https://www.faz.net/-gv6-9yorb

Bizarrer Preissturz : Jetzt fallen auch die anderen Ölpreise

Voll bis unters Dach? Öllager von Royal Vopak in Malaysia. Bild: Reuters

Sorgen um fehlende Lagerkapazitäten haben den Ölpreis am Montag abstürzen lassen. Nun erhält die Angst neue Nahrung.

          1 Min.

          Der Ölmarkt befindet sich weiter in heftigen Turbulenzen. Am Montag fiel der Preis für amerikanistisches Leichtöl der Sorte WTI bis auf minus 40 Dollar - überhaupt notierte damit ein Ölpreis erstmals in der Geschichte negativ. Hernach machten schnell Argumentationen die Runde, dass es sich dabei um ein spezifisches Problem handele, dass ein bestimmter Kontrakt an den Terminmärkten betroffen sei. Und zudem diese Angelegenheit auf die Vereinigten Staaten begrenzt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch mittlerweile stehen auch andere maßgebliche Ölpreis stark unter Druck. Der für Nordseeöl der Marke Brent zur  Lieferung im Juni fiel im Tagesverlauf um bis zu 25 Prozent auf nur noch 18,10 Dollar je Fass (159 Liter). Inzwischen notiert er mit 21 Dollar auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Und auch der Preis für WTI-Öl zur Lieferung im Juni ist deutlich gefallen - auf nun 12 Dollar. Am Montag lag er noch oberhalb von 20 Dollar.

          Infolgedessen fallen auch die Aktienkurse an der Börse abermals. Der deutsche Standardwerteindex Dax verminderte sich im Handelsverlauf um mehr als 2 Prozent auf 10.300 Punkte.

          Die größte unabhängige Öllagerfirma der Welt, Royal Vopak, hatte mitgeteilt, dass das freie Speichervolumen zur Lagerung von Rohöl und raffinierten Brennstoffen aufgrund der durch Covid-19 verursachten Schwemme fast erschöpft sei, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die verfügbaren Kapazitäten seien fast vollständig ausverkauft, wird Gerard Paulides, Finanzchef des in Rotterdam ansässigen Unternehmens zitiert. Man treibe die Wartung der Anlagen voran, um so viel Platz wie möglich freizumachen.

          Das große amerikanische Zentrallager in Cushing, Oklahoma, war zwar vor zehn Tagen nur zu 70 Prozent gefüllt, so die Analysten von JBC Energy, doch der Raum sei vollständig vermietet und wohl auch schon vorbelegt, hätten neue Ölmengen keinen Platz mehr.

          Die Auswirkungen sind deswegen so immens, weil im Terminhandel die Lagerkosten wesentlich den Preis beeinflussen. Wer Öl liefert oder erhält, muss dieses lagern. Sind keine Kapazitäten verfügbar, steigen die Kosten ins Unendliche und drücken die Ölpreise ins minus, weil niemand mehr Öl haben will. Da aber das Stilllegen einer Ölquelle sehr teuer ist, ergibt es für viele Produzenten mehr Sinn, für den Ölabsatz zu zahlen anstatt Quellen zu schließen.

          BRENT

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Weitere Themen

          2021 wird ein gutes Aktienjahr

          FAZ Plus Artikel: Dax auf Rekordjagd : 2021 wird ein gutes Aktienjahr

          Rosige Aussichten für das kommende Jahr: Der Dax dürfte seinen Aufwärtstrend fortsetzen und dem S&P 500 auf neue Allzeithochs folgen. Bis auf 14.500 könnte der wichtigste deutsche Aktienindex steigen. Die Technische Analyse.

          Topmeldungen

          Ein Reisepass aus Malta (hier von unserem Illustrator verfremdet) ist manchen Investoren viel Geld wert.

          Staatsbürgerschaftshandel : Goldene Pässe für Superreiche

          EU-Länder wie Zypern und Malta verkaufen ihre Staatsbürgerschaft gegen teures Geld. Ist das in Ordnung? Christian Kaelin, der als „König der Pässe“ bekannt ist, verteidigt das Geschäftsmodell.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.