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Deutsche Bank verliert : Warum Banken im Aktiengeschäft so wenig verdienen

Digitale Rivalen machen den traditionellen Börsen Konkurrenz. Bild: dpa

Die Deutsche Bank hat seit 2007 mehr als die Hälfte ihrer Erträge verloren. Eigene Versäumnisse, Marktanteilsverluste und neue digitale Rivalen tragen zum Niedergang bei.

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          Mit dem dritten Jahresverlust nacheinander hat die Deutsche Bank viele schockiert. Der Misserfolg hat viele Gründe, aber einer ist offensichtlich: Die Deutsche Bank macht immer weniger Geschäft im Handel mit Wertpapieren. Im Anleihehandel, eine der Domänen der Deutschen Bank, mag der Niedergang der Erträge mit der generellen Unattraktivität der Anlageklasse zusammenhängen. Schließlich sind die Zinsen seit Jahren so tief wie nie zuvor, und fast nur die Notenbanken sorgen für nennenswerte Nachfrage nach Anleihen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Schwäche im Aktiengeschäft lässt sich nicht so leicht erklären. Dort nahm die Deutsche Bank im Jahr 2007 durch Handel und Verkauf noch 4,6 Milliarden Euro ein. Im Jahr 2017 waren es weniger als 2,1 Milliarden Euro. Im Aktiengeschäft war die Deutsche Bank nie stark, aber inzwischen liefert es nur noch 8 Prozent der Konzernerträge und 15 Prozent der Erträge in der Unternehmens- und Investmentbank. Die Deutsche Bank selbst nennt im Wesentlichen zwei Gründe für die schrumpfenden Aktienerträge: Zum einen sei der Eigenhandel aus „strategischen Gründen“ und „wegen der Regulierung“ beendet worden. Damit ist gemeint: Die Bankaufseher fordern seit dem Ausbruch der Finanzkrise für den Aktienhandel auf eigene Rechnung von den Banken eine so hohe Eigenkapitalausstattung, dass sich auch die Deutsche Bank – wenn auch spät – dazu entschlossen hat, den Eigenhandel deutlich zu verringern. Das Eigenkapital ist so knapp und teuer, dass sich die Erträge im Aktienhandel auf eigene Rechnung kaum mehr lohnen.

          Teure Geschäfte in den „Dark Pools“

          Der zweite Grund für den Niedergang der Erträge der Deutschen Bank im Aktiengeschäft hat wieder mit schärferer Finanzaufsicht, aber auch mit Technik und Marktanteilsverlusten zu tun. Die Wertpapieraufseher drängen dazu, dass der Handel von Wertpapieren über offizielle Börsen erfolgt und nicht über alternative Handelssysteme der Banken. Aber diese oft „Dark Pools“ genannten Aktienhandelssysteme der Banken gibt es trotzdem weiterhin, sie werden nach wie vor geschätzt von Hedgefonds und auch von Unternehmen, die ein größeres Aktienpaket kaufen oder verkaufen wollen. Sie mögen die geringere Sichtbarkeit ihrer Aufträge im Vergleich zur Börse.

          In den Jahren 2015 und 2016 haben amerikanische Finanzaufsichtsbehörden mehrere Banken bestraft. Die Aufsehern warfen ihnen auch vor, unrichtige und unvollständige Informationen zum Aktienhandel in den Dark Pools gemacht oder Anleger über die Handelsusancen nicht richtig informiert zu haben. Die Schweizer Banken Credit Suisse und UBS mussten deshalb 96 beziehungsweise 14 Millionen Dollar zahlen, die britische Barclays 41 und die Deutsche Bank 40 Millionen Dollar. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat, nachdem sie eine Strafe über 1,8 Millionen Dollar aufgebrummt bekam, ihren Dark Pool dem Börsenbetreiber Nasdaq in einer Kooperation überlassen.

          Lausige IT-Systeme

          Die europäischen Investmentbanken, allen voran UBS, Credit Suisse und Deutsche Bank, halten dagegen an ihren Handelsplattformen fest. Aber die zunehmend digitale Technik erfordert Investitionen in die Handelssysteme, sie sind in den Banken selten auf dem neusten Stand. Gewiss nicht ohne Grund hat Deutsche-Bank-Chef John Cryan Teile der IT seines Hauses einmal als lausig bezeichnet.

          Jedenfalls sind den Börsen durch die Digitalisierung zusätzlich zu den alternativen Handelssystemen der Banken noch weitere Wettbewerber entstanden: die Single Dealer Platforms. Sie sind noch weniger von staatlichen Aufsehern reguliert als die Handelssysteme (Alternative Trading Platforms, ATS) der Banken und werden im Internet betrieben. An diese Single Dealer Platforms (SDP) sind oft Anleger angeschlossen, die auf den Kapitalmärkten nach „quantitativen“ Strategien handeln. Sie nutzen oft Software, die Wertpapierkäufe- oder -verkäufe automatisch auslöst, wenn bestimmte Kursschwellen oder bestimmte andere Daten etwa aus der Konjunktur zuvor festgelegte Werte über- oder unterschreiten.

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