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Technische Analyse : Technische Sektoraufspaltung am Markt jetzt nutzen

  • -Aktualisiert am

Die Aktienbewegungen zeigen momentan nicht nur nach oben. Bild: Wolfgang Eilmes

Die gespaltene Stimmung an den europäischen Finanzplätzen führt zu einer Sektoraufspaltung. Während Axa und Allianz gut aussehen, ist der Ausblick bei National Grid eher düster.

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          Die Erwartung an ein Abflachen der Corona-Pandemie im Laufe des Jahres und eine wieder anziehende Konjunktur in Europa sorgt für eine Fortsetzung der freundlichen Grundstimmung an den europäischen und deutschen Aktienmärkten. Demgegenüber sorgen die erwartete Konjunkturerholung und die „Normalisierung“ bei den Inflationserwartungen aber auch für zuletzt steigende Anleiherenditen. Dieses veränderte Umfeld findet sich – analog zu früheren, vergleichbaren Börsenphasen – in einer ausgeprägten Sektoraufspaltung wieder.

          Während Branchen wie Automobil, Rohstoffe, aber auch Finanzen mit einem guten technischen Gesamtbild aufwarten, verfestigt sich die relative Schwäche der zinssensitiven Sektoren Immobilien und Versorger. Im (europäischen) Versorgersektor spiegelt der britische Stoxx-50-Titel National Grid als technischer Tauschkandidat dieses Bild zutreffend wider. Demgegenüber stellen die Euro-Stoxx-50-Versicherungswerte Allianz und Axa technische (Zu-)Käufe dar.

          Allianz-Hausse sollte sich fortsetzen

          Bei der Aktie des Versicherungskonzerns Allianz, die sich seit November 2008 (Start bei 45,10 Euro) in einem technischen Hausse-Zyklus befindet, kann die Kursentwicklung der letzten fünf Jahre in drei Phasen eingeteilt werden. Zuerst startete im Juli 2016 an der – seit dem Jahr 2014 bestehenden – Unterstützungszone um 116 Euro ein mittelfristiger Hausse-Trend, der den Titel bis zum Februar 2020 auf ein Preisniveau um 232,60 Euro (neue Widerstandszone) führte. Die zweite Phase ist der Kursrutsch während der Corona-Baisse, der im März 2020 in einem technischen Ausverkauf bei 117,10 Euro und damit im direkten Umfeld der alten Unterstützungszone um 116 Euro endete. Die dritte Phase ist wieder ein mittelfristiger intakter Hausse-Trend, der an dem Tief vom März 2020 ansetzt.

          Dessen Trendlinie liegt jetzt bei 170 Euro und damit leicht unterhalb der steigenden 200-Tage-Linie. Nach dem ersten Investment-Kaufsignal (im November 2020; Sprung über die 200-Tage-Linie) war die Allianz-Aktie bis auf 208,50 Euro (kleine Widerstandszone) und danach in eine Konsolidierung gelaufen. Da diese Konsolidierung einen trendbestätigenden Charakter (nach oben) aufweist, deutet die technische Gesamtlage eine Fortsetzung der Hausse-Bewegung an. Das langfristige technische Kurspotential liegt dabei im Test der Widerstandszone von 230 Euro bis 235 Euro (dem Vor-Corona-Preisniveau). Da die Allianz zusätzlich eine attraktive Brutto-Dividendenrendite von 4,6 Prozent (Dividendenzahlung von 9,60 Euro; Dividendenabschlag erfolgt am 6. Mai) aufweist, bleibt der Titel ein technischer (Zu-)Kauf.

          Bild: Kaiser

          Der französische Versicherungskonzern Axa bestätigt aktuell ebenfalls die Kombination aus attraktiver technischer Gesamtlage und einer über dem Marktdurchschnitt liegenden (Brutto-)Dividendenrendite. Zunächst befindet sich die Aktie aus sehr langfristiger technischer Sicht seit dem Allzeithoch von 42,50 Euro (September 2000) in einer übergeordneten Seitwärtsbewegung. Hierbei hat sich eine mehrfach getestete, gestaffelte Unterstützungszone von 8 Euro bis 10 Euro herausgebildet. Ausgehend von 9 Euro im Jahr 2012 hat sich auch dieser Titel dem seit März 2009 vorliegenden technischen Hausse-Zyklus im Euro Stoxx 50 angeschlossen. Diese Aufwärtsbewegung mündete ab 2015 in eine Seitwärtsbewegung unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 25,50 Euro bis 27,50 Euro.

          Dort setzte auch im Februar 2020 die Corona-Baisse ein, die den Titel in einem technischen Ausverkauf (11,80 Euro; März 2020) drückte. Seitdem läuft eine neue mittelfristige Aufwärtsbewegung, die zunächst jeweils bis zur Widerstandszone um 20,50 Euro reichte. Zuletzt ist Axa mit einem neuen Investment-Kaufsignal über diese Zone gesprungen. Als technische Konsequenz sollte sich der mittelfristige Aufwärtstrend fortsetzen, und es sollte nicht überraschen, wenn sich der Titel wieder an oder in die gestaffelte Widerstandszone (25,50 Euro bis 27,50 Euro) vorarbeiten kann. Mit einer attraktiven Dividendenrendite von 6 Prozent bleibt Axa ein konservativer technischer (Zu-)Kauf.

          Der Versorger National Grid ist auf Strom und Gas fokussiert und hat seine Geschäftsaktivitäten in Großbritannien sowie im Nordosten Amerikas. Zum Jahresstart 2020 konnte die Aktie in einer Kursrally noch auf 1074 Pence steigen, ohne dass die übergeordnete Abwärtsbewegung in Gefahr gebracht wurde. In den letzten Monaten konnte der Titel die Unterstützungszone um 827 britische Pence in einer Seitwärtsbewegung zunächst noch verteidigen. Jedoch ist die Aktie in den letzten Handelstagen mit einem weiteren technischen Verkaufssignal durch diese Unterstützung gerutscht, so dass sich der Baisse-Trend fortsetzt.

          Darüber hinaus ist National Grid durch diese Kursentwicklung zur – nach Marktkapitalisierung im Streubesitz – kleinsten Aktie im Stoxx 50 geworden. Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn der Titel bei der nächsten Index-Überprüfung im September 2021 seine Indexzugehörigkeit nicht verteidigen kann. Auch wenn National Grid – wie viele europäische Versorger – zurzeit eine Brutto-Dividendenrendite oberhalb des Marktdurchschnitts bietet, stellt der Titel aufgrund der Gesamtsituation einen technischen Tausch beziehungsweise Verkauf dar.

          Der Autor leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research der Commerzbank.

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