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Mehrere Optionen denkbar : Die Deutsche Bank stellt Zertifikategeschäft zur Disposition

Die Deutsche-Bank-Konzernzentrale in Frankfurt Bild: Reuters

Die Zukunft des Zeritifikategeschäfts der Deutschen Bank ist ungewiss. Privatinvestoren mit einer Anlagesumme von gut fünf Milliarden Euro sind betroffen.

          Die Zukunft des Zeritifikategeschäfts der Deutschen Bank ist ungewiss. Derzeit hat die Bank Zehntausende Zertifikate und Optionsscheine unter der Marke X-Markets am Markt. Deutsche Privatanleger haben in den Produkten mehr als fünf Milliarden Euro angelegt. Die Hälfte des investierten Geldes steckt in Produkten, die auf der Entwicklung von Aktienkursen basieren.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von der am Sonntag getroffenen Entscheidung der Deutschen Bank, sich aus dem globalen Aktienhandel zurückzuziehen, sind sie daher unmittelbar betroffen. „Wir erfüllen alle unsere Verpflichtungen“, heißt es dazu von einem Sprecher der Bank. Die Bank stellt also weiterhin Kurse für ihre Produkte. Sie können weiterhin verkauft und auch gekauft werden. Es werden auch weiterhin neue Produkte emittiert.

          Wie es jedoch weitergeht, ist unklar. Eine Option wäre der Verkauf des Geschäfts. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht. Seit Jahren legt die Deutsche Bank schon keinen großen Wert mehr auf diesen Geschäftsbereich. Früher war sie Marktführer, vor der Finanzkrise sogar mit 24 Prozent Marktanteil und mehr als 30 Milliarden Euro Anlegergeld. Heute kommt die Deutsche Bank nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) noch auf 7,9 Prozent und Rang fünf in Deutschland als beste private Bank, aber weit hinter Deka, DZ Bank, LBBW und der Helaba, die das Geschäft spät, aber teilweise stark forciert haben.

          Ähnlich wie die Deutsche Bank hat dagegen auch die Commerzbank von einer aggressiven Ausweitung des Zertifikategeschäfts abgesehen und auch im eigenen Vertriebsnetz Zertifikate des eigenen Hauses kaum noch aktiv verkauft, anders als es die Sparkassen mit Produkten der Deka und ihrer Landesbanken tun und die Volks- und Raiffeisenbanken mit Produkten der DZ Bank.

          Bei der Commerzbank – auch einst Marktführer im Zertifikategeschäft in Deutschland – mündete dies schließlich im Verkauf an die Société Générale. Auch das von Anlegern stark nachgefragte Geschäft mit Indexfonds (ETF) unter der Marke Comstage verkaufte die Commerzbank im Sommer 2018 an die französische Bank, die damit ihre ETF-Marke Lyxor stärkte.

          Die Commerzbank begründete den Verkauf des Geschäftes mit ETF und Aktienderivaten damals ähnlich wie jetzt die Deutsche Bank die Einstellung ihres Aktienhandelsgeschäftes: Man wolle sich konzentrieren und fokussieren und dort wachsen, wo man stark sei. Die Deutsche Bank aber sortiert sich etwas anders als die Commerzbank. Das ETF-Geschäft mit der Marke X-Trackers führt die Deutsche Bank in der Fondsgesellschaft DWS.

          Das Aktiengeschäft mit Hedgefonds (Prime Finance) und über außerbörsliche elektronische Handelsplattformen (Dark Pools) soll wie berichtet an die französische Bank BNP Paribas verkauft werden. Auch das Zertifikategeschäft ist nun für einen möglichen Käufer ins Schaufenster gestellt. Die Deutsche Bank könnte es jedoch auch fortführen. Denn die zweite Hälfte des Geschäfts basiert nicht auf Aktien, sondern auf Zinsprodukten. Die Zertifikate der Deutschen Bank könnten daher auch im Bereich „Anleihen“ eine neue Heimat finden.

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