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Automobilwerte : Die Talfahrt vor der Automesse IAA

  • -Aktualisiert am

Ab nächster Woche ist es wieder soweit, die Internationale Automobilausstellung (IAA) öffnet ihre Tore. Bild: dpa

Der europäische Automobilsektor zeigt sich an der Börse in einer angeschlagenen technischen Verfassung. Bis auf zwei Autoaktien.

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          Im Vorfeld der vom 12. bis 22. September stattfindenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt zeigt sich der europäische Automobilsektor in angeschlagener technischer Verfassung. Neben der sich aktuell abkühlenden Konjunktur sorgen weiterhin die Nachwirkungen des Diesel-Skandals und die offenen Fragen bezüglich des emissionsfreien und des autonomen Fahrens für Verunsicherung bei den Investoren.

          Als Konsequenz können die Titel aus Stoxx Automobiles & Parts zurzeit in vier technische Gruppen eingeteilt werden. In Gruppe 1 (technische Doppelstrategie und damit ein technischer Anfangskauf) befinden sich nur die VW Vorzüge. In Gruppe 2 (Halteposition) sind Ferrari und Peugeot anzutreffen. In der Gruppe 3 (noch intakte technische Talfahrt) halten sich aktuell BMW, Daimler, Fiat Chrysler Automobiles, Renault und von den Zulieferern Continental, Nokian Renkaat und Pirelli auf. In Gruppe 4 (in der technischen Bodenbildung) finden sich die Zulieferer Faurecia, Hella, Michelin und Valeo.

          Der Stoxx Automobiles & Parts umfasst zurzeit die 15 größten Aktien der europäischen Automobilproduzenten und Zulieferer. Von den 19 Stoxx-Sektoren ist der Autosektor mit Blick auf die Bedeutung an Position 15 angekommen. Dieser Sektorindex, ein Kursindex, startete am 31. Dezember 1991 bei 100 Punkten und notiert aktuell bei ungefähr 454 Punkten.

          Stoxx Automobiles & Parts

          Hier bleibt festzuhalten, dass viele andere Stoxx-Sektoren in den vergangenen 27 Jahren eine langfristige relative Stärke und eine bessere Performance aufweisen. Die Kursentwicklung seit dem Oktober 1992 ist im Stoxx Automobiles & Parts zunächst durch eine Hausse-Bewegung geprägt, wobei es ein Wechselspiel von mittelfristigen Aufwärtstrends und mehrjährigen Seitwärtspendelbewegung gab. Seit dem Kurshoch bei 694,3 Punkten (März 2015) befindet sich der Sektor wieder in so einer Seitwärtspendelbewegung (Unterstützungszone um 400 Punkte; Widerstandszone um knapp 700 Punkte).

          Innerhalb dieser Seitwärtspendelbewegung hat sich seit Januar 2018 (Start bei 690 Punkten) abermals ein Baisse-Trend herausgebildet, der den Sektor auf 450 Punkte und damit in die Nähe der langfristigen Unterstützungszone geführt hat. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überverkauften Lage und da viele Verkaufssignale abgearbeitet sind, besteht die technische Chance, dass der Sektor dort in eine Bodenformation hinein läuft. Da die Herausbildung so einer Bodenformation oft Quartale benötigt und die relative Schwäche im europäischen Sektorvergleich ungebrochen ist, wäre es noch zu früh, die defensive, technische Haltung bereits aufzugeben.

          VW-Vorzugsaktie

          Die VW Vorzugsaktie ist im Vergleich zu den anderen europäischen Automobilproduzenten zurzeit die einzige Aktie mit einer ansprechenden technischen Gesamtlage. VW Vorzüge hatten im Zuge der Aufwärtsbewegung von November 2008 (Start bei 28,10 Euro) bis zum März 2015 ihr Hausse-Top bei 262,50 Euro erreicht. Danach setzte eine ausgeprägte Baisse ein, die im Sommer durch den Diesel-Skandal beschleunigt wurde und im Oktober 2015 bei Kursen um 86,40 Euro in einem technischen Ausverkauf endete.

          Hierdurch wurde bei den VW Vorzügen die Baisse-Bewegung, mit der die anderen Automobilproduzenten seit Jahren zu kämpfen haben, schlagartig vorgezogen. Die Aufarbeitung dieser ausgeprägten, relativen Schwäche sorgt dafür, dass sich die VW Vorzüge seit dem Jahreswechsel 2015/2106 in einer moderaten Aufwärtsbewegung befinden und im Sektorvergleich wieder eine mittelfristige, relative Stärke vorliegt. Seit gut einem Jahr befindet sich der Titel jetzt in einer Trading-Range (Unterstützungszone um 140 Euro; Widerstandszone um 160 Euro).

          Diese hat bisher einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Deshalb bietet sich bei den VW Vorzügen eine technische Doppelstrategie an. Zuerst ein Positionsaufbau auf dem aktuellen Kursniveau. Sollte der Titel dann in den kommenden Wochen und Monaten mit einem Investment-Kaufsignal aus der Trading-Range nach oben herauslaufen – das würde bei Kursen um 163 Euro vorliegen – und die Aufwärtsbewegung der vergangenen Jahre wieder aufgenommen, wäre ein Positionsausbau interessant.

          Ferrari

          Ferrari ist ein technisches Musterbeispiel dafür, wie ein spezialisiertes Unternehmen auch innerhalb eines technisch angeschlagenen Sektors erfolgreich sein kann. Ferrari entwickelt, produziert, vermarktet und verkauft Sportwagen in aller Welt im Hochpreissegment. Die Aktie kam im Oktober 2015 mit dem damaligen Preis von 52 Dollar (damals etwa 47,30 Euro) an die Börse. Nach einem holprigen Start – parallel zur damaligen Gesamtmarktschwäche – war der Titel bis zum Februar 2016 bis auf ein Kurstief bei 27,90 Euro unter Druck gekommen.

          Ausgehend von diesem Niveau, ist die Aktie nach oben umgeschlagen und hat sowohl eine Hausse-Bewegung (zentraler Hausse-Trend aktuell bei 110 Euro) als auch eine mittelfristige, relative Stärke im Sektor etabliert. Innerhalb des Hausse-Trends kam es im Jahr 2018 in der Zone zwischen 84 und 130 Euro zu einer mittelfristigen, schwankungsintensiven Konsolidierung. Anfang 2019 war Ferrari dann mit einem neuen Investment-Kaufsignal nach oben losgefahren und hatte einen neuen kurzfristigen Aufwärtstrend etabliert.

          Als Folge ergaben sich neue Allzeithochs bei 152,60 Euro. Zurzeit befindet sich die Aktie in einer kleinen Konsolidierung um 145 Euro, die wieder einen trendbestätigenden Charakter nach oben aufweist. Auch wenn die Aktie etwas überkauft ist, deutet die technische Gesamtlage ein mittelfristiges Kurspotential von 165 Euro bis 170 Euro an. Damit bleibt Ferrari ein (spekulativer) technischer (Zu-)Kauf.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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