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Wall Street wettet : Die größte Bankenfusion in Amerika seit der Finanzkrise

  • -Aktualisiert am

An der Wall Street kommen neue Fusionsphantasien auf. Bild: Reuters

Die angekündigte Fusion zweier Regionalbanken aus den Südstaaten beflügelt die Aktienkurse von potentiellen Übernahmekandidaten.

          In den Vereinigten Staaten zeichnet sich nach regulatorischen Lockerungen eine neue Fusionswelle unter regionalen Banken ab. In der vergangenen Woche gab es mit der angekündigten Übernahme der in Atlanta (Georgia) beheimateten SunTrust Banks durch den Konkurrenten BB&T den ersten großen Paukenschlag auf dem Weg zu der seit geraumer Zeit erwarteten Konsolidierung. Die in Winston-Salem (North Carolina) ansässige BB&T zahlt 28 Milliarden Dollar im Rahmen eines Aktientausches für SunTrust. Damit schließen sich die beiden Südstaaten-Institute zur neuen Nummer sechs der Branche zusammen. Es ist die größte Bankenfusion seit der Finanzkrise.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die beiden Institute wollen sich einen neuen Namen geben und ihren Hauptsitz nach Charlotte im Bundesstaat North Carolina verlegen, wo schon die Bank of America, das zweitgrößte Kreditinstitut der Vereinigten Staaten, ihre Zentrale hat. Charlotte ist bereits jetzt das wichtigste Finanzzentrum der Südstaaten.

          Bis zur Finanzkrise war dort auch der Hauptsitz der Bank Wachovia, die im Zuge der Krise allerdings in Schieflage geriet und von der in San Francisco beheimateten Wells Fargo übernommen wurde. Wells Fargo ist nach JP Morgan Chase und Bank of America jetzt die Nummer drei der Branche vor der Citigroup. Die fünftgrößte Bank des Landes ist das große Regionalinstitut US Bancorp mit einer starken Präsenz im Mittleren Westen.

          Der geplante Zusammenschluss von BB&T und SunTrust folgt auf eine Reihe kleinerer Fusionen in der Branche. Erleichtert wurde das durch die im vergangenen Mai von der republikanischen Kongressmehrheit verabschiedete gesetzliche Lockerung der Bankenregulierung. Seither hatten Analysten mit einer beschleunigten Konsolidierung gerechnet. BB&T und SunTrust Banks standen seit geraumer Zeit auf der Liste von Fusionskandidaten, genauso wie die Fifth Third Bancorp aus Cincinnati oder die kalifornische CIT Group.

          Fusionen meistens eine starke Triebfeder

          Nach der regulatorischen Lockerung müssen sich Banken erst ab einer Bilanzsumme von 250 Milliarden Dollar einer stärkeren Kontrolle durch die Notenbank Fed unterziehen, darunter regelmäßigen Belastungstests. Das im Jahr 2010 unter dem Eindruck der Finanzkrise von einer demokratischen Kongressmehrheit verabschiedete Dodd-Frank-Gesetz hatte die Schwelle auf deutlich niedrigere 50 Milliarden Dollar gelegt. Kleinere Banken kritisierten die Auflagen als zu restriktiv und teuer.

          BB&T und SunTrust liegen mit einer gemeinsamen Bilanzsumme von rund 440 Milliarden Dollar aber deutlich über der neuen Schwelle. Der Grund für die Fusion liegt im Potential zur Kosteneinsparung, da sich das Geschäftsumfeld für Banken angesichts niedriger Zinsen und eines potentiell schwächeren Wirtschaftswachstums eintrübt. Banken müssen zudem verstärkt in Digitalisierung investieren.

          SUNTRUST

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          An der Wall Street kamen nach der Übernahme von SunTrust neue Fusionsphantasien auf. „Die Fusion von BB&T und SunTrust wird mehr Augen für potentiell größere Fusionen von Banken öffnen“, meinte Analyst Ken Usdin von der Investmentbank Jefferies. Fusionen sind in der Regel eine starke Triebfeder für Börsenkurse, weil Anleger auf potentielle Übernahmekandidaten wetten. Der KBW Nasdaq Bank Index, ein vielbeachtetes Branchenbarometer für 24 große Banken, ist in diesem Jahr bereits um mehr als 14 Prozent gestiegen.

          Die Messlatte für die regionalen Institute, der KBW Nasdaq Regional Bank Index, legte mit einem Plus von 17 Prozent noch stärker zu. Die Aktienkurse amerikanischer Banken haben sich damit deutlich besser entwickelt als der breit gefasste Aktienindex S&P 500, der im gleichen Zeitraum um etwas mehr als 9 Prozent gestiegen ist. Die Kurse einzelner Regionalbanken, die als Übernahmekandidaten gehandelt werden, darunter PacWest (Kalifornien), Zions (Utah) oder Chemical Financial (Michigan), liegen in diesem Jahr schon um mehr als 20 Prozent im Plus.

          Auf regulatorische Lockerung umgehend reagiert

          Der Vorstandschef der Bank of America, Brian Moynihan, hatte Ende Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Häufung großer Bankfusionen vorhergesagt. Für die großen Universalbanken wie JP Morgan Chase oder Bank of America, die selbst Produkte einer jahrzehntelangen Fusionswelle sind, ändert sich aber zunächst nichts. Die vier größten Banken können nicht weiter durch Akquisitionen wachsen, weil sie nicht mehr als 10 Prozent der gesamten Einlagen in Amerika halten dürfen.

          Regionalbanken hatten auf die regulatorische Lockerung umgehend mit kleineren Übernahmen reagiert. Die im Mittleren Westen starke Fifth Third hatte die Regionalbank MB Financial aus Chicago für 5 Milliarden Dollar übernommen. Schon im Januar 2017 – im Monat der Amtseinführung von Präsident Donald Trump – kaufte das in Nashville ansässige Institut Pinnacle Financial für knapp 2 Milliarden Dollar eine andere kleine Regionalbank.

          Die aus jüngsten Kongresswahlen gestärkt hervorgegangenen Demokraten reagierten mit Kritik auf die jüngsten Fusionspläne von BB&T und SunTrust. „Die Fusion wirft viele Fragen auf und verdient eine ernsthafte Prüfung der Bankenaufsicht, des Kongresses und der Öffentlichkeit, um zu untersuchen, ob sie im öffentlichen Interesse der Verbraucher ist“, sagte die neue Vorsitzende des Finanzdienstleister-Ausschusses im Repräsentantenhaus, Maxine Waters. Analysten gehen aber davon aus, dass die Fusion von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt wird.

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