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Börse Moskau : Die Russen legen mehr Geld in Aktien an

Kaum zu glauben: Hohe Kurssteigerungen an der russischen Börse Bild: Bloomberg

Die Moskauer Börse gehört derzeit zu den lukrativsten der Welt. Auch für Ausländer ist sie sehr attraktiv.

          3 Min.

          Am russischen Aktienmarkt passieren seit einiger Zeit erstaunliche Dinge. Während sich die Wirtschaft des Landes im vergangenen Jahr müde dahinschleppte, brachen die Börsenindizes alle Rekorde. Und bisher geht es so weiter: Am Montag überstieg der in Rubel gehaltene Leitindex Moex erstmals die Marke von 3210 Punkten; seit einem Jahr hat er um gut 30 Prozent zugelegt. Der ähnlich zusammengesetzte, aber in Dollar berechnete RTS-Index ist wegen des gestiegenen Rubelkurses sogar um knapp 42 Prozent gestiegen.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Auch im internationalen Vergleich war das vergangene Jahr für Anleger in Russland überaus erfolgreich. Der MSCI-Russland-Index stieg im Laufe des Jahres um 41 Prozent, gut dreimal so viel wie der MSCI-Index für Schwellenländer und beinahe doppelt so viel wie der MSCI-World-Index, der die weltgrößten Unternehmen nach Marktkapitalisierung umfasst.

          Der Höhenflug von 2019 ist nach Angaben der russischen Finanzberatung Aton vor allem auf das gestiegene Interesse internationaler Investmentfonds an russischen Indexfonds zurückzuführen. Den größten Zuwachs zeigten die üblichen, in den Indizes stark gewichteten Unternehmen wie die Energiekonzerne Gasprom, Surgutneftegas und Lukoil, der Palladium- und Nickelproduzent Norilsk Nickel, die staatlich kontrollierte Sberbank und der Kommunikationskonzern MTS.

          RTS Index

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          Gasprom, Lukoil und Sberbank wurden im vergangenen Jahr zusätzlich durch die Ankündigung höherer Dividendenzahlungen attraktiv; außerdem sind russische Aktien vergleichsweise günstig. Die Dividendenrendite russischer Aktien steigt seit 2014 und liegt mit etwa 7 Prozent deutlich über dem Mittelwert von 3 bis 4 Prozent für die Entwicklungsländer.

          Auch der Trend zu niedrigen Zinsen in Industrieländern macht Russland für Anleger interessant. Makroökonomisch ist das Land dabei stabiler als viele andere Schwellenländer; Verschuldung und Inflation sind niedrig, die Währungsreserven groß. Dies ist einer rigiden Sparpolitik und Steuererhöhungen zu verdanken, mit denen die Regierung in den vergangenen Jahren eine Absicherung gegen externe Schocks aufgebaut hat. 2014 hatten die westlichen Sanktionen infolge der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim sowie der Verfall des Ölpreises die russische Wirtschaft hart getroffen.

          Trotz der verbesserten Rahmenbedingungen gilt der russische Aktienmarkt vielen Anlegern aber nach wie vor als extrem abhängig von äußeren Faktoren und damit riskant. Zwar werden vorerst keine neuen Sanktionen aus den Vereinigten Staaten erwartet, doch könnte etwa eine Verschärfung des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts oder ein Kurswechsel der amerikanischen Notenbank ausländische Investoren dazu bringen, sich zurückzuziehen.

          Die meisten Analysten erwarten dennoch, dass die gute Entwicklung in diesem Jahr anhält – wenn auch etwas schwächer als 2019.

          Die Finanzberatung Aton hält ein Wachstum des RTS-Index um weitere 20 bis 25 Prozent auf 1700 bis 1800 Punkte für möglich. Auch die Analysten der Investmentbank Renaissance Capital sind optimistisch: Die positiven Faktoren, die schon 2019 zum Wachstum geführt hätten, würden weiterwirken, sagte die für Russland zuständige Analystin der Bank, Sofia Donez, kürzlich der Zeitung RBK.

          USD/RUB

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          Zu diesen Faktoren zählt sie die Stabilität des Rubels, die schrittweise Senkung des Leitzinses und eine verbesserte Kreditwürdigkeit Russlands. Für 2020 erwartet Renaissance Capital ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent – und ist damit sogar optimistischer als das Wirtschaftsministerium, das nur von 2 Prozent ausgeht. Für 2019 geht das Ministerium von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent aus, endgültige Daten liegen noch nicht vor.

          Einen Anteil an dem guten Börsenjahr 2019 hatte auch der Zustrom privater Kleininvestoren, die wegen sinkender Zinssätze der russischen Banken, die derzeit bei rund sechs Prozent liegen, an die Moskauer Börse kamen. Von Januar bis Oktober 2019 wuchs ihre Zahl im Vergleich zum Dezember 2018 laut dem Wirtschaftsportal „The Bell“ um 93 Prozent an.

          Die vergangene Woche von Präsident Wladimir Putin angekündigten Verfassungsänderungen und damit verbundenen Erwartungen, dass Putin auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Präsident 2024 in anderer Funktion an der Macht bleiben wird, hatten keine größeren Auswirkungen auf die Kurse, da ein solches Szenario erwartet worden war.

          Nur eine Ankündigung des neuen Ministerpräsidenten Michail Mischustin löste einen kleinen Aktiensprung aus: Die Papiere des IT-Konzerns Yandex stiegen am Donnerstag auf ein Allzeithoch, weil Mischustin der Digitalwirtschaft im Allgemeinen und angeblich auch dem Unternehmen im Besonderen „Unterstützung“ versprochen haben soll. Im vergangenen Jahr hatten Versuche des Staates, mehr Kontrolle bei Yandex zu übernehmen, die Aktienkurse mehrfach einbrechen lassen.

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