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Geldpolitik : Die EZB lässt die Geldschleusen offen

EZB-Zentrale in Frankfurt: Die Notenbank sieht sich mit steigenden Inflationsraten konfrontiert - hält diese aber für ein vorübergehendes Phänomen im Krisenausklang. Bild: Lakuntza, Nerea

Trotz zunehmender Entspannung in der Corona-Krise will die Europäische Zentralbank ihre Krisenhilfen fortsetzen. Die Anleihekäufe sollen weiter „signifikant“ höher sein als in den ersten Monaten des Jahres.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) behält ihre ultralockere Geldpolitik zunächst bei. Das hat die Notenbank am Donnerstag nach der Juni-Sitzung des EZB-Rates mitgeteilt. Die Anleihekäufe im Rahmen des Krisenprogramms sollten weiterhin „signifikant“ umfangreicher ausfallen als in den ersten Monaten des Jahres.  

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Leitzinsen ließen EZB-Präsidentin Christine Lagarde und die anderen Ratsmitglieder unverändert. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden, bis er feststellt, dass sich die Inflationsaussichten in seinem Projektionszeitraum deutlich einem Niveau annähern, das hinreichend nahe, aber unter 2 Prozent liegt, und dass sich diese Annäherung in der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durchgängig widerspiegelt“, schreibt die Notenbank.

          Es geht um viel: Die EZB stützt Europas Wirtschaft damit weiterhin mit vielen Milliarden. Im Vorfeld der Sitzung des EZB-Rates war darüber spekuliert worden, ob die Notenbank in Anbetracht der Impffortschritte und der Lockerungen für die Wirtschaft vielleicht schon ein stärkeres Signal in Richtung Beendigung der Anleihekäufe geben könnte.

          Der Ökonom Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW kommentierte: „Bei einer Mehrheit im EZB-Rat herrscht offenbar die Sicht vor, dass sich die Eurozone nur dann erholen kann, wenn die langfristigen Zinsen auf ihrem historisch niedrigen Niveau verbleiben. Diese Sichtweise überzeugt in einem Umfeld der kräftigen Konjunkturerholung immer weniger.“

          Unterschiedliche Meinungen im EZB-Rat

          Seit April drückt die Notenbank zusätzlich aufs Gas: Die EZB hatte im zweiten Quartal das Tempo der Anleihekäufe für das Krisenprogramms PEPP erhöht. Sie hatte das Volumen des Programm bei 1,85 Billionen Euro belassen, aber angekündigt, zwischen April und Juni solle die Zahl der gekauften Anleihen „signifikant“ oberhalb des bisherigen Niveaus liegen. Damit wollte sie „günstige Finanzierungskonditionen“ für die Unternehmen sicherstellen. Soll heißen: Die EZB reagierte auf einen Anstieg der Renditen am Markt für Staatsanleihen, der unter Umständen auch eine Verteuerung von Unternehmenskrediten bewirken und so den Aufschwung nach der Corona-Krise vorzeitig bremsen könnte. Für jedes weitere Quartal soll das Tempo neu festgelegt werden. 

          Wie stark die Notenbank jetzt schon an die Zeit nach der Corona-Krise denken soll, ist im EZB-Rat umstritten. Manche südeuropäische Länder wollen die Geldpolitik besonders lange locker halten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann dagegen ermahnte zuletzt mehrmals, mit dem Ende der Krise müsse die Notenbank unbedingt auch ihren Kurs ändern: „Die Geldpolitik im Euroraum ist der Preisstabilität verpflichtet und muss ihre Zügel wieder straffen, wenn es der Preisausblick gebietet“, hob Weidmann hervor.

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