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Geldanlage in Aktien : Digitalisierung und Bauboom beflügeln RIB Software

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Die Baustelle der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart: Damit bei der Umsetzung solcher Vorhaben so wenig wie möglich von der Planung abweicht, kommt seit Jahren verstärkt entsprechende Software zum Einsatz. Bild: dpa

Große Bauvorhaben kosten viel Geld. Damit solche Vorhaben so wenig wie möglich von der Planung abweichen, kommt verstärkt spezielle Bau-Software zum Einsatz. RIB Software ist ein solcher Anbieter. Die Mehrheit der Analysten rät zum Kauf der Aktie.

          Böse Überraschungen sind bei großen Bauvorhaben nicht selten. Oftmals laufen die Kosten aus dem Ruder. Damit bei der Umsetzung solcher Vorhaben so wenig wie möglich von der Planung abweicht, kommt seit Jahren verstärkt entsprechende Software zum Einsatz. Das firmiert in der Branche unter dem Begriff Building Information Modelling (kurz Bim, Bauwerksdatenmodellierung). Mit dieser Methode lassen sich – ohne einen Stein zu bewegen – die Daten aller Arbeitsschritte von der Planung bis zur Bauausführung in einem virtuellen Computermodell zusammenfassen – und die Bauwerke anschaulich visualisieren.

          Heute werden schon die meisten Großprojekte erst einmal im Rechner dargestellt, lange Zeit bevor Bagger anrücken, um die Baugrube auszuheben. Ab 2020 muss diese Methode einsetzen, wer an Infrastrukturausschreibungen des Staats teilnehmen will. Der Bausoftwarehersteller RIB Software SE mit Sitz in Stuttgart profitiert vom Trend der zunehmenden Digitalisierung. Der Kurs der im Tec-Dax notierten Aktie des Unternehmens, das sich auf 5D-Bausoftware spezialisiert hat, erholte sich in den vergangenen Monaten zusehends. Notierte der Anteilschein Mitte Dezember noch bei 9,41 Euro stieg das Papier bis Mittwochnachmittag wieder auf 17,28 Euro.

          Die Mehrheit der von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten sehen in dem Anteilschein weiteres Potential und empfehlen ihn zum Kauf. Sie prognostizierten in den kommenden zwölf Monaten einen Kurs zwischen 16 und 22 Euro.

          RIB SOFTWARE SE NA EO 1

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          Der Mittelständler mit seinen fast 1300 Mitarbeitern wurde 1961 von Fritz Leonhardt, dem Erbauer des Stuttgarter Fernsehturms, mitgegründet. Erst kürzlich gingen die Schwaben in Deutschland eine Kooperation mit dem französischen Baustoffkonzern Saint-Gobain ein. Mit Saint-Gobain Deutschland wurde das Gemeinschaftsunternehmen SGTWO gegründet. Mit dem Angebot sollen die Kunden die Projektplanung und -ausführung effizienter gestalten können. Und Anfang Juni beteiligten sich die Deutschen mit 60 Prozent der Anteile an dem amerikanischen Daten- und Technologiespezialisten BSD (Building Systems Design). Für die Übernahme wurden rund 37,3 Millionen Euro bezahlt. BSD mit Sitz in Atlanta bietet eine Cloud-Softwareplattform für Gebäudespezifikationen sowie Daten- und Analyselösungen für Bauproduktehersteller aus Nordamerika an.

          Unternehmen investiert derzeit kräftig

          Die lokale Expertise könne bei der Durchdringung des dortigen Marktes hilfreich sein, erwartet die Privatbank Berenberg, die ein Kursziel von 20 Euro für die RIB-Aktie nennt und „Kaufen“ empfiehlt. Die Commerzbank sprach sich gleichfalls für „Kaufen“ aus und nennt 22 Euro als Kursziel. Die zuständige Analystin wies aber zugleich auf die möglichen Risiken der Integration von Zukäufen hin.

          Im ersten Quartal legte der Umsatz im Jahresvergleich um fast die Hälfte auf 46,5 Millionen Euro zu. Das lag insbesondere am starken Wachstum der Erlöse aus der Cloud. RIB Software stellt seinen Kunden zunehmend Angebote auf Plattformen im Internet bereit. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte hingegen mit 30,6 Prozent auf 12,8 Millionen Euro weniger stark, weil die Plattformlösungen während ihres kräftigen Ausbaus noch Verluste machen. Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn nur um 7,7 Prozent auf 3,9 Millionen Euro. RIB Software verbuchte auch einen deutlich höheren Steueraufwand als ein Jahr zuvor. Umsatz- und Ergebnisprognose bestätigte das Management.

          Das Unternehmen investiert derzeit kräftig in sein Wachstum und will bis 2022 jährlich im Schnitt um 30 bis 60 Prozent zulegen. Ein Überraschungscoup gelang dem Mittelständler mit dem Einzug des früheren Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube als nichtexekutives Mitglied in den Verwaltungsrat. Die Bahn schloss nämlich bereits 2014, damals war Grube noch im Amt, einen Lizenzvertrag für 5D-Software von RIB ab.

          Der Software-Spezialist steht mit einer Eigenkapitalquote von 79,7 Prozent Ende März gut da. Der Verwaltungsratsvorsitzende Thomas Wolf ist mit seiner Familie Hauptanteilseigner des Unternehmens. Sie halten zusammen fast 17 Prozent. Der Streubesitz beträgt beinahe 29 Prozent der Anteile. Die Dividende für 2018 blieb mit 18 Cent je Aktie stabil. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des RIB-Anteilscheins beträgt 46,6. Damit ist die Aktie sehr hoch bewertet. In der Regel haben Aktien von Unternehmen, denen ein starkes Wachstum zugetraut wird, ein hohes KGV. Neben dem aktuellen Kurs werden für die Berechnung die Gewinnschätzungen der Analysten einbezogen, meist für die Gewinne der kommenden zwölf Monate.

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