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Europäische Zentralbank : Die Risiken grüner Geldpolitik

Bild: Illustration Nina Simon

EZB-Chefin Christine Lagarde will im Namen des Klimaschutzes Geldpolitik betreiben. So viel Eigenmächtigkeit kann zum Problem werden.

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          Wohl die wenigsten Kenner der Finanzwelt hatten mit einem solchen Start gerechnet. Als Christine Lagarde vor einigen Monaten zur Nachfolgerin Mario Draghis erkoren wurde, glaubten die meisten, dass der Französin nicht viel anderes übrigbleiben werde, als Draghis Erbe fortzuführen und im besten Fall die zuletzt arg zerstrittenen europäischen Notenbanker ein wenig zu befrieden. Doch noch vor ihrer ersten geldpolitischen Sitzung als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), die am kommenden Donnerstag stattfindet, setzt Lagarde schon einen ganz eigenen Akzent, wie man ihn von Zentralbankern nicht gewohnt ist. Sie will, so hat sie es bei mehreren öffentlichen Auftritten erklärt, Klimaschutz zu einem Anliegen der EZB machen. Den Klimawandel anzugehen, müsse eine Priorität der Notenbank sein.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwar hat Lagarde in ihrer kurzen Amtszeit bislang noch nicht detailliert ausgeführt, wie sie sich das konkret vorstellt. Aber der Zeitgeist ist selbstverständlich schon mal auf ihrer Seite: Klimaschutz ist wichtig und geht alle an – wer wollte da widersprechen? Zugleich hat Lagarde die Welt der Notenbanker damit in kürzester Zeit in gehörige Unruhe versetzt. Keine Zentralbank der Welt betreibt eine grüne Geldpolitik, indem sie zum Beispiel sogenannte grüne Anleihen bevorzugt ankauft. Das Geld, das für solche Anleihen gezahlt wird, fließt auch in umweltfreundliche Projekte.

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