https://www.faz.net/-gv6-9nir3

Technische Analyse : Diese M-Dax-Aktien sollten verkauft werden

  • -Aktualisiert am

Blick auf eine Produktionsstätte von Wacker Chemie im bayerischen Burghausen. Bild: Reuters

Im deutschen M-Dax gibt es Aktien, die mit einem intakten mittelfristigen Baisse-Trends zu kämpfen haben. Anleger sollten sich diese Wertpapiere genauer anschauen.

          3 Min.

          Auch die deutschen Aktienindizes sind nach den ausgeprägten Kursgewinnen in den ersten Monaten des Jahres 2019 zuletzt in Konsolidierungen hineingelaufen. Solche Konsolidierungen, die auch in den kommenden Wochen anhalten sollten, sorgen im Regelfall für eine Aufspaltung bei den Kurstendenzen sowohl auf Sektor- als auch auf Einzelwertebene.

          Deshalb gibt es nicht nur bei den europäischen Standardwerten aus dem Stoxx 50 und Euro Stoxx 50 einige Titel, die mit einer relativen Schwäche oder mit intakten mittelfristigen Baisse-Trends zu kämpfen haben, sondern auch im deutschen M-Dax. Diese Werte bieten sich zurzeit – und besonders während einer Stabilisierung oder moderaten Kurserholung – für einen technischen Tausch oder einen Verkauf an. Im M-Dax sind die Telekomwerte 1&1 Drillisch, Freenet und Telefónica Deutschland zu nennen. Hinzu kommt der Medienwert RTL. Aber auch bei Hochtief, Norma, Osram und Wacker Chemie mahnt die angeschlagene technische Gesamtlage zur Vorsicht.

          RTL Group

          Die RTL Group (kurz RTL) ist ein Multimedia-Konzern, der europaweit Fernseh- und Radiosender betreibt. Nach der M-Dax-Aufnahme im September 2013 erreichte die Aktie bei 99,9 Euro ein Zwischenhoch. Seitdem befindet sich der Titel in einer langfristigen Abwärtsbewegung. Ab dem Jahr 2015 und Kursen um 85,0 Euro ergab sich dann bei RTL, dessen Großaktionär Bertelsmann etwa 75,1 Prozent der Aktien hält, ein Abwärtstrend, der sich im Laufe der Jahre zu einem Baisse-Trend ausgeweitet hat. In den Jahren 2017/2018 ergab sich unter hohen Schwankungen eine Stabilisierung im Bereich der gestaffelten Unterstützungszone von 56,5 Euro bis 63,5 Euro. Ende 2018 wurde der Baisse-Trend aber mit einem übergeordneten Verkaufssignal (Rutsch durch diese gestaffelte Unterstützungszone) wiederaufgenommen, und die Abwärtsbewegung bei RTL hat sich sogar beschleunigt.

          Der seit einem halben Jahr vorliegende beschleunigte Baisse-Trend hat eine Baisse-Trendlinie bei zurzeit 53,0 Euro (leicht unterhalb der fallenden 200-Tage-Linie). In den letzten Handelstagen ist RTL, die mit der zunehmenden Konkurrenz aus dem Internet und von Streaming-Diensten zu kämpfen hat, aus der kurzfristigen Konsolidierung um 50,0 Euro mit einem weiteren Trading-Verkaufssignal unter Druck gekommen. Hierbei hat der Titel – begleitet von steigenden Handelsvolumina an der Börse – neue Jahres- und Baisse-Tiefs geliefert. Als Konsequenz fehlen die technischen Hinweise, dass die Aktie bereits in den kommenden Monaten in eine Bodenformation hineinläuft. Trotz der hohen (Brutto-)Jahresdividendenrendite mahnt das technische Gesamtbild zur Vorsicht, so dass der Titel weiterhin einen technischen Tausch oder Verkauf darstellt.

          Telefónica Deutschland

          Die Telefónica Deutschland Holding bietet in Deutschland eine umfangreiche Palette von Telekommunikationsdiensten an, wobei die Aktie des Unternehmens sowohl im M-Dax als auch im Tec-Dax vertreten ist. Zwar gehören Titel aus dem Telekomsektor im Regelfall zu den technisch defensiven Werten an den europäischen und deutschen Aktienbörsen, jedoch schützt dies nicht vor der Etablierung einer stabilen, langfristigen Abwärtsbewegung. Telefónica Deutschland hatte im Oktober 2015 bei Kursen um 6,0 Euro sein bisheriges Allzeithoch. Seitdem hat der Titel eine Abwärtsbewegung etabliert, die sich in den letzten Jahren zu einer stabilen, technischen Baisse ausgeweitet hat.

