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Währungen : Die Führungsposition des Dollars ist unangefochten

Der Blick auf die langfristige Bedeutung des Euros fällt deutlich enttäuschender aus, als der auf den Dollar. Bild: EPA

EU-Kommissionspräsident Juncker will die Rolle des Euros als internationale Reservewährung stärken. Das wird schwierig.

          Dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, läuft die Zeit davon. Seine Amtszeit endet im Oktober 2019, und bis dahin ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Euro als Reservewährung an internationaler Bedeutung deutlich gewinnt. Denn das wäre unerlässlich für das Ziel Junckers, die Rolle der Gemeinschaftswährung in der Weltwirtschaft zu stärken. Zwei aktuelle Studien deuten aber darauf hin, dass die Position des Dollars als Reservewährung unangefochten bleibt. Die Ratingagentur Moody’s sieht die amerikanische Währung in der absehbaren Zukunft als die führende Reservewährung. Die Devisenreserven der Staaten werden von den Zentralbanken und Staatsfonds verwaltet. Nach Ansicht der Moody’s-Analysten werden Änderungen in der Zusammensetzung der Devisenreserven nur schrittweise erfolgen. Größere Umschichtungen seien erst nach einigen Jahren zu erwarten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ähnliches bestätigt eine Studie der Vermögensverwalter der Schweizer Großbank UBS. Hier wurden die Verantwortlichen in den Notenbanken und Staatsfonds zu den Aussichten in der Verwaltung der Devisenreserven befragt. Zwar seien der Euro und der chinesische Renminbi im vergangenen Jahr die größten Gewinner gewesen, doch bleibe der Dollar die Standardwährung für Investitionen in neue Reserven. Der Studie zufolge geht der Trend in Richtung Diversifikation: Staatsanleihen verlieren an Gewicht, dafür nimmt die Bedeutung von Unternehmens- und Hypothekenanleihen sowie forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities) zu. Die zunehmenden Zweifel an einigen Schwellenländern wie zum Beispiel der Türkei sowie die Skepsis über die Aussichten an den Aktienmärkten beschäftigen derzeit die Finanzmärkte. Aus der UBS-Studie geht hervor, dass die Notenbanken im vergangen Jahr ihre Bestände an Aktien und Schwellenländeranleihen reduziert haben. Dagegen werden Infrastrukturinvestitionen attraktiver: 15 Prozent der von UBS befragten Reservenmanager haben ihre Bestände im zurückliegenden Jahr erhöht, 10 Prozent planen dies im kommenden Jahr.

          Der Dollar als „sicherer Hafen“

          Blickt man auf die langfristige Bedeutung des Euros als Reservewährung, dann fällt das Ergebnis sehr enttäuschend aus. In den vergangenen zehn Jahren ist sein Anteil um sechs Prozentpunkte gesunken. Nach Angaben von Moody’s hatte der Euro 2017 einen Anteil von 20 Prozent an den Devisenreserven in der Welt. Der Dollar kam auf fast 63 Prozent. Dahinter folgen der japanische Yen mit 4,9 Prozent und das britische Pfund mit 4,5 Prozent. Der Yen konnte in den zurückliegenden zehn Jahren seinen Anteil um 1,7 Prozentpunkte steigern.

          Die amerikanische Währung profitiert dabei nicht nur von der Größe der amerikanischen Volkswirtschaft und ihrem Handelsvolumen, sondern auch von der Transparenz der amerikanischen Finanzmärkte sowie der Stabilität und Berechenbarkeit der Geldpolitik durch die Notenbank Fed. Dadurch habe der Dollar eine Funktion als „sicherer Hafen“, schreiben die Moody’s-Analysten.

          Sie sind für den chinesischen Renminbi eher skeptisch. Kurzfristig dürfte er sein Gewicht kaum steigern können. Im vergangenen Jahr hatte der Renminbi einen Anteil an den Devisenreserven von 1,2 Prozent. Die Analysten der Ratingagentur verweisen auf die Sorgen um die Finanzstabilität in China sowie die Restriktionen im Kapitalverkehr, die einem höheren Anteil des Renminbis im Weg stehen.

          Fed-Präsident Powell will die Zinsen weiter erhöhen

          Die größten Sorgen bereiten den Notenbanken und Staatsfonds derzeit die Risiken für den internationalen Handel. Das bewerten 72 Prozent der Umfrageteilnehmer in der UBS-Studie als größtes Risiko der Weltwirtschaft. Dahinter folgen die Risiken in Europa wie zum Beispiel die Euro-Krise oder der zunehmende Nationalismus. Als größtes Risiko für die Devisenreserven schätzen 54 Prozent überbewertete Preise für Vermögenswerte, was auch eine Folge der extrem lockeren Geldpolitik zusammen mit umfangreichen Anleihekäufen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet das Ende ihres Kaufprogramms zum Jahresende vor.

          Hier ist die amerikanische Notenbank schon deutlich weiter und hat schon mehrfach die Zinsen nach der Finanzkrise erhöht. Fed-Präsident Jerome Powell will die Zinsen auch weiter erhöhen, was Schwellenländer mit hohen Dollar-Schulden Probleme bereiten kann. Steigende Zinsen und die Inflation in Amerika sind für 50 Prozent das größte Risiko. Genauso viel fürchten politische Unsicherheit. Auf dem vierten Platz liegen sehr niedrige oder negative Zinsen an den Anleihemärkten. Vor einem Jahr war das noch die größte Sorge der Reservenmanager in der UBS-Umfrage.

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