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Börsengang : Trumps Banker hilft den Scheichs

  • -Aktualisiert am

Ken Moelis verkauft mit seiner Firma keine Finanzprodukte. Doch auch durch Beratung wird er ein wohlhabender Mann. Bild: Bloomberg

Ken Moelis hat einst Donald Trump an die Börse gebracht, jetzt spinnt er am größten Börsengang der Geschichte. Und boxen kann er auch.

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          Wer Donald Trump durch die Wirrnisse des Lebens begleitet, denkt im Zweifel groß. Ob nun Berater, Banker oder sonstige Strategen, die Leute aus dem Umfeld des amerikanischen Präsidenten fühlen sich zu großen, besser noch zu größten Aufgaben berufen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ken Moelis, seit 35 Jahren Investmentbanker aus Leidenschaft, ist so ein Typ: Er kennt den amerikanischen Präsidenten ein Vierteljahrhundert, hat ihn schon in dessen unternehmerischer Frühphase betreut und erkennt im Weißen Haus heute frühere Muster. „Trump beginnt jede Verhandlung mit einem überraschenden Zug, das war seine Art, Geschäfte zu machen, so macht er heute Politik“, erzählt Moelis. „Seit ich ihn kenne, erreicht er auf diese Weise das Unerwartete.“

          Unrealistische Preisvorstellungen?

          Der Investmentprofi hat diese Praktiken Trumps lange aus der Nähe studiert. „Ich war sein Banker bei mehreren Deals und habe ihm damals beim Börsengang seiner Firma geholfen“, sagt der Mann, der sich nun am größten Börsengang der Weltgeschichte versucht. Aramco, der Ölkonzern des saudischen Königreichs, soll zwei Billionen Dollar wert sein. Die lächerlichen fünf Prozent der Anteile, welche die Scheichs an fremde Investoren abgeben wollen, sollen ihnen 100 Milliarden Dollar in die Kasse spülen; viermal so viel Geld, wie der bis dato schwerste Börsengang einbrachte: Die Premiere des chinesischen Internetkonzerns Alibaba hat zum Start 25 Milliarden Dollar mobilisiert.

          Dummerweise ist das Öl heute nur halb so teuer wie noch im Jahr 2014. Darauf aber ruht die Story von Aramco. Analysten warnen das saudische Königshaus vor Übermut und halten ihre Preisvorstellungen für übertrieben. Der Starttermin für Aramco, angesetzt für 2018, wackelt, wurde vorige Woche am Markt spekuliert. Die Banken, die sich den exquisiten Auftrag der Ölscheichs geangelt haben, müssen schwer kämpfen. JP Morgan, Morgan Stanley und HSBC sind gebucht, dazu eben Ken Moelis, der alte Trump-Kumpan, ein Haudegen, der früher auch mal für die UBS gearbeitet hat und heute selbst an der Börse, genauer gesagt an der New York Stock Exchange, notiert ist.

          Moelis Firma verkauft keine Finanzprodukte

          Moelis & Company heißt seine Firma, eine Investmentboutique, wie sie in der Branche sagen, wenn Investmentbanker Konzerne nur beraten, ohne eigene große Bankbilanz im Hintergrund. Kenneth Moelis, Gründer, Chef und vierfacher Vater, darf man sich trotzdem als einen wohlhabenden Mann vorstellen. Seine Firma ist weltweit über 19 Standorte verstreut, mit Schwerpunkt in Amerika, seit drei Jahren aber auch mit einem Zehn-Mann-Büro in Deutschland. „Gut möglich, dass Frankfurt nach dem Brexit an Bedeutung gewinnen wird“, sagt Moelis, der bisher in London, seiner Europa-Zentrale, 100 Leute beschäftigt.

          Sein deutscher Statthalter Stefan Müller, ein schillernder Name in der Branche, empfiehlt sich Dax-Konzernen mit der weltweiten Expertise der Boutique – und seinem Chef als Aushängeschild. Fliegt Moelis in Frankfurt ein, so ist es sein Ehrgeiz, möglichst viele deutsche Konzernchefs zu treffen. Sein persönlicher Rekord liegt bei sieben solcher Vorstandsmeetings an einem Tag. Das Geschäft von Moelis läuft anders als das der großen Wall-Street-Banken. Die Firma hilft bei Übernahmen und Börsengängen, verkauft aber keine Finanzprodukte, keine Derivate, keinen Research, nicht mal einen Kredit bekommt der Kunde. „Geld ist genug auf der Welt“, sagt der Gründer, „es reicht aus, wenn wir den Kunden helfen, einen Kredit zu besten Konditionen zu bekommen.“ Voriges Jahr war er an zwölf Transaktionen in China beteiligt, an acht in Indien und so manchem Abenteuer deutscher Konzerne in Amerika. „Da hat er Zugang“, erkennen selbst Wettbewerber an, die dem Banker mit dem ungewöhnlichen Lebensweg sonst wenig zugetan sind.

          Die größte Herausforderung ist der Nachwuchs

          Ken Moelis steht zu seiner Vergangenheit als einer Art „prokapitalistischer Hippie“. Auf Fotos, auf denen er 18 war, trägt er sehr langes, ungekämmtes Haar, mit einem Stirnband zusammengehalten wie bei Jimi Hendrix. Der Banker widersetzte sich Konventionen, war aber niemals zeitgeistig links, wie er heute betont: „Ich wollte Spaß, eine gute Zeit haben und alte gesellschaftliche Stereotypen überwinden. Kapitalist war ich damals schon, bin es heute noch.“ Während seiner Zeit an der Wharton Business School hat er intensiv Boxen trainiert. Er hatte damals alle Rocky-Filme angeschaut und hatte einen Traum: „Ich wollte der erste Boxweltmeister mit einem MBA-Abschluss sein.“ Das mit dem MBA hat geklappt, das mit dem Boxen nicht.

          „Wenn du Muhammad Ali im Fernsehen siehst, schaut das elegant aus, in Wahrheit tun die Schläge ganz schön weh.“ Als größte Herausforderung heute sieht er es an, fähigen Nachwuchs zu finden. Die Generation, die jetzt die Universitäten verlässt, war vor zehn Jahren, in der Finanzkrise, 16 oder 17 Jahre alt: „Diese jungen Leute sind in einer Zeit groß geworden, in der Banker als böse dargestellt wurden.“ Dabei wollen sie doch nur Geld verdienen, ob mit Trump oder Ölscheichs.

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