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F.A.Z.-Index : Im Dividenden-Schlaraffenland

Dividendensegen: Am Freitag veranstaltet die Thyssen-Krupp AG als erster Wert im F.A.Z.-Index und im Dax ihre ordentliche Hauptversammlung. Bild: dpa

Thyssen-Krupp startet die Dividendensaison. Für Aktionäre deutscher Unternehmen brechen goldene Zeiten an, sie bekommen 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Das meiste Geld je Aktie kommt aus der zweiten Reihe.

          Es klingt paradiesisch: Die Aktienkurse und Dividenden steigen und steigen, und das seit Jahren. Ein Index wie der Dax hat sich seit dem Tief im Jahr 2003 inzwischen versechsfacht. Zudem liegt der Index mit gut 13200 Punkten nur knapp unterhalb seines historischen Höchststands von 13 526 Punkten. Zugleich planen die deutschen Aktiengesellschaften in diesem Jahr, so hohe Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten wie niemals zuvor – und die Prognosen zeigen weiter nach oben.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im F.A.Z.-Index werden es schätzungsweise 46,4 Milliarden an Ausschüttungen sein, nach 39,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr – ein Anstieg um gut 17 Prozent. Mit dem Dividendenplus von 8 Prozent aus dem Vorjahr macht das binnen zwei Jahren ein Wachstum um 25 Prozent. Dies alles ist möglich, weil es der Weltwirtschaft so gut geht wie seit Jahren nicht mehr und die Inflationsraten bislang gering sind. In diesem Umfeld verdienen die Unternehmen prächtig und profitieren von den nach wie vor niedrigen Zinsen. Diese machen überdies Aktien aus Anlegersicht besonders attraktiv.

          Los geht der Dividendensegen an diesem Freitag. Denn als erster Wert im F.A.Z.-Index und im Dax veranstaltet die Thyssen-Krupp AG ihre ordentliche Hauptversammlung im Ruhr-Congress in Bochum. Dort entscheiden dann – wie auch auf den folgenden Aktionärstreffen – die Anteilseigner unter anderem über die Höhe der jeweiligen Dividende, welche die Unternehmen ihnen zunächst nur vorschlagen. In der nebenstehenden Tabelle finden sich zu dieser Zeit des Jahres vor allem Schätzungen von Analysten. Nur wenige Gesellschaften haben ihre Dividenden schon festgelegt, mit der sie sich auf den Aktionärstreffen präsentieren wollen. Diese Daten sind gefettet.

          Die höchste Dividendenrendite im F.A.Z-Index.

          Am Börsentag nach der Hauptversammlung, in diesem Fall der Montag, wird die Dividende schließlich vom Aktienkurs abgezogen und fließt den Aktionären zu. Das zum Teil deutliche Kurs-Minus an einem solchen Tag ist also ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Im Fall des Stahlkonzerns scheint die Ausschüttung mit 0,15 Euro je Anteilschein allerdings nur konstant zu bleiben. Die Dividendenrendite von 1,0 Prozent liegt hier zudem unterhalb des Durchschnitts des F.A.Z.-Index von 2,6 Prozent. Im Dax liegt diese einen Hauch höher.

          Doch insgesamt wartet im diesjährigen Dividendenreigen eine ganze Reihe von guten und vor allem einträglichen Nachrichten auf die Anleger. Von den derzeit 101 Unternehmen im F.A.Z.-Index – nach der Aufteilung der alten Metro AG im Juli 2017 finden im Index derzeit sowohl Ceconomy wie auch die neue Metro Platz – erhöhen vermutlich 77 Gesellschaften ihre Ausschüttung je Aktie. Zum Teil sind die Schritte klein und eher kosmetischer Natur, in anderen Fällen sind sie deutlicher. 21 Unternehmen lassen die Dividende unverändert – davon schütten sechs weiterhin kein Geld an die Anteilseigener aus. Im Dax betrifft dies die Aktionäre der Commerzbank und unter den Nebenwerten Morphosys, Nordex, Rocket Internet, SGL Carbon und Zalando. Mit SMA-Solar wird wohl nur ein einziges Unternehmen seine Dividende senken, falls die Aktionäre sich nicht anders entscheiden – und dies um 60 Prozent.

          Eine besonders deutliche Veränderung zeigt sich in diesem Jahr beim Versorger RWE. Nach einem Ausfall im vergangenen Jahr soll es nun eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie geben – 1 Euro davon ist eine Sonderdividende durch den Wegfall der Brennelementesteuer. 50 Cent wiederum sind Dividendenfachleuten zufolge eher typisch für diesen Wert und könnten auch in Zukunft zu erwarten sein. Damit fällt RWE freilich auch mit Blick auf die Dividendenrendite – die Ausschüttung je Aktie, geteilt durch den Kurs – aus dem üblichen Rahmen. Mit aktuell 8,5 Prozent ist dies die höchste Dividendenrendite im F.A.Z-Index.

          In diesem Fall ist dies ein positives Zeichen. Doch das gilt nicht immer. Die Dividendenrendite kann auch dann besonders hoch sein, wenn der Aktienkurs zum Beispiel durch negative Unternehmensnachrichten gefallen ist. Ein Beispiel hierfür ist Pro Sieben Sat1 Media mit einer Rendite von 6,4 Prozent. Für Telefónica Deutschland sind es 6,3 Prozent und für die RWE-Abspaltung Innogy 5 Prozent. „Eine hohe Dividendenrendite kann ein Warnsignal sein, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht mehr läuft“, sagt auch Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Der größte Dividendenzahler ist in diesem Jahr abermals der Automobilkonzern Daimler mit aktuell wohl 3,744 Milliarden Euro. Daneben werden vermutlich noch drei weitere Unternehmen mehr als 3 Milliarden Euro ausschütten: Allianz mit 3,507 Milliarden Euro, Deutsche Telekom mit 3,082 Milliarden Euro und Siemens mit 3,017 Milliarden Euro.

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