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Aktie der Fluggesellschaft : Mein Leiden an der Lufthansa

Seit 13 Monaten geht es steil aufwärts mit der Lufthansa-Aktie. Der Kurs hat sich seit Oktober 2016 nahezu verdreifacht. Bild: Imago

Deutschlands Fluglinie Nummer 1 durchlief in den letzten Jahren ein Auf und Ab. Unser Redakteur ist seit 17 langen Jahren Aktionär der Lufthansa. Jetzt endlich ist er im Plus.

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          Neulich wäre eine gute Gelegenheit gewesen, es mal richtig krachen zu lassen, wie man so sagt. Wobei das „krachen“ im Zusammenhang mit einer Fluggesellschaft wie der Lufthansa wohl nicht als politisch korrekt durchgehen würde. Jedenfalls nicht hier in Frankfurt und dem Umland, wo sich etliche Menschen über Fluglärm beschweren. Dass ich meine Freude in aller Ruhe genoss, hatte einen guten Grund: Der Blick auf den Kurs der Lufthansa-Aktie verriet, dass ich mich endlich zu den Gewinnern zählen durfte. Nach 17 langen Jahren waren meine Aktien erstmals wieder mehr wert als zu jenem Zeitpunkt im Jahr 2000, als ich sie gekauft hatte. Während die meisten meiner Anlegerfreunde jedes neue Rekordhoch des Dax oder Dow Jones in den vergangenen Monaten mit einem Achselzucken quittierten, geriet ich über meinen Durchbruch ins Jauchzen: Endlich im Plus! Die Lufthansa lebe hoch!

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich habe davon abgesehen, mir zu diesem Anlass eine gute Flasche Rotwein oder einen prickelnden Champagner zu gönnen. Schließlich hätte dies meine mühsam erwirtschaftete Mikrorendite sogleich wieder zunichtegemacht. Außerdem lehrt die Erfahrung nach all den Jahren des Leidens: Wer weiß, was noch kommt. Also habe ich mich dafür entschieden, im Stillen zu genießen. Bis jetzt.

          Bei der Lufthansa läuft es

          Ich hoffe natürlich auf mehr Rendite als die dürftigen 12 Prozent, die ich seit September 2000 bekommen habe. Wie kümmerlich mein Ertrag ist, zeigt der Vergleich mit dem Dax, dessen Wert sich in demselben Zeitraum verdoppelt hat. Seit rund einem Jahr indes kann der Deutsche Aktienindex mit seinem einzigen Flugunternehmen nicht mehr mithalten: Geht man vom jüngsten Tiefpunkt im Oktober 2016 aus, so hat sich der Kurs der Lufthansa-Aktien seither fast verdreifacht. Es läuft also bei meiner Lufthansa: Der Konzern befördert immer mehr Passagiere und Fracht, der jahrelange Tarifstreit mit den Piloten wurde beigelegt. Und die Übernahme großer Teile der pleitegegangenen Air Berlin stärkt das Geschäft der Lufthansa, die 2017 wohl mit dem besten Ergebnis ihrer Geschichte abschließen wird. Die 0,00025 Prozent, die mir am Konzern gehören, gebe ich nicht mehr so schnell her.

          LUFTHANSA

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          Aktionär geworden bin ich aus vielerlei Gründen, guten und weniger guten. Im Prinzip investierten meine Frau und ich ziemlich vernünftig: Wir streuten unser Geld, indem wir vorwiegend Aktien-, Anleihen- sowie Immobilienfonds kauften und auf die Gebühren achteten. Darüber hinaus auf eine einzelne Aktie zu setzen und damit direkt Mitinhaber eines renommierten Unternehmens zu sein, fanden wir äußerst reizvoll. Schnell fiel unsere Wahl auf die Lufthansa, die wir als Kunden schätzen gelernt hatten. Die Marke genoss einen guten Ruf, sie hatte sich vom Staatsunternehmen erfolgreich in einen börsennotierten Konzern gewandelt. Außerdem kam ihr 1997 die prima Idee, sich mit anderen Fluggesellschaften zur Star Alliance zu verbünden.

          Viel Gefühl bei der Auswahl

          Ich glaubte damals nicht nur den Analysten und deren hohen Kurszielen für die Lufthansa, sondern folgte auch einer süßen Versprechung des Börsenguru André Kostolany: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Ich habe es ohne Betäubungsmittel versucht und muss sagen: Reich geworden bin ich nicht. Stattdessen habe ich erfahren müssen, wie arm dran man manchmal ist, wenn man 3000 Euro auf ein einzelnes Unternehmen setzt.

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