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Unverhoffter Gewinn : Die Deutsche Bank sitzt plötzlich auf einem Goldschatz

Die Sonne scheint über der Zentrale der Deutschen Bank: Das Institut hatte jetzt Glück im Unglück und ist an einen großen Goldschatz gelangt. Bild: Wolfgang Eilmes

Mit einem faulem Kredit an Venezuela macht die Deutsche Bank einen Überschuss. Den muss sie zurückzahlen – nur wie?

          Nachdem Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am 23. Mai auf der Hauptversammlung Einschnitte im Investmentbanking angekündigt hat, warten die Anleger unruhig auf Details und die Kosten des Konzernumbaus. Die Deutsche-Bank-Aktie löst sich nur mühsam von ihren Rekordtiefs. Da tun Nachrichten wie diese mal ganz gut: Die Deutsche Bank hatte jetzt Glück im Unglück und ist an einen 20 Tonnen großen Goldschatz gelangt. Die Geschichte dahinter wird so erzählt:

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Jahr 2016 hat die Deutsche Bank eine Finanzierungsvereinbarung mit Venezuela getroffen und dem südamerikanischen Land einen Barkredit in Höhe von 750 Millionen Dollar gewährt Im Gegenzug hinterlegte Venezuela 20 Tonnen Gold als Sicherheit. Der Kredit sollte bis 2021 laufen, da das überschuldete Land aber zwischenzeitlich fällige Zinsen nicht zahlte, konnte die Deutsche Bank das Geschäft vorzeitig beenden und erhält nun Zugriff auf das glücklicherweise offenbar bei der Bank von England hinterlegte Gold. Es ist zu heutigen Preisen rund 860 Millionen Dollar wert. Nun stellt sich die Frage: Was macht die Deutsche Bank mit dem unverhofften Gewinn aus Goldschatz abzüglich Kreditsumme von 110 Millionen Dollar?

          Behalten wird die Deutsche Bank den Gewinn nicht, denn im Kreditvertrag ist klar geregelt, dass er dem Schuldner zusteht. Zurückzahlen an Venezuela kann die Deutsche Bank den Gewinn aber auch nicht einfach so, denn gegen das Regime von Präsident Nicolas Maduro haben die Vereinigten Staaten ein Handelsembargo verhängt. Würde die Deutsche Bank dagegen verstoßen, bekäme sie neuen Ärger in den Vereinigten Staaten. Vor einem Jahr war sie wegen „erheblicher Schwächen“ als einzige Bank durch den Stresstest der amerikanischen Notenbank Fed gefallen. Mit Spannung wird Ende Juni das Ergebnis des nächsten Stresstests erwartet.

          Der Ausweg, um den Gewinn aus dem Goldschatz auszugleichen, ohne die amerikanischen Behörden zu verärgern, könnte ein Treuhandkonto sein. Dorthin könnte die Deutsche Bank den Buchgewinn aus Goldschatz abzüglich Kredit überweisen, die Notenbank in Venezuela oder die Regierung aber dürften erst darüber verfügen, wenn sie international rehabilitiert sind oder ein Regimewechsel stattgefunden hat.

          Die Deutsche Bank ist übrigens nicht die einzige Bank, die auf einem Goldschatz aus Venezuela sitzt. Erst Ende März bekam die Citigroup sogar 32 Tonnen Gold aus einem „Swap-Deal“ mit der Notenbank Venezuelas. Dank des während der Kreditlaufzeit gestiegenen Goldpreises erzielten sie ähnlich wie die Deutsche Bank einen Gewinn, den sie auf einem Konto in New York geparkt haben sollen. Unterdessen schrumpfen Venezuelas Goldreserven, allein 2018 gingen sie um 40 Prozent zurück.

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