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Vermögensverwaltung : Die Entdeckung der Frau

Frauen sind zurückhaltender darin ihr angehäuftes Vermögen anzulegen. Die Finanzmärkte wollen sich dieses nun erschließen. Bild: Getty

Vermögensverwalter umgarnen Frauen neuerdings mit schönen Worten und speziellen Fonds. Ob das hilft?

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          Die Frau erscheint der Finanzwelt als ein rätselhaftes Wesen. Seit vielen Jahren zerbrechen sich Banker und Vermögensverwalter den Kopf, warum Frauen so zurückhaltend Geld anlegen, warum sie mehr als Männer davor zurückschrecken, in Wertpapiere zu investieren, und warum sie ihr Finanzwissen so geringschätzen. Liegt es daran, dass Frauen von Natur aus risikoscheuer sind? Oder daran, dass sich durch Erziehung und Schule ein weibliches Selbstbild geformt hat, in dem finanzielle Bildung und eigenverantwortliches Anlageverhalten kaum eine Rolle spielen? Studien darüber, warum Frauen anders mit Geld umgehen als Männer, gibt es so viele wie geschlechtsspezifische Klischees.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Neuerdings setzt sich in der Finanzwelt eine etwas andere Sicht durch: Womöglich liegt es ja nicht nur an den Frauen, dass sie kaum Vermögen aufbauen und viel zu wenig fürs Alter vorsorgen, sondern auch an der Finanzbranche. Sie ist dominiert von Männern, die von Risiko, Rendite und Diversifikation reden, die Lebenswelten von Frauen aber nicht im Sinn haben. Weil in den Bankentürmen ein Umdenken begonnen hat, könnte man etwas salopp formulieren: Die Finanzbranche hat die Frau neu entdeckt.

          Maßgeblich vorangetrieben wird diese Entwicklung von Frauen aus der Finanzbranche, von denen es dann doch einige gibt. Sie wollen ihre Geschlechtsgenossinnen inspirieren und vermitteln, dass eine kluge Geldanlage nicht nur sinnvoll ist, sondern sogar Spaß machen kann. Einer Vorreiterin wie Svea Kuschel gelingt dies mit ihrem Finanzdienstleistungsunternehmen für Frauen zwar schon seit mehr als dreißig Jahren. Aber erst jetzt bekommt die Frauenbewegung in puncto Finanzen richtig Schub und nimmt verschiedene Formen an: in Blogs, Foren und auf Plattformen, Seminaren im Netz und Workshops in vielen Städten. Sogar eine digitale Vermögensverwaltung ausschließlich für Frauen wird es demnächst geben.

          Sie trauen sich nicht

          Versierte Finanzfrauen wissen, wie man ihresgleichen da draußen näher kommt. „Frauen brauchen keine anderen Finanzprodukte, sondern eine andere Ansprache“, sagt Frauke Hegemann, Generalbevollmächtigte der Direktbank Comdirect. Hegemann hat im Januar dieses Jahres mit einigen Kolleginnen aus der Commerzbank-Tochtergesellschaft die Initiative „Finanz-Heldinnen“ ins Leben gerufen, um Grundlagen der Finanzbildung zu vermitteln und Frauen zu ermutigen, sich über ihre Geldanlage Gedanken zu machen.

          Wie die laut Frauke Hegemann „andere Ansprache“ klingt und aussieht, erkennt man auf der Internetseite der Finanz-Heldinnen ebenso gut wie auf dem Finanzforum „Hermoney“, das die ehemalige Fondsmanagerin Anne Connelly im vergangenen Jahr gegründet hat: Die Texte laden zum Dialog ein, oft im vertraulichen Du, die dazugehörigen Bilder vermitteln viel Gefühl und zeigen strahlende Frauen, deren Selbstbewusstsein sich auch in den Texten offenbart. Es herrscht ein Tonfall, den man aus guten Frauenzeitschriften kennt: kein Börsenjargon, sondern persönliche Worte. Auch der Bezug zum Alltag ist wichtig. Geht es beispielsweise um Immobilienkauf, so sind die speziellen Ratschläge überschrieben mit „Steine statt Schuhe“ (Hermoney) oder „Beim Hauskauf schon an Trennung denken“ (Finanz-Heldinnen).

          Entsprechend geht es auf den Frauenseiten weniger um ausgeklügelte Anlagestrategien, sondern vielmehr um verschiedene Lebensphasen und Rollen: Wie investiert man jeweils als junge Berufstätige, als Ehefrau und Mutter, als Unternehmerin oder im höheren Alter? Der Aufklärungsbedarf ist hoch, wie die Resonanz zeigt. Frauen hätten das Thema allzu lange vor sich hergeschoben, sagt Ella Rabener, die die britische Niederlassung des deutschen Online-Vermögensverwalters Scalable Capital gegründet hat. „Frauen befürchten, dass sie nicht genug Geld ansparen, gleichzeitig trauen sie sich nicht, ihr Geld zu investieren.“ In gewisser Weise holen die Blogs, Foren und Workshops nach, was in früheren Jahren versäumt wurde. So hat Scalable nicht zuletzt durch Webinare und Infoabende den Anteil der weiblichen Kundschaft nach eigenen Angaben auf fast 40 Prozent erhöht.

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