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Impact-Investing : Die Grenzen nachhaltiger Renditen

In Ägypten verspricht der private Bildungsanbieter Cira Familien eine gute Schulbildung zu erschwinglichen Preisen. Die Schweizer UBS hat hier Kundengelder aus ihrem Impact Investing-Portfolio investiert. Bild: dpa

Geld verdienen und dabei Gutes tun ist Anspruch und Versprechen des Impact-Investing. Doch für die Konflikte zwischen Rendite und sozialen Zielen gibt es bisher keine echte Lösung, auch nicht für Konflikte zwischen sozialen Zielen.

          Das Thema „Nachhaltiges Investieren“ entwickelt sich stetig weiter. Schloss man in den neunziger Jahren noch einfach bestimmte Branchen und Produkte aus, so folgte dem in den 2000er Jahren der „Best-in-Class“-Ansatz, mit dem man versuchte, das Investieren am Grad der sozialen und ökologischen Beeinträchtigung auszurichten. Mittlerweile ist das „Impact-Investing“ in den Vordergrund gerückt: Investments sollen nicht nur möglichst unschädlich sein, sondern eine „soziale Rendite“ bringen, also Dinge zum Positiven verändern. Dies bringt eine Reihe von Schwierigkeiten mit sich.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es besteht nicht nur die altbekannte Gefahr des „Greenwashing“, also der Schönfärberei konventioneller Geldanlagen. Vielmehr bringt gerade der Anspruch, eine „soziale Rendite“ zu erzielen, zusätzliche Probleme. Das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen und das Feri Cognitive Finance Institute haben sich unlängst des Investmentstils angenommen. Dabei sind die Forscher zu dem nicht überraschenden Schluss gekommen, dass Impact Investing unterschiedlich verstanden wird – nicht zuletzt eben, weil nicht wirklich definiert ist, was es genau sein soll.

          Auf Rendite verzichten? Oder Fünfe gerade sein lassen?

          Vor allem herrsche Unklarheit über den Zielkonflikt zwischen finanzieller und nichtfinanzieller Rendite. Das beginnt damit, dass es diesen eigentlich nicht geben sollte, weil Impact Investing im Prinzip von einer Symbiose finanzieller und nichtfinanzieller Zielerreichung ausgeht. So attraktiv diese Win-win-Situationen zwar sein mögen, so die Forscher, ließen sich „die Lösungen für viele soziale und ökologische Herausforderungen nicht auf derartige synergetische Geschäftsmodelle reduzieren“.

          Auch bezüglich der Höhe der notwendigen oder akzeptierten finanziellen Rendite gehen die Meinungen auseinander. Für die meisten Investoren soll mindestens der Kapitalerhalt sichergestellt sein, doch gebe es zwei Gruppen: Die einen nähmen auch einen finanziellen Verzicht in Kauf, die anderen nicht. Die erste Gruppe sei noch einmal zu unterteilen: Einige wollten vor allem soziale oder ökologische Wirkungen erzielen, für andere sei das sekundär. Diese Gruppe nehme auch geringere soziale oder ökologische Wirkungen in Kauf. Aber der Zielkonflikt sei nicht das einzige Unklare. Wie groß die erzielte Wirkung sein muss, damit von Impact Investing gesprochen werden könne und was überhaupt wünschenswert sei, dazu gebe es auch verschiedene Ansichten.

          Das Gute ist bisweilen der Gegensatz zum Guten

          Dies alles führe dazu, dass dem Konzept die Verwässerung und Entwertung drohe. Bislang habe es zumindest den Anschein gehabt, dass der Auswahl der sozialen Investitionsobjekte eine gewisse Beliebigkeit anhaftete. Das sei auch von vielen Investoren erkannt worden, so dass die Ziele nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen sich als normatives Gerüst anböten. Diese werden tatsächlich immer öfter von Vermögensverwaltern und Investoren dafür herangezogen. Ein weiterer Schritt könnte der jüngst erst vom EU-Parlament verabschiedete Rechtsrahmen für die Klassifizierung nachhaltiger Investitionen sein.

          Vor allem aber definiere jeder Vermögensverwalter, aber auch jeder Investor Nachhaltigkeit anders, heißt es in der Branche. Nur wenn die Investoren akzeptierten, dass es Zielkonflikte gibt, habe das Impact-Investing letztlich eine Zukunft. Und damit ist nicht nur der Konflikt zwischen finanziellen und nichtfinanziellen Zielen gemeint, sondern auch zwischen nichtfinanziellen Zielen: So können Investitionen in den Bergbau Armut bekämpfen, aber auch den Naturschutz beeinträchtigen. Die Akzeptanz der Konflikte sei geradezu die Voraussetzung für eine breite Durchsetzung des Impact Investing. Dazu brauche es aber genügend Investoren, die sie akzeptierten. Vor allem im angloamerikanischen Raum sei aber eine sehr starke Betonung marktüblicher Renditen anzutreffen.

          Das gebe wiederum Anlass zur Befürchtung, Impact-Investing könne zu einem klassischen Investitionsvehikel verwässert werden. Wenn parallel dazu der Wirkungsaspekt vernachlässigt werde, sei man am Ende wieder beim „Greenwashing“ angelangt. Das nachhaltige Investieren steht insgesamt vor dieser Problematik. Denn je mehr es sich vom Ansatz wegbewegt, möglichst wenig Schaden anzurichten, desto häufiger dürften Zielkonflikte auftreten.

          Nichtsdestoweniger hat Impact-Investing oder aktivistisches nachhaltiges Investieren derzeit noch viel Spielräume. Vielleicht wird es die Welt nicht revolutionieren, aber auch mit der ein oder anderen Verbesserung für Mensch und Umwelt wäre ja schon etwas gewonnen.

          Nachhaltiges Investieren – wichtige Begriffe

          CSR (Corporate Social Responsibility). Die soziale Verantwortung des Unternehmens gegenüber den mit ihm verbundenen Gruppen und Individuen wie Aktionären, Gläubigern, Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden und der Gesellschaft im Allgemeinen.

          ESG (Environmental, Social and Governance Critieria). Die Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien, nach denen die CSR eines Unternehmens bewertet wird. Oft auch mit dem Begriff „Sustainability“ (Nachhaltigkeit) synonym verwendet.

          SRI (Sustainable, Responsible and Impact-Investing). Das sozial verantwortliche Investieren bezeichnet die Strategie, wie in die mit ESG bewerteten Unternehmen investiert wird.

          Impact-Investing: Im Unterschied zum konventionellen Verständnis von SRI soll das Investment auch eine „soziale Rendite“ bringen, also Dinge zum Positiven verändern und nicht nur (möglichst) unschädlich sein.

          Best-in-class: Bezeichnet unter Investmentalternativen diejenige, die am wenigsten schädlichen Auswirkungen im Sinne von CSR hat. Dieser Ansatz gilt als überholt.

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