          Die zentrale, jetzt fast vierjährige Baisse-Trendlinie liegt zurzeit bei etwa 4,0 Euro. Ab Mitte 2016 war die Aktie oberhalb der Unterstützungszone um 3,3 Euro seitwärts gelaufen. Jedoch sorgt der seit Mitte 2017 und Startkursen bei 4,9 Euro vorliegende, zusätzliche, mittelfristige Baisse-Trend für eine weitere technische Eintrübung. Mit dem Verkaufssignal (Januar 2019; Rutsch durch die zweijährige Unterstützungszone um 3,3 Euro) kommt es zu einer Baisse-Verschärfung und einer beschleunigten Abwärtsbewegung, wobei die Aktie mit Kursen um 2,5 Euro zuletzt neue Jahres- und Baissetiefs erreicht hat. Als Konsequenz mahnt die technische Gesamtlage weiterhin zur Vorsicht.

          Wacker Chemie

          Wacker Chemie ist ein weltweit tätiges Spezialchemieunternehmen, wobei ein Schwerpunkt in der Produktion von hochreinem Polysilizium für die Photovoltaik und Elektronik liegt. Die Aktie von Wacker Chemie befindet sich seit 2006 in einer übergeordneten, breiten Seitwärtspendelbewegung mit der gestaffelten Unterstützungszone von 40 Euro bis 60 Euro und der gestaffelten Widerstandszone von 175 Euro bis 200 Euro. In den letzten 15 Jahren kam es – innerhalb dieser Seitwärtspendelbewegung – regelmäßig zu einem Wechsel von „normalen“ technischen Hausse- und Baisse-Trends, die die Aktie jeweils an die Ränder dieser übergeordneten Bewegung geführt haben.

          Der letzte Hausse-Trend (von 11/2012 bis 01/2018) hatte bei der Aktie einen Kursanstieg von 40,5 Euro auf 176,8 Euro bewirkt. Seit dem Jahresanfang 2018 ist der Kurs der Aktie aber wieder umgeschlagen, und die laufende Abwärtsbewegung hat sich aufgrund von mehreren Verkaufssignalen wieder zu einem Baisse-Trend (Baisse-Trendlinie bei etwa 83 Euro) ausgeweitet. Zuletzt hat Wacker Chemie, die nach Marktkapitalisierung im Streubesitz zurzeit die kleinste Aktie im M-Dax ist und damit immer in der Diskussion steht, aus dem Index genommen zu werden, aus technischer Sicht Schwierigkeiten, die Unterstützung im Bereich um 73 Euro zu verteidigen. Aufgrund der ausgeprägten relativen Schwäche der Aktie (gegenüber dem M-Dax) und der intakten Baisse-Bewegung sollte die defensive, technische Haltung gegenüber Wacker Chemie weiterhin nicht gelockert werden.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

          Weitere Themen

          Was Fonds-Anleger beachten müssen

          Der Steuertipp : Was Fonds-Anleger beachten müssen

          Für Anleger mit Fondsanteilen sollte die Steuererklärung eigentlich einfacher werden. Doch im Fall von Auslandsdepots sind immer noch spezielle Anlagen zur Erklärung erforderlich.

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : EU setzt Großbritannien Frist bis Mitternacht

          London hat Brüssel in den Brexit-Verhandlungen neue Vorschläge für die irische Grenze gemacht. Doch die seien nicht ausreichend, soll EU-Chefunterhändler Barnier den Außenministern der verbleibenden 27 EU-Staaten gesagt haben.
          Chef-Ökonomin Gita Gopinath in Washington.

          IWF-Prognose : Langsamstes Weltwirtschaftswachstum seit der Finanzkrise

          Der Handelskonflikt zwischen Amerika und politische Krisen belasten die Weltwirtschaft: Der Internationale Währungsfonds senkt seine Prognose zum vierten Mal in Folge. Amerika bleibt ein kleiner Lichtblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.