher benötigen sie nur für wenige Monate Mittel, die sich Unternehmen über sogenannte Commercial Papers beschaffen.

          Investoren betrachten eine Kennziffer mit großer Sorge

          Professionelle Investoren betrachten eine weitere Kennziffer mit großer Sorge: Es handelt sich hier um den Libor-OIS-Spread, der den Unterschied zwischen unbesicherten und besicherten Finanzierungen am Dollar-Geldmarkt misst. Dieser Risikoaufschlag zeigt an, wie teuer die kurzfristige Finanzierung im Dollar für Banken geworden ist. Dieser befindet sich aktuell auf 0,59 Prozentpunkten, dem höchsten Niveau seit der im Jahr 2008 eskalierten Finanzkrise. Auch hier war der Anstieg seit Mitte Februar, also im Zusammenhang mit dem hohen Mittelbedarf der amerikanischen Regierung, am deutlichsten.

          Doch Fachleute aus den Banken zeigen sich noch gelassen: Als strukturbedingt wertet Credit-Suisse-Analyst Zoltan Pozsar den Anstieg der kurzfristigen Risikoprämien am Dollar-Markt. Für den früheren Berater des amerikanischen Finanzministeriums liegt die wesentliche Ursache in der Steuerreform. Pozsar hält es nicht für angebracht, die höheren Risikoaufschläge als Warnsignal für Probleme am Kreditmarkt zu werten. Seiner Ansicht nach sind für die Anspannungen am Geldmarkt auch ausländische Unternehmen verantwortlich, weil sie ihre amerikanischen Tochtergesellschaften stärker über kurzfristige Geldmarktpapiere finanzieren. Denn die amerikanischen Einheiten können wegen der Steuerreform nicht mehr die Zinsen, die sie an ihre Muttergesellschaften im Ausland zahlen, von der Steuer abziehen.

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          Dass es sich um ein amerikanisches Phänomen handelt, darauf verweisen die Citigroup und die Commerzbank. Denn im Euroraum sitzen die Banken dank der immer noch sehr expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf hohen Liquiditätsreserven, weshalb sich nach Ansicht von Commerzbank-Fachmann Christoph Rieger die Abstrahleffekte der Entwicklung in Amerika auf den Euro-Geldmarkt in Grenzen gehalten haben. Für DZ-Bank-Analyst René Albrecht spricht auch die Entwicklung am Markt für Devisenabsicherungsgeschäfte gegen Liquiditätsprobleme. Refinanzierungsengpässe der amerikanischen Banken sind seiner Ansicht nach nicht zu befürchten. Diese hätten noch immer hohe Überschussreserven, auch wenn die Notenbank Fed wieder mit dem Abbau ihrer Bilanz angefangen hat.

          Vor wenigen Jahren stand der Libor im Mittelpunkt eines Skandals um Zinsabsprachen der Investmentbanken. Die Deutsche Bank musste wegen der Manipulation von Geldmarktzinsen 3 Milliarden Euro an Strafen zahlen. Derzeit werden die Verfahren zur Bestimmung von Libor und Euribor überarbeitet. Diese waren bislang zu stark von den Meldungen der Banken abhängig und damit anfällig für Manipulationen.

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