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Kurz vor Zahlungsbilanzkrise : Die Märkte sind alarmiert wegen der Türkei

Ein Mann knipst ein Selfie von sich vor der Hagia Sophia in Istanbul. Bild: EPA

Sinkende Aktien, schwacher Devisenmarkt: Wirtschaft und Finanzen der Türkei galten schon vor Corona als labil. Die neuerliche Schwäche der Lira geht auch auf das Konto von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

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          Neoosmanisch nennen Türkeikenner wie der frühere deutsche Botschafter in Ankara Martin Erdmann das Bestreben des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, das Land gut 100 Jahre nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zu einer muslimischen Regionalmacht im Mittelmeerraum zu machen. Beispiele dafür gibt es viele: Interventionen im Irak, in Syrien, Libyen, der Militärstützpunkt am Roten Meer, die Suche nach Erdgas vor Zypern trotz Widerspruchs der Nachbarn und der EU, Säbelrasseln in der Ägäis, die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Doch die Kraft, die diese zupackende Politik suggeriert, ruht auf einer brüchigen finanz- und wirtschaftspolitischen Basis.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Seit Jahren lebe die Türkei über ihre Verhältnisse, sagt Thomas Meißner, der das Geschehen dort schon lange verfolgt. Importe überstiegen die Exporte, und die Corona-Pandemie verschlimmere die Lage noch. Die kurzfristige Dollar-Verschuldung des wichtigen Handelspartners der EU entspricht mit 170 Milliarden Dollar etwa den Exporterlösen des vorigen Jahres. „Die steuern beständig auf eine Zahlungsbilanzkrise zu“, sagt der Leiter des Strategy-Research der Landesbank Baden-Württemberg. „Aktuell ist es mal wieder so weit. Die Märkte sind alarmiert.“

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