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Dieselskandal : Porsche muss Aktionären Schadenersatz zahlen

  • Aktualisiert am

Super-schnell und super-teuer: Ein Porsche 911 GT1 Bild: Reuters

Porsche muss Aktionären eine Millionenentschädigung im Zusammenhang mit dem Dieselskandal zahlen. Laut einem Urteil des Landgerichts Stuttgart hat die VW-Großaktionärin Mitteilungspflichten verletzt.

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          Das Landgericht Stuttgart hat in einem ersten Urteil über eine Anlegerklage im Zusammenhang mit dem Dieselskandal den VW-Großaktionär Porsche zu Schadenersatz verurteilt. Wie zwei Anwaltskanzleien von klagenden Aktionären am Mittwoch vermeldeten, habe die Holding nach Auffassung des Gerichts den Kapitalmarkt zu spät und damit fehlerhaft über die Folgen des Dieselskandals informiert.

          Die Kanzlei Nieding + Barth erstritt demnach 3,2 Millionen Euro für den Pensionsfonds der britischen Stadt Wolverhampton. Den von Rechtsanwalt Josef Broich vertretenen Anlegern habe das Gericht 44 Millionen Euro zugesprochen, erklärte deren Partnerkanzlei Tilp. Das Gericht war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

          So wie viele andere Aktionäre der Porsche SE und des Volkswagen-Konzerns werfen die Kläger dem Unternehmen vor, im September 2015 zu spät über die finanziellen Folgen von Dieselgate informiert zu haben. Dies habe zu Kursverlusten der Anleger geführt. Weitere Klagen sind noch anhängig.

          Die Porsche SE wies die Klagen als unbegründet zurück und hatte früher gesagt, gegen ein Schadenersatzurteil Rechtsmittel einlegen zu wollen. Zur Zeit des Dieselabgasbetrugs war VW-Chef Martin Winterkorn zugleich Vorstandschef der Porsche SE, über welche die Familien Porsche und Piech ihre Stimmrechtsmehrheit an Volkswagen hält. Das Gericht folgte den Anwälten zufolge der Argumentation der Kläger, wonach Winterkorns Wissen als VW-Chef auch der Porsche SE bekannt gewesen sein müsste. Eine Gewinnwarnung hätte es schon im Mai 2014 geben müssen.

          Die Holding dagegen erklärte, es bestehe eine Verschwiegenheitspflicht zwischen den Vorständen der beiden Unternehmen, sodass Winterkorn die Holding über VW-Interna nicht habe in Kenntnis setzen müssen.

          Die Aktiennotierung von Porsche, der am Morgen noch mit leichten Aufschlägen gestartet war, drehte daraufhin ins Minus und gab um bis zu 3 Prozent nach. Hielten sich diese Abschläge schon in Grenzen, so verringerten sich diese weiter. Aktuell beträgt das Minus nur noch 1,8 Prozent.

          Offenbar wird die Tragweite des Urteils so hoch nicht eingeschätzt. Zudem hat der Aktienkurs nach der Rücknahme der Gewinnprognose Ende der vergangenen Woche schon um mehr als 6 Prozent und seit Januar um rund ein Drittel nachgegeben.

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