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Amerikas Notenbank : Donald Trump baut die Fed um

Donald Trump (hier bei einem Wirtschaftstreffen am Montag in Florida) baut die Notenbank Fed um zu einem Gremium der Pragmatiker. Bild: dpa

Nach und nach füllt Donald Trump die Posten bei der amerikanischen Notenbank. Die Auswahl des Präsidenten offenbart einen klaren Trend.

          Die Revolution findet nicht statt. Nach und nach füllt Präsident Donald Trump die unbesetzten Führungspositionen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve mit sachkundigen, pragmatischen, eher den Republikanern zugeneigten Finanzexperten. Sie fordern keine Sprünge und stehen im Verdacht, einen pragmatischen Zugang zu Fragen der Bankenregulierung zu haben. Republikaner wollen die Finanzregulierung, die nach der schweren Finanzkrise verschärft wurde, wieder lockern und entschlacken.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Jetzt hat der Präsident Richard Clarida und Michelle Bowman nominiert, um weitere Vakanzen in dem nominell siebenköpfigen Zentralbankrat der Federal Reserve zu füllen. Richard Clarida soll Vizepräsident der Fed werden und damit die Position von Stanley Fischer einnehmen, der im Herbst vergangenen Jahres um seine Versetzung in den Ruhestand gebeten hatte. Clarida hält aktuell die Position einer Geschäftsführerin bei der Vermögensverwaltung Pimco, die er über globale Geld- und Fiskalpolitik auf dem Laufenden hält.

          Seine für Pimco verfassten Blog-Beiträge verraten, dass er den Kurs der amerikanischen Geldpolitik für richtig hält. Die Bestellung Jerome Powells zum Chef der Fed durch Trump lobte er als kluge Entscheidung. Powell war im Februar Janet Yellen der Spitze der Fed nachgefolgt.

          Hohe Reputation in akademischen Kreisen

          Clarida ist einer der seltenen Vögel, die praktische Expertise aus der Finanzwelt mit hoher Reputation in akademischen Kreisen verbinden. Neben seiner Arbeit für die Allianz-Tochtergesellschaft bekleidet Clarida auch die Position eines ordentlichen Professors an der Columbia-Universität in New York. Er hat einen Doktortitel an der Harvard-Universität erworben, knapp anderthalb Jahre unterbrach er seine akademische Laufbahn, um unter Präsident George W. Bush zwei Finanzminister als Chefökonom zu beraten.

          In den neunziger Jahren engagierten ihn Investmentbanken, später Vermögensverwaltungen. Für Trump, so wird spekuliert, ist vor allem die praktische Erfahrung aus der Finanzwelt ein wichtiges Argument für Clarida.

          Gremium der Praktiker

          Die ebenfalls nominierte Michelle Bowman arbeitet bis jetzt in der Bankenaufsicht von Kansas, zuvor hatte sie eine Führungsposition in einer regionalen Bank. Sie soll den für die Kommunalbanken reservierten Posten in der Fed einnehmen.

          Der Senat muss die Nominierungen noch bestätigen, doch die Aussichten sind offenbar gut. Damit deutet alles darauf hin, dass der von Trump nach und nach zusammengestellte neue Zentralbankrat eher ein Gremium der Pragmatiker wird, nachdem er zuvor eine akademische Schlagseite hatte. Der Chef der Notenbank, Jerome Powell, hatte als ausgebildeter Jurist Berufserfahrungen bei Investmentbanken und als Partner einer Investmentbank gesammelt. Auf eine ähnliche Laufbahn blickt der Jurist Randal Quarles zurück, der nach Bestellung durch Trump für die Finanzregulierung zuständig ist.

          Ebenfalls auf die Bestätigung durch den Senat wartet als einziger reiner Akademiker der anerkannte Geldpolitik-Professor Marvin Goodfriend der Carnegie Mellon-Universität. Das könnte aber schwieriger werden. Die Mehrheit der Demokraten und der libertäre Republikaner Rand Paul wollen nicht für ihn stimmen.

          Die letzte von Trumps Vorgänger Barack Obama nominierte Zentralbankerin ist Lael Brainard. Powell war von Obama installiert und von Trump zum Fed-Chef gemacht worden.

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