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Kurssturz : Wie Trump sein Eigenlob auf die Füße fällt

  • -Aktualisiert am

Trump-Karikatur für den Mainzer Faschingszug Bild: Reuters

Der amerikanische Präsident schmückt sich gerne mit den Rekorden an der Wall Street. Jetzt stürzt der Dow Jones ab – und Donald Trump schweigt.

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          „Seit meiner Wahl bricht der Aktienmarkt einen Rekord nach dem anderen“, prahlte Präsident Donald Trump noch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor zwei Wochen. Die amerikanische Wirtschaft boome dank der seiner eingeführten Steuerreform. „Das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmer ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.“

          Den Kursanstieg an der amerikanischen Börse der vergangenen Monaten schrieb Trump sich mehrfach ganz allein zu. Seit die Aktienkurse so abrupt fallen, ist von ihm kein Ton mehr zu diesem Thema zu lesen. In Amerika machte sich Panik breit, als der amerikanische Aktienindex zeitweise 6,25 Prozent verlor und nur noch auf 23.924 Punkten notierte. Damit verlor er an einem Handelstag bis zu 1600 Punkte. Bis zum Handelsschluss beruhigte sich der Kurs wieder auf ein Minus von rund 4 Prozent. Trotzdem bleibt dies ein schwarzer Montag für die Börsen – so schlimm sind die Kurse seit Jahren nicht mehr abgestürzt.

          Am Dienstag ging ein Tweet von Donald Trump durchs Netz, der anscheinend aus dem Februar 2015 stammt. „Wenn der Dow Joans [sic] jemals mehr als 1000 „Punkte“ in einem Tag abstürzt sollte der amtierende Präsident in eine riesige Kanone „geladen“ werden und bei einer ENORMEN GESCHWINDIGKEIT zur Sonne geschossen werden! Keine Ausreden!“ Peinlich für Trump, dass genau das während seiner Amtszeit passiert. Dachte sich jedenfalls Shaun Usher, ein britischer Autor, als er den Tweet schrieb. Der Tweet stammt von ihm, nicht von Donald Trump, und entpuppte sich als Fälschung, wurde aber von knapp 20.000 Menschen geteilt und anscheinend für echt gehalten. Man hätte ihm auch dies zugetraut.

          Das Weiße Haus äußerte sich trotz Kurssturz zunächst optimistisch zur amerikanischen Wirtschaftslage. „Der Fokus des Präsidenten liegt auf unseren langfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten“, sagte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders am Montag, als die Kurse bereits auf dem Weg nach unten waren. Sie betonte starkes Wachstum in den Vereinigten Staaten, „historisch niedrige“ Arbeitslosigkeit und steigende Löhne für amerikanische Arbeiter. Noch in der vorherigen Woche hatte Trump in seiner Ansprache zur Lage der Nation die Rekorde am Aktienmarkt seiner Wirtschaftspolitik zugeschrieben, insbesondere der Steuerreform. Am Montag war davon erst einmal nicht mehr die Rede.

          DOW JONES

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          So peinlich der Kursrückschlag für Trump jetzt ist: Es ist nicht direkt seine Politik, die die Kurse in die Tiefe geschickt hat. Schon seit Wochen wird deutlich, dass in Amerika die Inflation demnächst anziehen könnte – ein Phänomen, das auch bei guter Konjunktur in den vergangenen Jahren nicht immer zu sehen war. Schon plante die Notenbank allmähliche Zinserhöhungen. Das drückt Aktienkurse tendenziell, denn hohe Zinsen kostet verschuldete Unternehmen Geld und machen andere Geldanlagen als Aktien attraktiver. Diese Überlegungen gab es schon, bevor Trumps Kandidat Jerome Powell vor wenigen Tagen an die Spitze der Notenbank rückte.

          Mancher wirft Trump vor, mit seiner Steuerreform die Wirtschaft zu überhitzen und die Inflation zusätzlich anzutreiben. In dieser Interpretation wären die Kursstürze eine paradoxe Folge von Trumps Erfolg – allerdings sehr mittelbar. Am Freitag und Montag schien allerdings vor allem die Angst vor der Zinserhöhung zu dominieren, dazu kamen weitere Faktoren, zum Beispiel ein kurzes Absacken von Kursen, das von automatisch handelnden Maschinen ausgelöst worden war.

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